Hilfe für künftige Helfer

Professor Jörg Klewer hat für 14 Tage die Hochschule gegen ein Flüchtlingslager eingetauscht. In Jordanien bildete er mit anderen neue Brandschützer aus.

Zwickau.

Za'atari ist auf dem besten Weg, sich zu einer Stadt zu entwickeln. Rund 80.000 Menschen leben dort, fast so viele wie in Zwickau. Doch der Alltag in Za'atari ist nicht halb so organisiert wie hierzulande. Jörg Klewer kann das gut einschätzen, denn der Professor von der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) war jetzt für zwei Wochen in Jordanien.

Er hat den direkten Vergleich: In Zwickau gibt es 15 freiwillige Feuerwehren, eine Berufsfeuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW). Für das Hilfswerk ist Jörg Klewer in das größte Flüchtlingslager der arabischen Welt gereist, um Zivilhelfer auszubilden - eine Art Brandschützer und Sanitätshelfer in einem. Bislang gab es dort 14 Feuerwehrleute für das gesamte Lager. Das THW hat nun 27 weitere Frauen und Männer ausgebildet. Zu ihnen gehören nicht nur Jordanier, sondern auch syrische Flüchtlinge, die in diesem Lager leben.

Es war nach 2018 die zweite Schulung. "Wichtig ist das Wissen um die Brandbekämpfung und der Umgang mit Sandsäcken bei Überschwemmungen", sagt Jörg Klewer, der an der Fakultät für Gesundheits- und Pflegewissenschaften lehrt. Brände gibt es auf dem nur 15 Quadratkilometer großen Gebiet häufig. Meist sind kaputte Gaskocher die Ursache. Und so absurd es klingen mag: Auch Überschwemmungen sind eine Bedrohung. Der Wüstenboden ist hart und steinig, wenn es einen schweren Regenguss gibt, kann das Wasser nicht im Boden versickern. Aus diesem Grund hat das THW Sand besorgt - der Boden ist nicht geeignet, um schützende Säcke zu befüllen, erklärt Klewer.

"Unser Ziel ist es, die Menschen dort so weit zu unterrichten, dass sie sich selbst helfen können." Zwar hat sich das Lager seit seiner Einrichtung 2010 als Zeltlager gewandelt. Inzwischen wohnen die Geflüchteten in Hütten mit Wasseranschluss. Doch die Gefahr bleibt hoch, denn die Hütten stehen dicht an dicht, und für alle 80.000 Menschen gibt es nur einen Ausgang - eine Panik wäre verheerend. Deswegen schult das THW gemeinsam mit dem jordanischen Zivilschutz Bewohner im Umgang mit Technik oder auch mit Hilfsmitteln wie Brandschutzdecken. Nicht nur Männer, auch Frauen werden ausgebildet. "Das war dem THW wichtig", sagt Klewer.

14 Tage war der Westsachse in Jordanien. In dieser Zeit besuchte auch die Stellvertretende Botschafterin das Lager - und wurde Augenzeugin eines Brandes. Wie so oft hatte ein defekter Kocher Feuer gefangen. Die Helfer, die gerade in der Ausbildung sind, waren schnell und rettend zur Stelle. Sie konnten für eine Mutter und ihr kleines Kind Schlimmeres verhindern. Sie bewiesen damit auch, wie dringend notwendig die Ausbildung und das Engagement des THW sind. "Es war im Grunde eine gute Werbung für uns. Aber es war vor allem eine typische Situation in diesem Lager", sagt Klewer, der den Bedarf an Rettern und Helfern wachsen sieht, so wie auch das Lager zu einer Stadt heranwächst. Denn die Zukunft der Bewohner von Za'atari ist ungewiss. Ein großer Teil derer, die das Areal zunächst bevölkert haben, hat eine Arbeit gefunden oder konnte genug Geld aufbringen, um in ein anderes Land weiterzureisen. Die Menschen, die jetzt noch in Za'atari leben, kommen dort kaum weg. Täglich können nur 5000 Menschen das Lager kurzzeitig verlassen, um sich als Tagelöhner zu verdingen. Eine Rückkehr nach Syrien ist für sie nicht möglich. "Momentan weist der syrische Staat Menschen, die geflüchtet sind, zurück. Die Situation wird sich erst ändern, wenn sich die politische Lage in dem Land ändert", erklärt der Hochschullehrer.

Man sieht viel während eines solchen Einsatzes, sagt Jörg Klewer. "Man lernt andere Menschen und Kulturen kennen und erfährt, wie dort Brandbekämpfung funktioniert." Auch habe er zur Kenntnis genommen, wie freundlich die Menschen ihnen gegenüber aufgetreten sind. "Sie hätten sich auch distanziert verhalten können." Und noch etwas hat Jörg Klewer mitgenommen aus dem Staub und der Hitze und dem Bewusstsein, auf einer kleinen Insel inmitten von Kriegsgebieten gewesen zu sein: "Ich habe gesehen, wie gut es uns in unserem Leben geht."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...