Hülle und Fülle

Die Kulturkolumne der "Freien Presse", von Gastautor Klaus Fischer

Es gibt Untersuchungen, denen zufolge ein Tourist jenes Museum (oder Hotel, Restaurant) bevorzugt besucht, dessen Internetauftritt ihm am besten gefallen hat. Aha. Dabei geht es nicht nur um den Informationsgehalt, den Content, wie man so schön sagt, sondern auch um die Performance, wie man besonders gepflegt sagt, also die clevere Präsentation, die ästhetische Selbstdarstellung des Museums. Mittlerweile verfügt jede Ansammlung von Menschen, zum Beispiel eine Stadt, über riesige Pools an Webseiten, die ein virtuelles Bild erzeugen, dessen Gesamtheit jedoch niemand erfassen kann. Dieser Fakt ließe sich bequem als neue Unübersichtlichkeit eintüten, aus der man je nach Gusto das leckerste Kulturkonfekt herauspicken darf und soll. Allein die Kulturseiten Zwickaus übersteigen locker die Zahl von 130 Präsentationen. Nicht alle gewinnen den Miss-Webseite-Zwickau-Schönheitswettbewerb, manche noch nicht mal einen Blumentopf. Wichtig und aufschlussreich sind sie aber alle. Und notwendig. Fast jede städtische Kulturinstitution verfügt über einen eigenen Internetauftritt. Ob die Optik optimal glücklich ist, weil sie aus einem nivellierenden Guss stammt, sei dahingestellt. Solide informiert wird allemal.

Was auffällt, klickt man durch die Kulturseiten, ist die schlichte Tatsache, dass die reinen Funktionsseiten dominieren. Nach dem Motto: Wir sind die und die, machen das und das, hier sind unsere Termine, Kontakt, Impressum. Punkt. Manchmal ist das altbacken und gelangweilt zusammengeschustert. Aber es gibt auch gelungene Seiten, wie die des Alten Gasometers, "Einfach.Kreativ - Der Podcast" oder das Puppentheater in Zwickau. Wichtig ist neben der permanenten Aktualisierung auch eine intuitive Besucherführung und Ästhetik der Seite.


Auf www.zwiccult.de habe ich versucht, die meisten Kulturseiten Zwickaus und der Region aufzulisten. Nicht gefunden habe ich eine kreative Seite, die Internetkunst präsentiert. Erstaunlich aber, welche Initiativen hier aktiv sind. Kennen Sie "edition choris mundi" (Verlag und Vertrieb internationaler Chormusik) oder den Mucks-Kinderbuchverlag, den Tast-, Duft- und Erlebnisgarten Zwickau, aber auch Zack - Anime & Mangakultur in Zwickau? Zwickau verfügt offensichtlich über ein nennenswertes, ganz reales Kulturreservoir, auch jenseits der kommunalen Institutionen. Die Webseiten haben also ihren Zweck erfüllt, Aufmerksamkeit zu generieren und zu informieren. Das Schöne dabei: Alles fließt, alles ist im Wechsel. Die Zeit wie die Webseiten wie die Kultur und ihre Macher.

Kulturbürger des Monats im November ist Hartwig Ebersbach, Max-Pechstein-Ehrenpreisträger. Seit Jahrzehnten hält er Zwickau hoch im internationalen Kunstbetrieb.

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