Glasfasernetz würde die Kasse sprengen

Das Konzept für superschnelles Internet in Zwickau liegt vor. Beziehungsweise das Konzept dagegen. Denn es rät von dem Plan ab. Und lässt manche Fragen offen.

Zwickau.

Bilder und Dateien blitzschnell übertragen, Filme in bestechend scharfer Qualität sehen oder den Firmenanschluss für große Datenmengen fitmachen - für all das wird superschnelles Internet gebraucht, das möglichst Übertragungsraten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde zulässt.

Flächendeckend ist dieses Angebot im Stadtgebiet von Zwickau noch Mangelware. Der Stadtrat würde das gern ändern und hatte daher im April die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zum Ausbau zu erstellen. Die Forderung im Klartext: Bis 2025 sollte jeder Haushalt in der Stadt über einen Glasfaseranschluss verfügen. Jetzt liegt das von der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) erstellte Konzept vor. Der städtische Energieversorger geht dabei davon aus, das Netz selbst zu bauen und zu betreiben. Sein Fazit: Ein Glasfaserausbau ist möglich, aber extrem unwirtschaftlich.

Laut ZEV müssten weit über 85Millionen Euro investiert werden, um jeden Haushalt bis in den letzten Winkel der Stadt mit Höchstleistung ans Netz zu bringen. Dazu kämen noch die Hochschul- und größere Firmenstandorte. Die Finanzierung würde nicht nur die ZEV belasten, sondern auch die Stadtkasse, die auf größere Investitionen an anderer Stelle verzichten müsste. Der Energieversorger würde das Geld nämlich von der jährlichen Gewinnausschüttung an die Stadt abziehen und das mit Sicherheit über mehrere Jahre.

Außerdem wird am Bedarf gezweifelt. Gerade mal acht Prozent der Zwickauer Haushalte seien demnach bereit, für einen höherwertigen Breitbandanschluss einen neuen und vermutlich teureren Vertrag abzuschließen. Wie viele Neuabschlüsse nötig wären, um wirtschaftlich zu arbeiten, geht aus dem 40-seitigen Konzept nicht hervor. Bei den Zahlen beziehen sich die Macher auf Informationen der Telekom. Wie der Telekommunikationsriese auf die acht Prozent kommt, konnte am Dienstag nicht geklärt werden.

Darüber hinaus verweist das ZEV-Konzept darauf, dass 83 Prozent der Zwickauer Haushalte bereits über einen Anschluss von 50Megabit pro Sekunde verfügen - was vielen Kunden reicht. Die Zahl stammt aus dem Breitbandatlas und ist die eigentliche Überraschung der Studie, lag doch der Ausbaugrad noch vor einem Jahr bei nicht einmal der Hälfte. Wann dieser flotte Netzausbau stattgefunden hat, geht aus dem Papier nicht hervor.

Bezweifelt wird in der Studie auch, dass tatsächlich alle Gebäude an das Glasfasernetz angeschlossen werden können. Dazu müsse die Genehmigung der Eigentümer vorliegen, was vor allem bei Mietwohnungen oder Eigentümergemeinschaften zu Problemen führe. Zudem müsste die Glasfaserinstallation im Gebäude vom Eigentümer finanziert werden. Probleme sieht die ZEV auch beim Bau und dem Betrieb des Netzes. Man habe weder Personal für den Tiefbau noch für den Betrieb eines Breitbandnetzes.

Für Stadtrat Bernd Rudolph (Die Linke) ist der Glasfaserausbau damit aber nicht gestorben. "So hatte ich mir das Konzept nicht vorgestellt", sagte er. "Die Unterlagen verfehlen das Thema. Das ist kein Konzept, sondern lediglich ein Statement der ZEV." In dem Papier stünden Zahlen ohne Erklärungen. Vor allem die 85Millionen Euro beschäftigen ihn. So sei nicht aufgeführt, ob sich der Betrag auf ein komplett neues Netz beziehe. "Es gibt schließlich vorhandene Glasfaserleitungen, die genutzt werden können", so Rudolph.

In Meerane übernehmen den Ausbau und den Betrieb des Glasfasernetzes dagegen die kommunalen Stadtwerke: Ende 2020 soll er abgeschlossen sein - allerdings nur mindestens 50 Mbit garantieren. Die Wirtschaftlichkeitslücke wird dort über Fördermittel geschlossen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...