Große Nachfrage nach Kohle und Koks

Neun Jahrhunderte, erzählt in einem Jahr - Teil 18: Erste Gesellschaften zum Steinkohleabbau

Zwickau.

Die Erfindung der Dampfmaschine und deren Nutzung in fast allen wichtigen Industriezweigen und im Verkehrswesen führten zu einer verstärkten Nachfrage nach Steinkohle und Koks. Andererseits ermöglichte die Dampfmaschine ein Vordringen des Bergbaus in größere Tiefen. Das in die Gruben sich in den sammelnde Grund- und Tagewasser musste an die Oberfläche gepumpt werden, um die Grubenbaue offen zu halten. Nur so konnten die immer größeren Mengen an Steinkohle schneller zu Tage gefördert werden. Auch der Transport der Bergleute und des Materials mittels dampfmaschinenbetriebener Förderanlagen sparte Zeit und Kosten.

Allerdings waren die sogenannten Kohlebauern in Bockwa und Oberhohndorf (die ehemaligen Bauern hatten auf ihren Feldern Bergbau in geringen Tiefen betrieben) nicht in der Lage oder nicht Willens, sich zu Gesellschaften zusammenzuschließen. Deshalb bemühten sich vermögende Zwickauer Bürger und auswärtige Personen, vor allem der Freiberger Bergkommissionsrat Amandus Kühn (1783-1848), der Freiberger Prof. Dr. August Breithaupt (1791-1873) und das Leipziger Bankhaus Harkort, finanzkräftige Gesellschaften zum Abbau der Steinkohle zu gründen. Die Bemühungen der beiden Freiberger waren dem Zwickauer Rat nicht verborgen geblieben. Um diesen zuvor zu kommen, gründete sich auf Betreiben des Stadtrates der Zwickauer Steinkohlenbau-Verein. Dessen Satzung wurde am 14. November 1841 bestätigt. Es war das erste moderne Aktienunternehmen auf Zwickauer Flur. Schon am 7. Januar 1839 begann man mit dem Teufen des Vereinsglückschachtes, der 1841 in Betrieb ging. Es folgte 1842 der Auroraschacht, der bis 1846 geteuft wurde. Beim Niederbringen der beiden Schächte traf man unter anderem das bis 5,5 Meter mächtige Rußkohleflöz an - ein Glücksfund. Am 13.Juli 1855 begannen die Arbeiten im Glückaufschacht, die erst 1860 beendet werden konnten. In einer Teufe von 72 Metern ereignete sich am 12. November 1872 ein Schachtbruch. Drei Jahre dauerte es, den Schacht zu verstürzen, an der Bruchstelle zu vermauern und wieder aufzuwältigen. Anders war dieses Problem damals nicht zu beherrschen. 1901 wurde der Schacht dann vollständig ausgemauert, da sich am 14.Juli zwischen 226 und 236 Metern abermals ein Bruch ereignete. Hinzu kam, dass die Lagerungsbedingungen der Flöze den Abbau der Kohle sehr schwierig gestalteten.

1848 gab es am Auroraschacht zehn Koksöfen, die 1862 wieder stillgelegt wurden. Dafür nahm man am Vereinsglückschacht eine Brikettfabrik in Betrieb, die bis 1918 arbeitete. Eine neue Aufbereitungsanlage für die Kohle wurde bereits 1865 gebaut. Der Vereinsglück- und der Auroraschacht waren durch eine Huntebahn miteinander verbunden. Die gemeinsame Nutzung der Aufbereitungsanlage, der Halde und der Kohleverladeanlagen für die Eisenbahn rechtfertigten diesen Aufwand. Am Rand dieser Halde wurde übrigens das heutige Westsachsenstadion gebaut. Bereits im Jahr 1933 hatten Rekultivierungsarbeiten der Halde begonnen, die von Häftlingen des bis Ende des Jahres bestehenden Konzentrationslagers im Schloss Osterstein ausgeführt werden mussten. Auch bei den Bauarbeiten in den Jahren 1939 bis 1942 wirkten neben Baufirmen der Zwickauer Region Häftlinge des Zuchthauses Schloss Osterstein mit.

Das ehemalige Mannschaftsbad des Auroraschachtes (Auroraweg 44) wurde nach der Schließung des Schachtes lange Zeit von der landwirtschaftlichen Genossenschaft Kornhaus Zwickau für die Lagerung von Getreide genutzt. Das Gebäude ist heute noch erhalten.

Am 20. Januar 1885 übernahm der Zwickauer Steinkohlenbau-Verein für 123.000 Mark das Steinkohlenwerk Schmidts Erben mit dem Fortunaschacht und richtete diesen als Wetterschacht ein. Der Schacht war ab 1854 bis auf 286 Meter Teufe abgeteuft worden. Das gemauerte Schachtgebäude musste wegen starker Bergschäden 1898 abgebrochen werden. Ursache war der schachtnahe Abbau der Flöze ohne Versatz. Die Schachtröhre und das Schachtgebäude mussten mit erheblichem Aufwand repariert beziehungsweise neu gebaut werden. Das alte Schachtgebäude wurde durch ein hölzernes Fördergerüst ersetzt.

Zwischen 1887 und 1920 förderten die Schächte des Zwickauer Steinkohlenbau-Vereins reichlich 12 Millionen Tonnen Steinkohle. Am 11. Juli 1920 ging sein Vermögen in den Besitz der Stadt Zwickau über, die die Anlagen an den Erzgebirgischen Steinkohle Aktien Verein (ESTAV) verpachtete.

Die Zwickauer Bürgergewerkschaft, das zweite Unternehmen zum Abbau von Steinkohle in Zwickau, wurde von 15 Grundbesitzern und weiteren 53 Zwickauer Bürgern 1841 angesichts der vorgefundenen guten Flözverhältnisse gegründet. Diese Gewerkschaft wollte die Steinkohle des Kohlefeldes zwischen dem Galgengrund- und dem Mittelgrundbach ausbeuten. Zuerst wurde 1842 an der späteren Bürgerschachtstraße der Bürgerschacht I geteuft. In mehreren Etappen erreichte er im Jahre 1892 eine Teufe von 419 Metern. Dieser Schacht wurde in den Jahren 1958 bis 1961 verfüllt. Als zweiter Schacht der Gewerkschaft wurde 1851 bis 1896 der weiter westlich befindliche, 366 Meter tiefe Hilfe-Gottes-Schacht niedergebracht. Er wurde 1930 verfüllt. Es folgte in den Jahren 1869/72 der Bahnhofschacht. Er befand sich dort, wo 1936 das Bahnhofspostamt dem Betrieb übergeben wurde. Dieser 604 Meter tiefe Schacht wurde 1931/33 verfüllt. Als letzter und vierter Schacht der Zwickauer Bürgergewerkschaft wurde von 1872 bis 1894 in Etappen der Bürgerschacht II geteuft. Er erreichte eine Teufe von 598 Metern und wurde 1958/61 verfüllt.

1855 wandelte sich die Gesellschaft in einen Aktienverein um. Alle Schächte besaßen einen Anschluss zur Kohlenbahn. Zwischen 1884 und 1920, dem Jahr der Übernahme durch den ESTAV (Pachtvertrag), förderte die Zwickauer Bürgergewerkschaft 14,66 Millionen Tonnen Steinkohle.

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