Historische Karte ziert Wand am alten Postamt

Während die marode Cainsdorfer Brücke kurz vor der Sperrung steht, erblüht in ihrem Schatten Altes zu neuem Glanz.

Cainsdorf.

Ein mehr als 100 Jahre altes Haus zu sanieren, stellt in der Regel eine Herausforderung dar. Der Charme und die Geschichte, die ein Haus erzählen kann, wertet Schweiß, Zeit und Kosten wieder auf. Marko und Janine Kaufmann haben den Schritt gewagt und das im Jahr 1898 errichtete ehemalige Kaiserliche Postamt in Cainsdorf gekauft. In mühsamer Kleinarbeit haben sie es mit ortsansässigen Handwerkern wieder zu neuem Leben erweckt. Dabei ist auch die äußere Fassade zu einem Blickfang geworden. Während an der Straßenseite der Schriftzug "Altes Postamt" zu sehen ist, wurde die Rückseite mit einem riesigen Wandbild zum Hingucker. Die Vorlage stammt von einer Postkarte aus dem Jahr 1899. Der Künstler Swen Gerisch hat sie auf die Ziegelwand übertragen. Vom Muldenufer aus sind jetzt Gebäude von Cainsdorf und Bockwa zu sehen. Die ursprünglichen Pläne für eine Glasfassade ließ Marko Kaufmann fallen, nachdem er im Internet die historische Postkarte ersteigert hatte.

Die Eheleute führen seit 18 Jahren in Zwickau eine Maler- und Innenausstattungsfirma und hatten sich bereits vor Jahren in das damals noch baufällige Haus verliebt, das keiner haben wollte. Zeit und Wasser arbeiteten gegen das Gebäude und machten eine komplette Grundsanierung erforderlich. Dabei wurde ein Haus in ein Haus gebaut, denn außer einer Mittelwand und den Außenwänden war an dem Gebäude nichts mehr zu retten. Sämtliche Holzdecken, Treppen und der Dachstuhl waren durch das undichte Dach über die Jahre durch eindringendes Regenwasser zerstört worden.


Die Firma, die auf hochwertige Wohnraumsanierungen und Schimmelbeseitigung spezialisiert ist, will expandieren und zukünftig auch Kunden mit exklusiven Wünschen einen gehobeneren Standard anbieten. Zu diesem Zweck bot es sich geradezu an, das alte Haus mit gesunden, mineralischen Baustoffen zu sanieren und mit einer klaren, kühlen Innenausstattung und käuflichen Kunsthandwerken aus der Region auszustatten. Die beste Werbung ist immer noch die, die dem Kunden zeigt, was eine Firma bewerkstelligen kann. "Allerdings muss ich dazu sagen", führt der Firmeninhaber Marko Kaufmann aus, "war das Haus so zerstört, dass wir es ohne die Hilfe von ortsansässigen Handwerkern nicht hätten retten können."

Mittlerweile klopfen auch die Bewohner Cainsdorfs an die Tür und bedanken sich für die Sanierung des historischen Bauwerks, dessen Anblick eine Freude sei. Das freut das Ehepaar Kaufmann besonders, denn das vergangene Jahr war nervenaufreibend und anstrengend. Umso herzergreifender ist der Moment, wenn Bürger kommen und einem zu Tränen gerührt die Hand schütteln, sagt der Eigentümer stolz.

Im Nebengebäude wird die ursprüngliche Maler- und Innenausstattungsfirma untergebracht werden, sobald es fertig saniert ist. Ab Mai wird Cainsdorf eine neue Firma im "Alten Postamt" begrüßen dürfen, die mit ihrem Firmenkonzept auch den Kunden mit exklusiveren Wünschen bedienen kann. Bereits jetzt macht sich in den seit 118 Jahre alten, neu aufbereiteten Räumen eine wohlstimmende Energie breit, die Spannendes erwarten lässt.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    weiterdenken
    30.03.2016

    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zu der gelungenen Sanierung! Bleibt zu wünschen dass es mehr Nachahmer findet. V.a. auch in der Stadtverwaltung.



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