Immer noch laut fürs Klima

Fridays for Future bleibt in Zwickau präsent. Die Botschaft der Klimaschützer lockt auch ältere Generationen auf die Straße.

Zwickau.

Freitag, 13 Uhr: Der Zwickauer Kornmarkt hat sich mit Menschen gefüllt. Manche von ihnen tragen Schilder, die längst wie Symbole ihrer Zeit wirken. Es sind zugespitzte Botschaften, die auf das Klimaproblem aufmerksam machen sollen. An diesem Freitag hat die Bewegung "Fridays for Future" (FFF) zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen - und Zwickau ist dabei - als Teil eines großen Ganzen.

Dass es den Zwickauer Klimaschützern um große Ziele geht, wird schnell klar, wenn man Mitorganisator Jakob Oehler zuhört. Der Schüler, der in der Muldestadt von Beginn an mit dabei ist, zählt die Fakten zum weltweiten Klimastreik auf, redet über die Ziele der Bewegung und stellt Forderungen an die deutsche Politik: ein schneller Kohleausstieg, weg vom Autoverkehr, mehr Busse und Bahnen. Es sind Sätze, die man derzeit wohl auf jeder Klima-Demonstration in Deutschland hört. Die Frage, ob die Ortsgruppe auch konkrete Forderungen an die Zwickauer Stadtpolitik hat, fällt dagegen weniger umfassend aus. "Zwickau braucht ein besseres und sichereres Radwegenetz und der öffentliche Nahverkehr muss weiter ausgebaut werden", zählt Jakob Oehler auf.

Immerhin rund 300 Menschen konnten er und seine Mitstreiter an diesem Freitag mobilisieren. Beim ersten Klimastreik in Zwickau Ende Mai waren es etwa 700 gewesen. Jakob Oehler spricht dennoch von einem großen Erfolg für die Bewegung. "Dass sich so viele Menschen unseren Klimaprotesten anschließen, hätten wir nicht erwartet. Uns ist bewusst, dass es in Zwickau schwieriger ist als zum Beispiel in Leipzig, Menschen für dieses Thema zu gewinnen", sagt Oehler. Auch das Organisationsteam ist mit der Zeit gewachsen. "Anfangs haben vor allem Jakob Springfeld und ich die Aktionen vorbereitet. Jetzt können wir die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, sodass ich nicht mehr so stark im Mittelpunkt stehe", sagt der Schüler.

An diesem Tag steht auf dem Kornmarkt statt eines Lautsprecherwagens, wie im Mai, eine kleine Bühne. Eine junge Frau geht auf dem Kornmarkt herum und verteilt Handzettel mit Sprüchen, die während der Demonstration skandiert werden. Bevor sich der Demozug in Bewegung setzt, gibt es Livemusik und ein Theaterstück, das zwei Schülerinnen auf der Bühne inszenieren.

"Wir nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand", rufen die beiden jungen Schauspielerinnen ins Publikum. Ein älteres Ehepaar aus Neuplanitz, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, steht etwas am Rande des Geschehens auf dem Kornmarkt. Die beiden Rentner, die auf Rollatoren angewiesen sind, unterstützen diese Haltung. "Es sind nicht viele hier, aber 1989 haben wir auch mit wenigen Leuten angefangen. Die Jugend muss durchhalten", betont die Frau. Auf die Frage, warum sie hier sind, haben sie und ihr Mann eine einfache Antwort: "Es betrifft uns". Als sich der Demozug wenig später in Bewegung setzt, sind auch sie mit dabei. Ebenfalls Teil der Demonstration sind die "Parents for Future" (deutsch: Eltern für die Zukunft). Einer von ihnen ist Christoph Zimmermann aus Lichtenstein. Seine beiden Kinder gehen in Zwickau zur Schule. Er erklärt, man habe sich vor einer Woche über das soziale Netzwerk Facebook verabredet und wolle den Kindern den Rücken stärken.

Nicht jeder aus der älteren Generation ist den Klimaschützern wohlgesonnen. Während der Demozug durch die Innenstadt zieht, bleiben viele Passanten stehen, einige schütteln den Kopf, andere lassen Dampf ab. Eine Frau an einem Marktstand nahe der Marienkirche meckert über Plastikverschlüsse an Flaschen und über die umweltschädlichen Handys der jungen Demonstranten. Für Jakob Oehler gehören Kritik und Schmähungen längst dazu. Unsachliches blendet er einfach aus. Und überhaupt: Von Müdigkeit bei den Demonstranten ist an diesem Nachmittag keine Spur.

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