In Marienthal reißt was ein

Zwickaus Großvermieter haben vor allem in diesem Stadtteil mit Schäden an Gebäuden zu kämpfen. Schuld sind die zu trockenen Sommer.

Zwickau.

Die Dürre des Jahres 2018 wirkt in Zwickau weiterhin nach. Der trockene Sommer des Vorjahres jedenfalls ist laut Gutachtern der Grund für die Bildung mehrerer Risse in Wohnhäusern, mit denen sich Großvermieter seither beschäftigen müssen. Betroffen sind offenbar vor allem Gebäude im Stadtteil Marienthal, dessen teils lehmiger Boden für die Schäden verantwortlich gemacht wird. Und auch im laufenden Jahr haben sich teilweise neue Risse gebildet.

So bestätigt beispielsweise die städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ), dass bereits im vergangenen Jahr bei einzelnen Häusern Risse auftauchten. Der größte Vermieter der Stadt ließ die Funde von Gutachtern untersuchen, die zu dem eindeutigen Schluss gekommen seien, dass die Ursache im extrem trockenen Sommer zu suchen ist. "Wir hatten aus Vorsicht die Gebäude einer statischen Begutachtung unterzogen", sagt Sprecher Steven Simmon, aber eine "Relevanz zur Standsicherheit der Gebäude war durch die Rissbildungen nicht gegeben". Sprich, Gefährdungen für Mieter konnten ausgeschlossen werden. Trotzdem stellt sich die Frage: Wie kommen die Risse genau zustande?


GGZ-Sprecher Simmon zufolge sind vor allem Wohnhäuser in Marienthal betroffen. Fünf Gebäude der GGZ wiesen 2018 demnach dort Risse auf. 2019 ist ein weiterer Fall in Planitz hinzugekommen, der ebenfalls auf Bodentrockenheit zurückgeführt wird. Wieso ausgerechnet Marienthal? Den statischen Untersuchungen zufolge seien die Setzungen vor allem auf besonders ton- oder lehmhaltigem Boden vorgekommen. "Diese Böden neigen bei Wasserentzug zu Volumenverlust", sagt Simmon, der Untergrund zieht sich zusammen, die Gebäude rutschen nach, es entstehen Spannungen und dadurch Risse. Über die finanziellen Auswirkungen der Schäden gibt es noch keine Angaben.

Ob und wie viele Privathäuser in Zwickau von Rissbildungen betroffen sind, ist nicht bekannt. Experten zufolge treten Setzungen häufig dann auf, wenn die Gebäude auf unterschiedlichen Böden stehen, die ungleich absacken. Vor allem Lehmböden würden sich extrem stark zusammenziehen. Teils sei auch ein Problem, dass Bäume dem Boden zusätzlich Wasser entziehen. 2018 gab es Berichte, wonach vereinzelt Häuser im Bundesgebiet unbewohnbar geworden sind. Solche Fälle sind aus Zwickau nicht bekannt.

Wie geht man mit den Befunden um? Die GGZ hat zunächst Gipsmarker an den Rissen angebracht, um weitere Gebäudebewegungen beobachten zu können. Bei Bedarf würden die Gebäude dann noch einmal durch Statiker überprüft, hieß es. Dann müsse man entscheiden, ob man einfach nur die Risse saniert, falls keine weiteren aufgetaucht sind, oder ob man zusätzliche Stabilisierungsanker an den Gebäuden anbringt. Laut Simmon ist das in zwei Fällen geschehen. Aktuell habe man mit Rissen in einem Gebäude an der Marienthaler Bertolt-Brecht-Straße zu tun. Dort sind im Treppenhaus Gipsplomben angebracht worden. Senkt sich die Wand weiter, wäre das am Gips sichtbar, man könnte entsprechende Messungen durchführen.

Die GGZ steht mit dem Problem nicht allein da. Auch die Westsächsische Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau) hat einen solchen Fall zu verzeichnen, ebenfalls in Marienthal. "Laut unserem beauftragten Gutachter sind diese Rissbildungen der starken Trockenheit im Jahr 2018 zuzuschreiben", sagt Vorstand Mike Peters. Man setze ebenfalls Gipsplomben ein, um weitere Setzungen zu überwachen. "Derzeit erarbeiten wir gemeinsam mit dem Gutachter ein Sanierungskonzept zur Stabilisierung des Baugrundes", sagt Peters. Die Zwickauer Wohnungsbaugenossenschaft (ZWG) hat laut Vorstand Ralf Lenk keine Probleme mit Rissen festgestellt.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...