In Rinde lauert neue Plage für Waldbäume

Ein Schädling hat sich in diesem Jahr massenweise vermehrt. Der Wildenfelser Revierleiter Holger Buchta warnt vor einem noch nie da gewesenen Borkenkäferjahr.

Niederzschocken.

Es regnet. Eigentlich sollte sich Holger Buchta, Leiter des Wildenfelser und Kirchberger Forstreviers, freuen nach dieser monatelangen Dürre. Doch was da im Waldgebiet zwischen Mülsen und Hartenstein auf ihn herabrieselt, ist trocken. Es regnet Fichtennadeln, grüne Fichtennadeln. Direkt unter der Baumrinde sieht man den Grund dafür: Der Borkenkäfer ist da. Und das in einer Konzentration, wie Buchta sie noch nie erlebt hat. An einer Messstation im benachbarten Oelsnitz/Erzgebirge sind fast doppelt so viele Tiere wie im Vorjahr festgestellt worden. "Befallene Bäume müssen sofort raus, um nicht noch einer Generation von Borkenkäfern eine Chance zur Vermehrung zu geben", sagt der Revierförster des Staatsbetriebes Sachsenforst, der für ganz Sachsen sogar den schlimmsten Befall seit 1946 prognostiziert.

Besonders tragisch in Buchtas Augen: Es trifft vor allem jene Waldbesitzer, die bereits durch das Sturmtief Friederike arg gebeutelt wurden. Viele Bäume hatten durch die Sturmschäden Risse in den Holzfasern bekommen, die Trockenheit hat sie zusätzlich unter Stress gesetzt. Willkommene Brutstätten für den Großen Borkenkäfer, den Buchdrucker. Er ist der häufigste und auch gefährlichste Borkenkäfer für die Fichte. Der vier bis fünf Millimeter große Schädling braucht bei guter Witterung nur sechs Wochen, um ausgewachsen zu sein. An den Kronen sieht man, dass auch der Kleine Borkenkäfer, Kupferstecher genannt, in den Wäldern räubert. Der ist etwa zwei Millimeter lang und glänzt kupferfarben.

Buchta zufolge gilt der 1. Mai als Starttag für den Borkenkäfer. "Da ist es oft windstill, 18 bis 20 Grad Celsius warm, oft liegt ein Hochdruckgebiet über der Region. Da kommt meist ein ganzer Schwarm." Die Schädlinge fressen sich durch die äußere Rinde und legen dort ihre Eier ab. "Ein Weibchen legt bis zu 100 Eier." Anfang Juli kommt die zweite Generation. "Wenn jetzt nichts passiert, werden wir noch eine dritte Generation im Dezember bekommen", mutmaßt der Förster. Die Brut überwintert in der Baumrinde, die Käfer selbst im Boden.

Waldbesitzer sollten unbedingt nachschauen, ob auch ihre Bäume betroffen sind, sagt Buchta. Und es sind keineswegs nur Fichten, in denen sich der Schädling einnistet. Weitere Indizien für einen Befall sind Bohrmehl, Bohrlöcher, Harztröpfchen, fahlgrüne Nadeln am Boden, abblätternde Rinde. Falls Bäume befallen sind, hilft nur die Säge. "Wenn die Bäume bis zum Winter nicht aus dem Wald sind, haben wir verloren", sagt Buchta. Das Holz muss geschält, das Reißig darf nicht verbrannt werden, muss aber aus dem Wald. "Am besten häckselt man es", empfiehlt er. Das Holz sei durchaus verwertbar, denn der Borkenkäfer frisst sich nur durch den Bast. Angesichts der überall in den Wäldern lagernden Baumstämme erkenne man jedoch, dass es derzeit ein Überangebot an Holz gibt.

Die Revierleitung Wildenfels steht Waldbesitzern mit Rat zur Seite: Telefon 0174 3379606.

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