Hier soll es bald flüssiger rollen

Zwickau hat einen Ruf als schwieriges Pflaster für Radler. Zumindest zwischen Bahnhofstraße und Georgenplatz ist Besserung in Sicht. Auch wenn es zur Tunnellösung nicht gereicht hat.

Zwickau.

Im Bereich zwischen Bahnhofstraße, Zentralhaltestelle, Georgenplatz und auch entlang der Humboldtstraße im Bereich des Schwanenteichparks tut sich etwas für Radfahrer. Wie Stadtrat und Bauausschuss bereits beschlossen haben, wird die Stadt in diesem Areal neue Radwege anlegen. Ein Schritt, um potenzielle Gefahrenstellen zu entschärfen. Nach den Vorstellungen der Planer soll dadurch das Überqueren der Humboldtstraße für Radfahrer einfacher werden, gleichzeitig aber der Autoverkehr keine Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.

Die Maßnahmen, die zusammengenommen rund 1,2 Millionen Euro kosten, sollen vor allem Radfahrern im Bereich der Bahnhofsvorstadt zugute kommen, wo es bisher überhaupt keine Radverkehrsanlagen gibt. Die wichtigste geplante Verbindung führt vom Ende des Marienthaler Rad- und Gehwegs zum Gebäude der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) an der Kreuzung Stiftstraße/Bahnhofstraße und weiter zum Georgenplatz. Dort sollen durchgängig beidseitige Radwege angelegt werden. Trotzdem müssen Radfahrer an der Humboldtstraße absteigen und warten. Die Öffnung des Fußgängertunnels für den Radverkehr wurde zwar geprüft, dann aber verworfen. Nicht aus Kostengründen, wie Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) sagt, sondern weil die dabei geltenden Vorschriften nicht umgesetzt werden konnten. Konkret weil die maximal zulässige Steigung zehn Prozent beträgt: Dadurch wären die Fahrradrampen zu lang geworden und hätten zudem noch dazwischen Podeste benötigt.


Stattdessen sollen Radfahrer und Fußgänger die Humboldtstraße mithilfe einer neuen Ampel überqueren. Für den Autoverkehr gibt es an der Stelle bereits eine Anlage, die sicherstellt, dass Straßenbahnen gefahrlos queren können. In Zukunft soll diese Ampel mit einer zusätzlichen Fußgänger- und Radfahrer-Schaltung erweitert werden. Damit es dadurch nicht zu weiteren Verkehrsstaus kommt, hat die Stadt gleichzeitig eine Software-Lösung präsentiert: Mit einem speziellen Programm, einem Gebietsrechner, will man elf Ampelanlagen so aufeinander abstimmen, dass Autofahrer keine zusätzlichen Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Laut Tiefbauamt habe sich die Software schon an anderen Stellen in Zwickau bewährt.

Im Haltestellenbereich nahe dem Georgenplatz werden gemeinsame Geh- und Radwege angelegt. Hier dürfte es dann in der Praxis eng werden, wenn Fahrgäste aus der Bahn aussteigen und gleichzeitig Radfahrer vorbeifahren. Eine andere Lösung war aufgrund der Enge baulich offenbar nicht umsetzbar.

Die Maßnahmen sollen helfen, Fahrradfahren in Zwickau gefahrloser und bequemer zu gestalten. Eine direkte Reaktion auf das desaströse Abschneiden beim jüngsten Fahrradklima-Index sind sie allerdings nicht. Die Muldestadt war bei der Auswertung im Vergleich ähnlich großer Städte auf Platz 103 von 106 gelandet. Stattdessen war die Ausweitung des Radwegenetzes in dem besagten Bereich seit geraumer Zeit geplant.

Baubürgermeisterin Köhler stellt aber angesichts der Umfrageergebnisse eine Veränderung in der Radwegebau-Politik in Aussicht. Radwege als Nebenprodukt von neuen Straßen, das war die bisherige Zwickauer Strategie. "Davon müssen wir wegkommen", sagt Köhler. "Das dauert einfach zu lange."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
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    branderweg
    21.05.2019

    Gut, dass sich die FP des Themas annimmt, aber wo bleiben kritische Fragen? Meine Überschrift wäre gewesen: Geld für die Humboldtstraße? Erst einen Plan für die Zeit nach der Innenstadttangente, bitte! Bei den Verkehrsflächen zwischen Schwanenbrunnen, ehemaliger Zentralhaltestelle und Schockengelände handelt es sich um einen herausragenden öffentlichen Stadtraum, der eine Gesamtbetrachtung verdient: Nutzung der leerstehenden Gebäude? Nachnutzung der Busstation? Grüner Freiraum? Öffnung der verrohrten Bäche? Und das von den Stadtratsfraktionen mehrheitlich getragene Projekt "Innenstadttangente" steht in den Startlöchern. Es hat das Ziel, den Straßenzug Humboldtstraße zu entlasten und in diesem Rahmen für Fußgänger und Radfahrer attraktiver zu machen durch bessere Gehwege und Radstreifen auf der Fahrbahn. Denn es wird künftig Platz frei, da die Autos die neue Trasse Am Bahnhof nutzen. Wird dies Ziel der Verkehrsverlagerung nicht erreicht oder gar nicht gewollt, ist die Innenstadttangente sinnlos und rausgeschmissenes Geld.
    Deshalb: es braucht jetzt den Blick und die Planungen für die Zeit danach:
    Rückbau des Fußgängertunnels, Rolle der überdimensionierten Verkehrsflächen (Alten Reichenbacher Straße), Arrondierung der Brandwandflächen (hinter dem Georgenplatz) etc. Kurzum: an dieser Stelle ist alles vakant und giert nach planerischen Ideen und stadtbürgerlicher Diskussion über das Wie. Stattdessen wird die jetzige rundherum ungeklärte Situation noch verfestigt. Und die "Idee" eines Radtunnels statt einer einfachen Querung ist so abwegig, wie die Zeit der verkehrsgerechten Stadt (1970er Jahre) her ist. Diese Art von politischen und behördlichen Pragmatismus ohne einen langfristigen "Plan" konterkariert eine vorwärts gerichtete Stadtentwicklung Zwickaus. Die "Behinderung des (PKW-)Verkehrsflusses" ist eine, aber die ziemlich letzte Sorge, die verantwortliche Planer und Politiker im Jahr 2019 im Areal um den Zwickauer Schwanenbrunnen haben müssten.



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