Glanzpunkt der Konzertsaison

Werke von Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner begeisterten die Freunde klassischer Musik in der "Neuen Welt".

Zwickau.

Eine launig anmutende Mischung aus musikantischer Parodie, visionärer Moderne und epochalem Jahrhundertwerk brachte das 6. Sinfoniekonzert dem Zwickauer Publikum mit Werken von Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner zu Gehör.

Der konzeptionelle Hintergrund sind Tabubrüche in der Musik: 1870 entstand Wagners Walküre, 1970 erklang das avantgardistische Tratto II Zimmermanns: "Wir (leben) in einer Zeit, die vom apokalyptischen Sturm geschüttelt wird." Dem kunstvoll parodierenden Giostra Genovese von 1962, einer Reiseerinnerung an Italien in Form einer Renaissance-Suite, merkt man diese Geisteshaltung nicht an. Dennoch werden die alten Meister nach dem Vorbild Ottorino Respighis durch atonales Abdriften verfremdet - wie eine mittelalterliche Stadtkulisse von schrillem Autoverkehr. Das Orchester musizierte die delikaten Klangstudien mit Humor und Grandezza. Als Zimmermann 1970 52-jährig freiwillig aus dem Leben schied, stellte sich heraus, dass seine letzten Werke, zu denen Tratto II zählt, auf den Tod verweisen. Das elektronische Klanggebäude erweckt dahingehende Assoziationen. Die Aneinanderreihung bewegter Cluster ist sowohl Erweiterung des Hörspektrums als auch als Vision einer anderen Welt. Stille und Umkehr, entstanden zur 500-Jahrfeier für Albrecht Dürer (9:49 Minuten ostinates D), fügt sich ebenso in diesen Kontext. Respekt vor den Zwickauer Künstlern, sich dieser musikalischen und philosophischen Herausforderung zu stellen.

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Nicht weniger als alle drei großen sächsischen Opernhäuser schmückten sich in den letzten Jahren mit Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen". Zwickau setzte am 11. April mit GMD Leo Siberski, enthusiastischen Sängern und dem Orchester Plauen Zwickau in der "Neuen Welt" ihren eigenen Glanzpunkt: 1. Aufzug der Walküre. Welch ein Fest! Der bei Fachleuten gleichermaßen geschätzte und gefürchtete expressive, für Sänger bis an die äußerste Grenze der Stimme und Ausdrucksfähigkeit gehende 1.Tag des Rings wurde zu einem fulminanten Höhepunkt der Konzertsaison. Der Bayreuth-erfahrene GMD zeigte, wie man einen Orchesterklang zum Leuchten bringt. Da gesellte sich satter Streichersound zu blitzendem Blech, und samtener Wohlklang der Holzfraktion mischte sich aufs Glücklichste mit den begeisternd intonierenden Sängern Sarah Kuffner (Sopran) als Sieglinde, Tobias Haaks (Tenor) als Siegmund und Karsten Schröter(Bass) als Hunding. "Wir haben übrigens die Absicht, das Gewandhaus mit einem Paukenschlag wiederzueröffnen, dieses Konzert ist die Vorbereitung darauf", lässt Siberski durchblicken. Welches andere Wagner-Werk ihm vorschwebt, kann der geneigte Theaterfreund nun vielleicht erraten.

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