Gericht spricht Sohn frei

Keine Untreue: Mutter wusste von Abhebungen

Zwickau.

Ein 60-Jähriger aus dem Altkreis Zwickau ist vom Amtsgericht Zwickau vom Vorwurf der Untreue freigesprochen worden. Angeklagt hatte ihn die Staatsanwaltschaft, weil er von den Konten seiner Mutter, die wegen einer angehenden Demenz in einem Heim lebte, rund 87.000 Euro abgehoben haben sollte. Das Geld soll er, so stand es in der Anklageschrift, für den Lebensunterhalt und Luxusausgaben für sich und seine Lebensgefährtin verwendet haben. Angezeigt hatte den Mann unter anderem eine Betreuerin der Frau.

Der Tatvorwurf, das Geld ohne Wissen der Mutter genommen zu haben, ließ sich in der Verhandlung allerdings nicht bestätigen. Der Angeklagte selbst hatte ausgesagt, dass er ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter hatte und sie ihm erlaubt habe, eigenständig über das Geld zu verfügen. "Sie hat zu mir gesagt, wenn du Geld brauchst, dann nimm dir etwas", sagte er dem Gericht. Widerlegt werden konnte diese Aussage in der Verhandlung nicht.

Ein Zeuge bestätigte die Großzügigkeit der Frau. "Sie hat zur Tatzeit ihren Haushalt noch selbst erledigt und war noch einigermaßen klar im Kopf", sagte der Zeuge. Das ist heute anders. Die Mutter des Angeklagten konnte wegen ihres Zustandes keine Aussage vor Gericht machen. Wie es ihr Ende 2015 ging, konnte auch ein Sachverständiger nicht mehr feststellen. Ein Notar hatte im Februar 2016 die Frau als durchaus geschäftsfähig beschrieben, als er eine Generalvollmacht für den Angeklagten beurkundete. Damit war dieser zur Übernahme aller Rechts- und Geldgeschäfte ermächtigt.

Das Gericht ging davon aus, dass die Mutter von den Geldabhebungen ihres Sohnes wusste und dieses tolerierte. Gegen Untreue sprachen auch die erteilten Vollmachten. Das sah die Staatsanwältin ebenso und beantragte in ihrem Plädoyer einen Freispruch. Richter Jürgen Dietel: "Solange nicht sicher festgestellt werden kann, dass die Frau geschäftsunfähig war, gilt deren geäußerter Wille". Dass dabei auch das Erbe anderer verloren ging, dürfe nicht dazu führen, dass man diesen Willen nicht respektiert. (nkd)

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