Große Baupläne mit ungewissem Ausgang

Der SIB plant den Umbau des ehrwürdigen Amtsgerichtes am Ring - sogar mit einem Neubau. Doch es gibt viele Fragezeichen.

Zwickau.

Das Amtsgericht Zwickau ist derzeit auf fünf Standorte verteilt. Für die Effektivität der Arbeit ist das, schon allein wegen der langen Fahrten ins Aktenarchiv in Bad Schlema, alles andere als günstig. Direktorin Eva-Maria Ast machts sich daher seit Jahren für einen Standort, an dem alle Mitarbeiter unter einem Dach arbeiten können, stark.

Zumindest in der Theorie könnte sie ihrem Ziel jetzt ein gutes Stück näher gekommen zu sein. Praktisch allerdings ist noch gar nichts entschieden. Der Sächsische Staatsbetrieb für Immobilien- und Baumanagement (SIB) favorisiert das Amtsgericht am Dr.-Friedrichs-Ring 21 als künftige Gerichtszentrale. Bis zum 10. Oktober jedenfalls läuft die Ausschreibung, mit der ein Projektsteuerer gesucht wird. Wie SIB-Sprecher Alwin-Rainer Zipfl sagte, sei angestrebt, die Immobilie so umzubauen, dass darin das Archiv sowie die bisher im Landgericht genutzten Räume untergebracht werden können. Auch die Flächen in der Humboldtstraße 1 sollen reduziert werden. Die derzeitigen Fläche, so der Plan, soll von jetzt etwa 2500 auf 4400 Quadratmeter erweitert werden. Bis Mitte 2024 soll das Amtsgericht für die Zentralisierung fit gemacht werden. Laut der Ausschreibung wird zunächst im Hof ein flacher Anbau mit Sitzungssälen entstehen. Danach ist ein Neubau an der Westseite (Humboldtstraße) vorgesehen. Zuletzt steht die Sanierung des Bestandsgebäudes auf dem Plan. Ob die Arbeiten bei laufendem Betrieb erfolgen können, konnte Zipfl noch nicht sagen. "Wir befinden uns am Anfang der Planungen", sagte er.

Direktorin Ast hält den Ball lieber flach. "Es sind noch einige Bausteine, die zusammenpassen müssen", sagte sie. Einer der größten davon ist die Finanzierung mit 28 Millionen Euro. Die Bauunterlagen liegen derzeit zur Prüfung im Finanzministerium. Außerdem verweist sie darauf, dass damit das Grundbuchamt noch immer nicht im zentralen Gebäude unterkommt. Sie will zunächst das Ende der Planungen abwarten, bevor sie sich auf den Standort am Ring festlegt. "Es könnte auch noch sein, dass sich das Gebäude für den Umbau als ungeeignet erweist", sagte sie. "Dann müsste eine andere Immobilie gesucht werden". Der Zwickauer CDU-Landtagsabgeordnete Gerald Otto würde einen Umzug an den Stadtring begrüßen. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", sagte er. "Die schon vor vielen Jahren angekündigte Zentralisierung innerhalb er Justiz ist hier mehr als überfällig".

Das Gebäude wurde am 1. Oktober 1856 als Königliches Landgericht eröffnet. 1900 wurde es umgebaut, der Gefängnistrakt entfernt und mehr Büros eingerichtet. Zu DDR-Zeiten zogen die Richter in das Justizgebäude am Rosa-Luxemburg-Platz (heute Landgericht). Die Stadt Zwickau nutzte es für die Abteilungen Finanzen sowie Inneres und Verkehr. Auch das Standesamt war dort untergebracht. Seit dem 1. Juni 1990 hatte das Finanzamt dort sein Domizil, bevor es im Juni 2011 wieder zum Amtsgericht wurde.

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