Hartensteiner wird mit Annen-Medaille ausgezeichnet

Für ihren herausragenden und langjähriges ehrenamtlichen Einsatz sind 20 Sachsen auf Schloss Albrechtsberg in Dresden eingeladen. Unter ihnen ist auch Rainer Austel aus dem Landkreis Zwickau.

Hartenstein/Dresden.

Rainer Austel aus Hartenstein hat nur noch etwa ein Prozent Sehkraft. Dass er aufgrund einer Netzhauterkrankung langsam erblinden wird, war ihm bereits nach einer Operation gesagt worden, als er gerade mal in die 7. Klasse ging. 1987 ist der Ingenieur, der im Zwickauer Sachsenringwerk gearbeitet hat, dann Invalidenrentner geworden.

Doch die Behinderung hindert den inzwischen 64-Jährigen nicht, sich weiter ehrenamtlich im Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu engagieren. "Nach dem kürzlichen Tod unseres langjährigen Chefs Heinz Müller stand die DRK-Ortsgruppe auf der Kippe. Doch Sabine Oelsner, Klaus Michaelis und Michael Gerber haben gemeinsam mit mir entschieden, dass wir weitermachen. Das sind wir dem Heinz und seiner Frau schuldig", erzählt Austel und berichtet, dass sie Müllers Sohn Andreas mit ins Boot geholt haben, der nun Vorsitzender ist.

Die Ortsgruppe hat ihren Sitz im Rathaus. "Den Weg dorthin sowie zum Fleischer und zum Bäcker gehe ich noch allein, obwohl ich fast blind bin", sagt der Mann. "Ich bin in Hartenstein bekannt wie ein bunter Hund. Es gibt immer jemanden, der mir über die Straße hilft. Das ist das Gute an so einem kleinen Ort." Organisatorisches erledigt Austel aber meist von zu Hause aus am Telefon. So ist seine Rufnummer hinterlegt, wenn sich Jugendliche zum Erste-Hilfe-Lehrgang anmelden, den sie für den Führerschein brauchen. Auch Telefonate für DRK-Einsätze erledigt der Mann. Diese finden oft gemeinsam mit der Reinsdorfer Ortsgruppe statt. Uwe Kögler, der dort aktiv ist, kennt Rainer Austel bereits seit Jahrzehnten. "Ich staune immer wieder, wie engagiert der Rainer trotz seiner Behinderung ist", sagt er. "Und er kann gut mit Kindern, hat vielen das Schwimmen beigebracht, auch meiner Tochter."

Als Jugendlicher war Rainer Austel begeistert vom neuen Hartensteiner Bad. Und weil damals Rettungsschwimmer gesucht wurden, hat er sich mit anderen jungen Leuten zum Kurs angemeldet, stand später oft als Rettungsschwimmer am Beckenrand. Mehr als 15 Jahre war der Mann Vorsitzender der Hartensteiner Wasserwacht, hat selbst mit Rettungsschwimmer ausgebildet. Und weil es ihm im nassen Element so gut gefällt, will Austel sich jetzt bei Heinz Langer, der mit seinen 85 Jahren noch eine Behindertenschwimmgruppe in Zwickau leitet, anmelden.

Selbstverständlich ist es für den Mann auch, weiterhin beim DRK Blut zu spenden. Das hat er bereits 152-mal getan. "Da treffe ich immer viele Bekannte. Außerdem kann ich mit meinem Blut anderen Menschen helfen. Das ist ein gutes Gefühl. Und ich habe meine Blutwerte immer unter Kontrolle", nennt er seine Gründe. "Es findet sich immer jemand, der mich anschließend nach Hause bringt."

Am heutigen Donnerstag macht der engagierte DRKler, chauffiert von seiner Frau Rosemarie, die mit eingeladen ist, einen Ausflug nach Dresden. Gemeinsam mit weiteren 19 Ehrenamtlern aus ganz Sachen wird der Hartensteiner im Kronensaal des Schlosses Albrechtsberg erwartet. Dort erhält er aus den Händen der sächsischen Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) für sein langjähriges Engagement in der Wasserwacht sowie in der DRK-Ortsgruppe und beim Blutspenden die Annen-Medaille. Sie wurde 1995 von der Sächsischen Staatsregierung zum Andenken an die wohltätige Kurfürstin Anna von Sachsen gestiftet und wird seither jedes Jahr an Menschen verliehen, die sich langjährig und herausragend ehrenamtlich engagieren.

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