Hochumstrittener Bau beginnt

Selten hat ein Vorhaben die Zwickauer Kommunalpolitik so gespalten wie die 1,3 Millionen Euro teure Sanierung des Cainsdorfer Turnerheims. Jetzt sind die Arbeiten angelaufen.

Cainsdorf.

Gerd Drechsler will am Montag nur versöhnliche Worte benutzen. Er spare sich, auf die "zum Teil schwierigen politischen und fachlichen Auseinandersetzungen noch einmal einzugehen", sagt der Ortsvorsteher des Zwickauer Ortsteils Cainsdorf am Montag kurz bevor er das Glas erhebt und den anwesenden Gästen zuprostet. Es ist die Feierstunde zum offiziellen Beginn des Umbaus, der das Cainsdorfer Turnerheim in ein Ortsteilzentrum verwandeln soll. "Heute", sagt Drechsler und strahlt, "bin ich ein glücklicher Mensch."

1,3 Millionen Euro kostet der Bau. Die Summe ist gedeckelt, das heißt, es ist Schluss, sobald das Geld verbaut ist. Entsprechend dämpft Planer Andreas Meier allzugroße Erwartungen. Man werde kein Geld mehr für die Säle und wahrscheinlich auch keines mehr für die Fassade haben. Stattdessen gibt es eine Dachsanierung samt Solaranlage, neue Installationen im Keller, neue Garderoben, einen neuen Sanitärtrakt sowie renovierte Vereinsräume. "Am Ende werden viele fragen, warum wurde dieses und jenes nicht gemacht", kündigt Meier an. Bis September 2020 soll der Umbau abgeschlossen sein. Dann ziehen dort voraussichtlich mehrere Cainsdorfer Vereine sowie der Ortschaftsrat ein.


Es gibt und gab in Zwickau schon immer umstrittene Bauvorhaben. Das Cainsdorfer Turnerheim sticht durch die Schärfe heraus, mit der die Auseinandersetzung teils geführt wurde. Insbesondere SPD und AfD im Stadtrat hielten den Bau für überflüssig und sinnlos, während ihn die CDU befürwortete. Weil die Stadt den 1,3 Millionen Euro teuren Umbau komplett aus eigener Tasche bestreitet und keine Fördermittel einsetzen kann, gab es immer wieder Begehrlichkeiten. Die Stadtverwaltung zweigte Turnerheim-Geld teils für andere Projekte ab, der Baubeginn verzögerte sich dadurch. Drechsler holte zu Gegenschlägen aus, äußerte sich nicht unbedingt diplomatisch. Der Stadtspitze warf er zwischenzeitlich vor, sich gegen die Cainsdorfer Bürgerschaft verschworen zu haben. Der Ärger ist scheinbar inzwischen verraucht. "Projekte wie dieser Umbau", lobt die einst von Drechsler arg gescholtene Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU), "hängen oft von dem Engagement Einzelner ab, wie dem von Professor Drechsler." Und: "Die Cainsdorfer selbst haben nie daran gezweifelt. Weder an der Sinnhaftigkeit, noch am Standort."

Ein Modell für andere Stadtteile ist das Cainsdorfer Ortsteilzentrum eher nicht. Das Zwickauer Rathaus kam in einer von der früheren Stadtratsfraktion BfZ/Grüne angeschobenen Prüfung zu dem Schluss, dass nirgendwo sonst Bedarf an entsprechenden Begegnungszentren bestehe. Überall gebe es ausreichend Versammlungsorte und Treffpunkte, nur nicht in den Ortsteilen Schneppendorf und Hartmannsdorf. Aber dort, so hieß es, könne man auf benachbarte Stadtteile ausweichen.


Wandel im Plotzschgrund

Das Turnerheim wird 1928/29 gebaut, nachdem der Sportverein sein vorheriges Domizil zugunsten eines Schützenvereins verlassen muss. Nach Enteignung durch den NS-Staat 1933 kommt das Gebäude 1951 in den Verantwortungsbereich der Stadt.

Verschiedene Pächter und Probleme mit Nutzungskonzepten machen dem zwischenzeitlich als Plotzschgrundhaus bekannten Gebäude zu schaffen. 2015 Rückumbenennung in Turnerheim. (ael)

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