Gewandhaus hat eine lange Geschichte

Zwickau.

Seit dem 24. April 1520 war die Griechisch-Hebräische Schule auch im Gebäude der Lateinschule am Marienkirchhof (vorher im Gewandhaus) untergebracht. Unter der Leitung von Georgius Agricola (1494-1555) spielten die Schüler in diesem Jahr - vermutlich erstmals in deutschen Landen - ein Theaterstück in griechischer Sprache: die Komödie "Pluto" des Dichters Aristophanes (450/444 v. Chr. bis um 380 v. Chr.). Das alte Gewandhaus wurde abgebrochen und bis 1525 neu erbaut. Das neue Gebäude diente mehreren Zwecken, unter anderem auch als Tanzstätte und Theater. Am 20. April 1537 fand im Tanzsaal die erste Theateraufführung in deutscher Sprache statt - die "Keusche Susanna" von Paul Rebhuhn (um 1505-1546), einem der ersten deutschen Schauspieldichter und von 1535 bis 1538 Konrektor der Zwickauer Lateinschule. In der Fastenzeit des Jahres 1609 führten Schüler der Lateinschule in einer Art Theaterspiel den Prinzenraub des Ritters Kunz von Kaufungen (um 1410-1455) auf. Am 24. April 1671 traten die Schüler der Lateinschule erstmals seit 1625 wieder in einer Komödie auf, womit der regelmäßige Betrieb des Schülertheaters erneut einsetzte.

Im August 1715 trat die Schauspieltruppe von David Holzward und von Schauspieler und Theaterdirektor Christian Spiegelberg (1682-1732) im Gewandhaus auf. Friederike Caroline Weißenborn (1697-1760) kam hier erstmals intensiv mit der Schauspielkunst in Berührung, trat aber in Zwickau nie selbst auf. 1717 verließ sie mit dem Reinsdorfer Bauernsohn Johann Neuber (1697-1759), den sie 1718 heiratete (seitdem wurde sie Neu- berin genannt), und dem Weißenborner Predigersohn Johann Gottlieb Förster die Stadt, um sich dieser Truppe anzuschließen, nachdem ein erster Fluchtversuch aus dem elterlichen Haus schon einmal gescheitert war. Förster gründete 1722, Neuber und Weißenborn 1725 eigene Theatertruppen. Am 4. Juli 1823 begann im Gewandhaus der Theaterbetrieb mit dem Schauspiel "Preciosa". Die Hermannsche Theatertruppe weihte den Theatersaal ein. Es war aber ein Theaterprovisorium, denn eine ständige Bühne fehlte. Es folgten am 10. Juli "Der Kalif von Bagdad" und am 16. Juli "Der Freischütz". Vorher spielte man im kleinen Däumelschen Saal an der Badergasse, den Herr Däumel am 20. November 1808 in Betrieb genommen hatte. Obwohl vornehmlich als Kasinosaal geplant, fand er auch als Theaterspielstätte Verwendung.

Erst im Jahre 1855 erhielt das Gewandhaus durch den Einbau eines Saales in der Längsachse des Gebäudes den Charakter einer Theaterspielstätte. Am 13. November 1855 eröffnete die Sachsen-Altenbur- gische Hoftheatergesellschaft mit der Oper "Die weiße Dame" des französischen Komponisten François-Adrien Boieldieu (1775-1834) die neue Saison und damit überhaupt den regelmäßigen Spielbetrieb an diesem Haus. Während der Umbauarbeiten gab das Theater Vorstellungen im "Deutschen Haus" in der Äußeren Schneeberger Straße 18. Das Gebäude ist unter dem späteren Namen "Tivoli" bekannt und beherbergte bis 1964 auch ein Kino.

Ab 1863 wurde das Gewandhaus offiziell als Stadttheater bezeichnet und wird bis heute als solches genutzt. Zu den berühmten Gästen auf der hiesigen Bühne zählten zum Beispiel Marie Seebach (1871), Maria Geistinger (1878), Paul Hartmann (1907), Adele Sandrock (1910), Jo- achim Gottschalk (1929) und Inge Meysel (1930).

Nach einem zweijährigen Umbau öffnete das Theater im Gewandhaus am 28. September 1884 wieder seine Pforten. Das Hauptaugenmerk galt - nach dem schrecklichen Wiener Ring-Theaterbrand im Dezember 1881 - vor allem der Verbesserung des Brandschutzes durch den Einbau einer Brandmauer, eines eisernen Vorhanges und der Schaffung von Notausgängen. Außerdem entstand ein Bühnenanbau für Garderoben und Requisiten. Während der Bauzeit spielten die Schauspieler auf der Bühne des Victoria-Theaters (Eingang Georgenstraße). Dieses Theater gab es jedoch nur kurze Zeit. Im Jahre 1898 erfolgte dann im Stadttheater der Einbau des abgesenkten Orchesterraumes.

Am 1. April 1920 ging das Theater im Gewandhaus in städtische Verwaltung über. Am 15. September 1931 kam es infolge der Weltwirtschaftskrise zur vorübergehenden Schließung der Bühne. Dann kam eine noch größere Katastrophe: der Zweite Weltkrieg. Die Pläne der nationalsozialistischen Stadtverwaltung für den Bau eines neuen Theaters wurden für die Zeit "nach dem Sieg" weggelegt. Am 31. August 1944 musste wegen der Ausrufung des "Totalen Krieges" nach nur 14-tägiger Spielzeit in der Saison 1944/45 das Stadttheater seine Pforten schließen. Schon am 19. Juli 1945 konnte es aber mit einer geschlossenen Veranstaltung seinen Spiel- betrieb wieder aufnehmen. Das erste Spieljahr nach dem Krieg fand große Zuschauerresonanz. Es kamen insgesamt 293.345 Besucher. Als Mal- und Dekorationssaal diente dem Theater noch einige Jahre die erhalten gebliebene Turnhalle der zerstörten Städtischen Oberschule für Mädchen. Seit dem 13. Juni 1956 bildeten das Stadttheater, die Kammerbühne und das Theater der Jugend gemeinsam die Bühnen der Stadt Zwickau. Im Juni und Juli 1956 ließ die Stadt im Gewandhaus die alte Kassettendecke entfernen und ein neues Gestühl einbauen (643 statt 703 Sitze). Am 27. März 1975 öffnete das Gewandhaus nach einer zweijährigen Rekonstruktion wieder für die Besucher. Das Theater bot jetzt 412 Gästen Platz.

Am 18. Oktober 1997 wurde das Zwickauer Gewandhaus, die Hauptspielstätte des Theaters Zwickau", nach Asbestsanierung und Modernisierung seit 1996 mit der Premiere der Oper "Der Idiot" im Beisein zahlreicher Ehrengäste wiedereröffnet. Am 29. Oktober 1998 stimmte der Zwickauer Stadtrat auf seiner Sitzung dem Fusionsvertrag der Theater Zwickau gGmbH mit dem Vogtlandtheater Plauen ab 1. August 2000 zu. Sie schlossen sich zur Theater Plauen-Zwickau gGmbH zusammen. Zurzeit wird das Stadttheater im Gewandhaus grundhaft saniert.

In Zwickau gab es noch weitere Theater. Im Mai 1952 wurde im Obergeschoss der Stadtbibliothek am Dr.-Friedrichs-Ring 19 unter Leitung von Susanne und Heinz Holzapfel das Theater der Jugend, ein Puppentheater, in Betrieb genommen. Das Puppentheater wurde 1955 Bestandteil der Bühnen der Stadt Zwickau. Am 31. Mai 1987 konnte das neue Gebäude für das Puppentheater, das im Anschluss an das Gewandhaus errichtet worden war, eingeweiht werden. Am 28.September 1984 hatte die Stadt dazu den Grundstein gelegt.

Das Intime Theater in der Neuberinstraße 32 existierte von 1967 bis um 1972. Dann musste es im Zuge des Abrisses der Häuser im Abbruchgebiet Alter Steinweg geschlossen werden. Bald wurde jedoch ein neues Theater eröffnet. Im Oktober 1979 nahm das Theater in der Mühle (Dr. Friedrichs-Ring 155) seinen Spielbetrieb auf. Es bot 120Besuchern Platz. Die Karten mussten damals zum Teil bis zu zwölf Monate vorbestellt werden.

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