Gesprengte Zigarettenautomaten: Schon 15 Fälle in diesem Jahr

Im Landkreis Zwickau häufen sich Attacken auf die Selbstbedienungsgeräte. Bisher ist keiner der Täter gefasst.

Zwickau.

Der Knall, der am 11. August gegen 1.30 Uhr die Stille im Mülsener Ortsteil St. Jacob jäh unterbrach, war heftig. Die beiden Männer, die an der Hauptstraße einen Zigarettenautomaten mit Pyrotechnik gewaltsam geöffnet hatten, waren sich wohl darüber im Klaren, dass ihr Treiben Menschen aus dem Schlaf reißen würde und hatten sich daher vorsorglich maskiert. Dem Automatenwrack entnahmen sie sämtliche Zigaretten und das vorhandene Bargeld. Die Polizei weiß bisher nur, dass sie dunkel gekleidet und maskiert waren. Zeugen hatten dies beobachtet. Sonst fehlt jeder Hinweis auf die Täter. Der knapp 10.000 Euro teure Automat wurde durch die Detonation komplett zerstört. Herumfliegende Trümmerteile beschädigten zudem eine Hausfassade.

Bei dem gesprengten Automaten handelt es sich um keinen Einzelfall. Allein im August wurden in Mülsen zwei Zigarettenautomaten auf diese Weise geleert. Ein weiterer flog an der Trillerstraße in Zwickau in die Luft. Wie Anett Münster von der Pressestelle der Polizei Zwickau mitteilte, sind auf diese Weise im Jahr 2017 bereits 15 Zigarettenautomaten im Landkreis gesprengt worden. Gemeinsam mit zwei unbrauchbar gemachten Kaugummiautomaten ist ein Gesamtschaden von rund 20.000 Euro entstanden. Ob es sich bei allen Sprengungen um die selben Täter handelt, konnte Münster nicht sagen. Das werde jedoch geprüft. Bisher konnte keiner der Kriminellen gefasst werden.

Dabei ist die Vorgehensweise der Täter in der Regel gleich, wie die Polizeisprecherin sagte: Sie nutzen Pyrotechnik, die sie entweder in den Ausgabeschacht oder an der Außenseite des Automaten anbringen und mit einer längeren Lunte zünden. Die Böller stammen meist aus Tschechien. Zunehmend wird auch entzündbares Gas eingesetzt. Das ist zwar meist wirkungsvoller, aber für die Täter auch gefährlicher und mit einem höheren Aufwand verbunden. Das Gas wird durch Öffnungen in den Automaten eingeleitet und gezündet.

Was aus den Automaten herauszuholen ist, wissen die Täter vorher nicht. Trotz einer ganzen Reihe gesprengter Automaten in der Region will sich das betroffene Unternehmen nicht zu den Vorfällen äußern, auch nicht dazu, wie viele Packungen Zigaretten in einen ihrer Automaten hineinpassen.

Die Täter peilen indes auch größere Ziele an. 2017 wurde im Kreis ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn gesprengt. Sachschaden: 40.000 Euro. Die Höhe der Beute wollten weder Polizei noch Bahn verraten. Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) ist, ebenso wie die Vogtlandbahn, bisher von Sprengungen verschont geblieben. Der Pressesprecher der MRB dazu: "Einen wirksamen Schutz vor solchen Schäden gibt es nicht." Als Alternative nannte er Automaten, die kein Bargeld akzeptieren. "Sie sind hinsichtlich möglicher Einbrüche unattraktiv."


Bargeld lockt an

Rund 330.000 Zigarettenautomaten werden nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller in Deutschland betrieben.

Die Bargeldeinnahmen locken Kriminelle an. Die haben es allerdings längst nicht mehr nur auf Zigarettenautomaten abgesehen, erklärte die Pressesprecherin des Landeskriminalamtes Sachsen, Kathleen Zink. So viele Attacken auf Automaten gab's 2016 in Sachsen:

Zigarettenautomaten: 238 (65)

Fahrkartenautomaten: 19 (11)

Geldautomaten: 8 (5)

Sonstige Automaten: 23 (10)

(in Klammern: erstes Halbjahr 2017)

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