Härtensdorfer Kirche bekommt wieder Bronzeglocken

Die 55Jahre alten Stahlglocken im Turm sind verstummt. Ehe neue erklingen können, ist noch eine Menge zu tun.

Härtensdorf.

Vor nunmehr sieben Jahren hat die Kirchgemeinde Härtensdorf begonnen, Geld für neue Glocken zu sammeln. Seit 1962 haben zwei aus Stahl geläutet. Diese werden morgen mit einem Kran aus dem Turm herausgehoben. "In diesem sollen bald wieder Bronzeglocken erklingen", sagt Bernd Roder vom Kirchenvorstand. Während des Ersten Weltkrieges waren 1917 zwei Härtensdorfer Bronzeglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Und nachdem diese 1925 ersetzt wurden, landeten die neuen bereits im Zweiten Weltkrieg 1942 ebenfalls im Schmelzofen.

Bernd Roder berichtet, dass es nur noch die Marienglocke von 1450 aus diesem Material gibt. Sie steht zurzeit ungenutzt im Turm und wird erst wieder mit aufgehangen, wenn die zwei neuen fertig sind. Die werden am 9.Juni in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck gegossen. Die Klöppel, die sie später zum Klingen bringen, werden in Karlsruhe geschmiedet, weil eine besondere Passform nötig sei.

Doch mit neuen Glocken ist es nicht getan. Roder erzählt, dass um 1450 - bevor die Marienglocke eingebaut wurde - der Kirchturm beschädigt worden war. "Bei den nötigen Bauarbeiten wurde auch der Glockenstuhl erneuert. Er ist also schon mehr als 550 Jahre alt und muss jetzt erst einmal denkmalgerecht saniert werden, ehe die neuen Glocken hineingehängt werden können", sagt Roder. Dass der Glockenstuhl schon so alt ist, haben Holzuntersuchungen ergeben. Vier Proben zeigten, dass die verwendeten Hölzer von 1438 sind, bei einer weiteren datiert das Holz auf 1330. Der Härtensdorfer berichtet, dass der Glockenstuhl komplett ausgebaut und in die Zimmerei Müller nach Thalheim gebracht wird, wo er mit den verwendbaren historischen Hölzer wieder fit für die nächsten Jahrhunderte gemacht und dann in das Gotteshaus zurückgebracht wird. Die Projektierung und Tragwerksplanung für die Restaurierung hat das Büro Professor Kempe aus Dresden übernommen. Innerhalb der Arbeiten wird auch der alte, elektrische Glockenantrieb durch glockenschonende Motoren ersetzt. Das erledigt mit den Herfurter Motorenwerken die gleiche Firma, die bereits vor 100Jahren den ursprünglichen Antrieb installiert hat. Die um 1900 durch die Zwickauer Firma Hahn eingebaute Uhr lässt die Kirchgemeinde ebenfalls restaurieren - ein Auftrag, den die Firma Vogler aus Dresden übernimmt. Und als Krönung soll sogar die historische Turmspitze von etwa 1870, die unterm Dach im Dornröschenschlaf liegt, wieder hergerichtet und montiert werden.

Die Kirchgemeinde geht davon aus, dass die Arbeiten fast eine Viertelmillion Euro kosten. Sie rechnet mit 100.000Euro von der Landeskirche. Außerdem fließen Spendengelder in das Vorhaben. Von der Denkmalbehörde komme kein Geld.

Möglich wird das anspruchsvolle Vorhaben auch dank des kräftigen Zupackens vieler Gemeindeglieder. Zu jenen, die helfen, gehört beispielsweise Jürgen Franke, der zurzeit gemeinsam mit Thomas Neef vorbereitende Arbeiten im Turm erledigt. Neef berichtet, dass er gebürtiger Hartensteiner ist. "Als 14-Jähriger bin ich mit dem Posaunenchor das erste Mal in der Kirche gewesen und war sofort begeistert von ihr. Später habe ich eine Härtensdorferin geheiratet und bin mit hergezogen. Jetzt kann ich das Gotteshaus sogar vom Küchentisch aus sehen. Ich liebe die Kirche. Wenn ich mich in ihr befinde, fühle ich mich dem Himmel ein Stück näher." Sie zu erhalten und zu verschönern ist für den Maurer eine Herzensangelegenheit.

In einem zweiten Bauabschnitt sollen Fassade, Dach und und Fenster des Härtensdorfer Gotteshauses saniert werden. Innerhalb des Förderprogramms "Leader" werden 70Prozent der Bausumme gefördert werden.


Blick in die Historie

1150 erfolgte die Weiheals Wege- kapelle am Böhmischen Steig durch Mönche der Marienkirche Zwickau. Nach Zerstörungen in den Hussittenkriegen gab es im Jahr 1450 umfangreiche Baumaßnahmen.

Der Peter-Breuer-Altar kam 1509/10 in das Gotteshaus. Er wird als Peter Breuers liebenswürdigstes Werk bezeichnet. Der Altar ist im Jahr 2000 anlässlich der 850-Jahr-Feier komplett saniert worden.

1846 fand die Weihe der Urban-Kreutzbach-Orgel statt, die 2011 restauriert worden ist.

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