Geschichte: Die Frauen holen auf

Für Bertha von Groitzsch wurde am Mittwoch am Schwanenteichpark eine Stele eingeweiht. Das zeigt, wie tief Frauen in der Stadt verwurzelt sind.

Zwickau.

Die Stadt ist voll von ihnen: engagierte, kluge, kreative, mutige, wegweisende Frauen. Das ist schon seit 900 Jahren so. Mancher hat es nur noch nicht gemerkt.

Deswegen ist am Mittwoch am Rande des Schwanenteichparks eine weitere Stele - oder sagen wir besser: Infotafel -für eine besondere Zwickauerin eingeweiht worden. Es ist die zweite ihrer Art in Zwickau und die achte in ganz Sachsen. Das Projekt nennt sich Frauenort und ist in diesem Fall Bertha von Groitzsch gewidmet, die vor 900 Jahren eine Kirche stiftete und damit dafür sorgte, dass dieses Zwickau erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Mehr als 30 Gäste sind bei der Einweihung dabei: Frauen aus Politik, Kultur und dem sozialen Leben. Und wen begrüßt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zuerst? Die Männer! Damit hat sie die Lacher auf ihrer Seite, denn die Herren sind bei diesem Termin die besondereren Gäste. Selbst wenn es dieses Wort nicht gibt. Doch auch sie zollen den Frauen Respekt, die ihren Einfluss auf die Geschichte genommen haben. Dass es ausschließlich um Frauen und nicht allgemein um Menschen geht, erklärt Jessica Bock vom Landesfrauenrat damit, dass dieses Gremium noch daran arbeitet, unter anderem die Geschichtsschreibung paritätisch darzustellen. "Wir wollen den Frauen den Platz geben, den sie verdienen." Mit anderen Worten: Die Frauen sollen aufholen, auch was die Wahrnehmung ihrer Verdienste angeht.

Verdienstvolle Frauen gab es in der langen Zwickauer Geschichte reichlich. Vor zwei Jahren wurde bereits eine Infotafel für die Rechtswissenschaftlerin Gertrud Schubart-Fikentscher aufgestellt, weitere sollen folgen, sagt Isabell Kühnreich von der Stadtverwaltung. Darin ist sie sich mit der Gleichstellungsbeauftragten Ulrike Lehmann einig. Aber wer auf diese Weise noch geehrt werden soll, steht bislang nicht fest. Vielleicht ja Susanna Kosmale - unvergessene Biologielehrerin und Naturschützerin. Vielleicht aber auch Christa Bretschneider - Landschaftsarchitektin und Denkmalschützerin.

Nur an sechs anderen Plätzen in Sachsen ist derzeit ein Frauenort ausgewiesen. Warum sich Zwickau so hervor tut, begründet Jessica Bock damit, dass es dort eben viele verdienstvolle Frauen gab. Und dass es viele interessierte Frauen (und möglicherweise auch Männer) gibt, die sich um deren Andenken kümmern. Dabei geht es nur um eins: Gleichberechtigung.

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