Graffito: Unger-Mütz und Kutscher fehlen

Die Spannung im Dorf steigt, welches Bild nun an die monströse Stützmauer in Ortmannsdorf kommt. Mitte Mai soll die Malerei beginnen.

Mülsen.

Der Bau der monströsen Stützwand an der Neuschönburger Straße in Ortmannsdorf geht langsam dem Ende entgegen. Die Gemeinderäte, allen voran Dieter Unger (Freie Wähler), fragen sich, wann die Straße dort endlich wieder frei ist und wann das nächste Stück aufgerissen wird. Laut dem Mülsener Bauamtsleiter André Rademacher hat die Kreisbehörde noch bis 17. Mai eine Vollsperrung der Straße beantragt. Danach soll es bis Mitte/Ende Juni eine halbseitige Sperrung geben. Und Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) sieht die nächste Baustelle, die an der Schmutzlerbrücke geplant ist, noch nicht so schnell beginnen. Im Kreistag sei dazu noch kein Beschluss gefällt worden, erklärte er.

Mitte April gab die Kreisverwaltung die neuerliche Verlängerung der Vollsperrung an der Neuschönburger Straße in Ortmannsdorf bekannt. Die Arbeiten an der Stützmauer sollen aller Voraussicht nach bis Mitte Mai andauern, informierte das Landratsamt. Seit Oktober 2017 ist die Straße wegen dieses 2 Millionen Euro teuren Vorhabens dicht. Ursprünglich sollte die 125 Meter lange Mauer im August 2018 stehen. Sie soll verhindern, dass der Hang erneut abrutscht. Doch die Arbei- ten verzögerten sich wieder und wieder.


Bis Ende April war nun geplant, die Stützmauer zu hinterfüllen. Bis Mitte Mai sollen eine Entwässerungsmulde errichtet und das Gelände angeglichen werden. Laut Baufirma muss dafür ein Kran Material über die Stützmauer heben, der benötige ausreichend Arbeitsraum. Anschließend wird das Graffito angebracht. Für die Gestaltung der Wand sind rund sechs Wochen Zeit vorgesehen.

Die Spannung in Mülsen steigt, was nun an das neue Bauwerk gemalt wird. Tronje Hagen (CDU) hegte noch die Hoffnung, dass ein bekannter und angesehener Sprüher wie Tasso vielleicht beauftragt wurde, bei dem man sicher sein könne, dass das Bild gut werde. Das Landratsamt hat die Entscheidung aber längst getroffen, die Firma Supernova Productionz aus Grünhain-Beierfeld macht es. Thomas Schrödter (Impuls Mülsen) fragte, ob das Bild ein Geschenk des Landratsamtes an die Gemeinde sei. "Die Mauer ist doch schon ein Geschenk", witzelte Thomas Schenk (Freie Wähler). Viele Mülsener machen sich seit Monaten lustig über die Wand, die sie für überdimensioniert halten. Freund erklärte mehrfach, dass das eine Baustelle des Landkreises und nicht der Gemeinde sei. Nach seinen Worten übernimmt die Kreisverwaltung auch die Kosten für das Bild, das eine dörfliche Szenerie zeige. Der Bürgermeister erklärte, dass auch die Entscheidung, was an die Mauer gemalt werde, nicht in der Gemeinde gefällt wurde. Auf Nachfrage glaubte er sich zu erinnern, dass ein großer Pferdewagen dort zu sehen sei, "wohl auch mit einem Kutscher drauf, vielleicht trägt der sogar eine Unger-Mütz", scherzte wiederum Freund. Das Ortmannsdorfer Urgestein Unger ist bekannt für seine Kappe, die er sogar bei den Ratssitzungen aufbehält.

Doch bei genauer Betrachtung des Bildes, das das Landratsamt bereits zur Veröffentlichung freigab, steht fest: Die Mütze des Pferdewirtes, der gern die Zügel in die Hand nimmt und seinerzeit mit anregte, dass die Ortmannsdorfer Kirche zur ersten sächsischen Reiterkirche wurde, ist nicht zu sehen. Die Kutsche ist sogar führerlos.

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