Größer, länger, stärker: Edgar soll kühlen Kopf bewahren

Das Racingteam der WHZ hat seinen neuen Rennwagen vorgestellt. Mit Modell Nummer 11 ist das Elektromobil erwachsen geworden.

Zwickau.

Horst hustet. Irgendwie will der Funke nicht überspringen. Horst hustet noch einmal. Wieder nichts. Horst ist umringt von Anzug tragenden Menschen, die aufmunternd in seine Richtung blicken. Sie wissen, dass er in die Jahre gekommen ist, aber sie möchten ihn trotzdem noch einmal in Aktion sehen. Dann endlich findet Horst zu alter Form zurück. Das Feuer brennt wieder - sozusagen. Und der Rennwagen aus der Saison 2008/2009 setzt sich in Bewegung. Es war das vorletzte Modell aus der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ), das noch einen Verbrennungsmotor hatte. Nun sind die Gäste des diesjährigen Rollouts darauf gespannt, was der Neue zu bieten hat. Es ist das elfte Modell aus der westsächsischen Rennautoschmiede und das achte Elektroauto.

Der Neue in der Familie, an dem die Studenten in den vergangenen 244 Tagen nach dem letzten Rennen mit Vorgänger Ernst gearbeitet haben, heißt Edgar. Die jungen Tüftler wollten den 2016er-Rennwagen eigentlich nur verfeinern. "Davon ist aber nicht viel übrig geblieben", sagt Projektleiter Manuel Seifert, der das Auto am Freitag vorstellt. Wenn man ein Fahrzeug noch einmal anfasst, dann komme man ganz woanders raus als geplant. Und so ist der kleine Bruder deutlich größer geworden als seine elektrische Verwandtschaft. "Wir haben Form und Aufbau grundlegend verändert", sagt Seifert. Das Monocoque - also das aus einem Teil bestehende Fahrzeuggestell - sollte mehr Steifigkeit erhalten und ist nach hinten um einiges länger geworden. Damit rutscht der Fahrer in eine mehr liegende Position. Allerdings, so versichert der Teamleiter, hat er immer noch einen guten Überblick - und nun ein besseres Fahrgefühl.


Neben der verbesserten Straßenlage legten die Konstrukteure auch Wert auf einen stärkeren Antrieb. Das Auto hat wieder einen Allrad-Antrieb bekommen. Es gibt vier Radnabenmotoren, die insgesamt rund 200 PS auf die Rennstrecke bringen. Da ein Teil der Energie über das Bremsen zurückgewonnen wird, hoffen die Studenten vor allem beim Ausdauerrennen auf bessere Ergebnisse. Doch auch in Sachen Beschleunigung soll Edgar mehr Punkte sammeln, und er soll vor allem einen kühlen Kopf bewahren. Technikchef Seifert erklärt den Gästen der Veranstaltung, wie die Studenten das erreichen wollen: Im Akkukasten steckt ein Wärmespeicher, der die in den einzelnen Zellen entstehende Hitze aufnimmt. Denn wird es dem Wagen zu heiß unter der Schädeldecke, dann droht die Disqualifizierung, oder es kann sich sogar der Motor entzünden. Beides ist schon passiert, beides war bitter.

In der diesjährigen Rennsaison der Formula Student wollen sich die Zwickauer das ersparen. Anders als in den Jahren zuvor starten sie nicht in Silverstone, weil die Engländer sich neue Regeln gegeben haben, die andere Erfordernisse an die Konstruktion der Autos stellen. Stattdessen starten die Westsachsen im Juli in den Niederlanden, ehe sie im August in Hockenheim auf die Strecke gehen. In Spanien wollen sie die Saison beenden - und das auf einem besseren Platz auf der Weltrangliste als den derzeitigen 23.

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