Hier entsteht der Eingang für die Landesausstellung

Der erste Teil der Anbauten am Audi-Bau in Zwickau steht. Im Februar sollen zwei Gangways hinzukommen, die ebenfalls aus einem Stahlskelett mit Schiffscontainern zusammengebaut werden.

Zwickau.

Die Zahl der Schaulustigen hält sich in Grenzen. Nur ab und an zücken Passanten ihr Handy. Das mag auch daran liegen, dass die Audistraße zur Sackgasse geworden ist: Die Fahrbahn vor dem Zwickauer Audi-Bau wird erneuert. Genau das ist dem Fahrer, der die ersten beiden Container für den Eingangspavillon der Sächsischen Landesausstellung kurz vor 8 Uhr morgens anliefert, zum Verhängnis geworden. "Die richtige Zufahrt wurde mir zu spät mitgeteilt", sagt er und rangiert seinen Transporter vorsichtig zurück. Inzwischen ist auch er auf dem neuesten Stand: Zufahrt über die Trabantstraße.

Neben dem Stahlskelett, in und auf das in den nächsten Stunden insgesamt 18 Container mit einem Gewicht zwischen 2,1 und 5,8 Tonnen gehievt werden, wartet schon Mario Silbermann im Cockpit seines 130-Tonnen-Krans. Der Mitarbeiter der Dresdener Firma Kranlogistik lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. "Die Aktion wurde gut vorbereitet. Ich konnte mir vorher den Einsatzort anschauen, mit dem Auftraggeber die Details durchsprechen", erklärt der 40-Jährige, der das Ganze eher als Routineeinsatz beschreibt. "Wir setzen nicht nur solche Container um, auch Beton- und Stahlelemente müssen gehoben werden. Jetzt zur besinnlichen Zeit stellen wir auch viele Weihnachtsbäume auf", sagt Silbermann.

Doch die 18 Container, die am Montag nach und nach auf dem Gelände vor dem Audi-Bau eintreffen, werden nicht sofort zum Eingangspavillon zusammengebastelt. "Wir parken sie erst auf dem Gelände. Danach heben wir Koloss für Koloss auf seinen Platz", erklärt Andreas Mühlmann von der Firma "B plus L Infra Log" in Niederdorf. Dort wurden sechs der 18 Container im Inneren zur Nutzung als Toilette, Garderobe und Kassenbereich aufgearbeitet. Sie sind jeweils sechs Meter lang, 2,50 Meter breit und 2,80 Meter hoch. "Diese Container werden in die Mitte des künftigen Eingangspavillons auf das vorbereitete Fundament mit Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüssen gesetzt", erklärt Projektleiter Mühlmann. Als das wenige Stunden später bei einem dieser Container nicht klappt, muss ein Mitarbeiter an einer Stelle auskoffern, damit die aus der Erde ragenden Leitungen eins zu eins in die Öffnungen des Containers passen. Nun müssen die Kolosse noch verschweißt, die Wasser- und Stromanschlüsse hergestellt werden. "Das kann sich aber noch einige Tage hinziehen", glaubt Mühlmann, der sich schon jetzt eines vorgenommen hat: "Die Ausstellung lasse ich mir nicht entgehen."

Allein die Idee, den Eingangsbereich mit Containern zu basteln, die später noch mit Stoffvorhängen verkleidet werden, sei faszinierend. Mühlmann wundert sich daher wenig, dass innerhalb des Architekturwettbewerbs dieses Konzept das Rennen machte. Und das stammt von der Arbeitsgemeinschaft aus AFF Architekten (Berlin) und Georgi Architektur und Stadtplanung (Chemnitz). Wie deren Projektverantwortlicher Marcus Jahnke sagt, werden im Februar weitere Container aufgestellt, die als Gangways den Eingangspavillon mit dem Obergeschoss der 3000 Quadratmeter großen Schaufläche verbinden. "Wenn die Besucher die Ausstellung besichtigt haben, werden sie über eine weitere Container-Gangway zum Ausgang geführt", so der 34-Jährige. Doch zuvor können sich die Gäste im Untergeschoss aufhalten. Dort befinden sich Infostände, Wartebereiche, ein Seminarraum und ein Café. Nach Ende der gut ein halbes Jahr dauernden Schau sollen die Anbauten zurückgebaut werden. Dann fällt der durch den Freistaat angemietete Audi-Bau zurück an die private Eigentümergemeinschaft.

Die 4. Sächsische Landesausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen" findet vom 25. April bis 1. November 2020 an sieben Standorten statt. Ort der Zentralausstellung ist der Audi-Bau in Zwickau. Daneben gibt es sechs authentische

Schauplätze: das August-Horch-Museum Zwickau (Autos), das Industriemuseum Chemnitz (Maschinen), das ehemalige Bahngelände in Chemnitz-Hilbersdorf (Eisenbahn), das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge (Kohle), die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau (Textil) und das Silberbergwerk Freiberg (Silber).

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