Hier entsteht Wärme für Zwickau

Zum 25-jährigen Bestehen hat sich die ZEV besonders offen gezeigt. Einige Besucher waren sogar im Heizkraftwerk erlaubt.

Zwickau.

Kennen Sie das - wenn die Geburtstagsgäste die gesamte Wohnung inspizieren? Die Zwickauer Energieversorgung (ZEV) hat sich am Samstag genau solche Besucher eingeladen. Gleich in zwei Gruppen steckten sie ihre Nasen in das Heizkraftwerk an der Reinsdorfer Straße - sozusagen den Heizungskeller Zwickaus. Hausherr Mike Müller beantwortete dabei sämtliche Fragen seiner Gäste.

Müller ist der Geschäftsführer des Heizkraftwerks Süd. Er führt zum 25-jährigen Bestehen der ZEV Gäste durch die vor vier Jahren in Betrieb genommene Anlage. Währenddessen sind die Kinder draußen zum Spielen: Am Blockheizkraftwerk in Neuplanitz und an der Stiftstraße gibt es Unterhaltung, Spiel und ebenfalls interessante Einblicke. Doch was Müller hier zu bieten hat, bekommen in der Regel nur die sieben Leute zu sehen, die im Kraftwerk arbeiten. Das hat seinen Grund, denn diese Riesenheizung macht ordentlich Dampf - und der ist gefährlich. Kein Wunder, treibt er doch mit einem Druck von 42 Bar eine Turbine an, die Energie erzeugt - im Winter etwas weniger, im Sommer dafür mehr. Im Winter produziert der große Ofen vor allem warmes Wasser. Wobei warm relativ ist. Mit einer Temperatur zwischen 90 und 118 Grad Celsius rauschen 1,8 Millionen Liter Wasser durch fast 68 Kilometer Rohrleitungen. Das ist die Fernwärme, die Haushalte in der Innenstadt, aber auch in Marienthal und Eckersbach versorgt. Nach acht bis 48 Stunden kehrt das Wasser an die Reinsdorfer Straße zurück und wird erneut in Wallung gebracht.

Das Material, das für die Hitze sorgt, liegt auf dem Hof. Das nehmen die Besucher zuerst in Augenschein. Und haben schon dazu jede Menge Fragen. Zum Beispiel die, ob wirklich nur Holzreste verhackstückt werden, um die Schnitzeln für den Ofen zu gewinnen. Mike Müller versichert das: Wurzeln, kleine Äste und die dünnen Teile der Baumkronen landen im Ofen. Nur in überprüften Ausnahmefällen werden auch Stämme verfeuert - nach einem Windbruch zum Beispiel oder wenn sie vom Borkenkäfer befallen sind.

Außerdem wollen die Besucher wissen, warum hier täglich Lastwagen ein- und ausfahren, immerhin liegen doch in unmittelbarer Nähe Bahngleise. Doch der Geschäftsführer winkt ab: zu teuer. "Da könnten wir einem Lkw-Fahrer das Fünffache bezahlen."

Im Inneren der Anlage bleibt den Besuchern dann das Wort im Halse stecken: zu laut. Es zischt und pfeift beständig. Der Ofen, die Turbine, der Weg des Dampfes durch die Rohre - all das erinnert daran, dass hier kein gemütlicher Kamin steht. Am Ende bedanken sich die neugierigen Geburtstagsgäste mit Applaus. Und wahrscheinlich werden sie nun ganz andere Bilder im Kopf haben, wenn sie im Winter die Heizung aufdrehen.

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