In Zwickaus Bäder fließt viel Geld

Im Frühjahr beginnen wieder die Reparaturen in den Freiluftanlagen. Doch damit ist es nicht immer getan. Bis 2025 werden zur Sanierung rund 4Millionen Euro benötigt.

Zwickau.

Für den Vorsitzenden des Fördervereins Freibad Crossen, Carol Forster, fiel bereits vor den Feiertagen Weihnachten und Ostern auf einen Tag. Der Zwickauer Stadtrat hatte mit dem Beschluss zum Haushalt 2018 den Zuschuss für die von Vereinen betriebenen Freibäder in Pölbitz und Crossen um 10.000 Euro auf jeweils 30.000 Euro pro Jahr erhöht. Drei Jahre lang soll dieser Betrag gelten. Der Kultur- und Sportausschuss muss dem noch zustimmen. Es gilt allerdings als wenig wahrscheinlich, dass die Räte dort die Vorlage durchfallen lassen.

Um das Crossener Bad bis 2025 betriebsfähig zu halten, wird jeder Euro für Investitionen benötigt. Der Finanzbedarf liegt bei 211.500 Euro, wie aus einer Informationsvorlage hervorgeht, die den Stadträten ausgereicht wurde. Forster hatte dazu Angebote von Fachfirmen eingeholt. Neben anderen Projekten müssen sowohl das Nichtschwimmer- als auch das Schwimmerbecken inklusive Sprunggrube und Startbrücke gründlich repariert werden. Kosten allein dafür: 138.000 Euro. "Mit den bisherigen Zuschüssen hätten wir das nicht geschafft", sagte Forster. Das Geld habe gerade ausgereicht, den Badebetrieb abzusichern, und das auch nur, weil die Vereinsmitglieder unentgeltlich mitarbeiten. "Jetzt kann ich endlich Rücklagen bilden", sagte er. Später sollen dann auch Reparaturen am Kassenhaus und dem Sozial- und Chlorgasgebäude erfolgen sowie die Außenanlagen hergerichtet werden. "Glücklicherweise haben wir keinen Zeitdruck mit den Baumaßnahmen", sagte Forster. Mit den Arbeiten soll dann begonnen werden, wenn genug Geld zurückgelegt worden ist.

So viel Zeit hat der Förderverein für das 04-Bad in Pölbitz nicht. Noch dieses Jahr wird investiert. Für das Abwasser muss, weil es die Vorschriften so verlangen, ein neues Pumpwerk gebaut und die bisherige Mehrkammergrube abgerissen werden. Zahlreiche neue Leitungen machen sich erforderlich. 85.000 Euro kostet der Bau. Geld, das der Verein nicht hat. Um eine Schließung des Bades zu verhindern, ist die Stadt eingesprungen. "Die Mittel wurden bereits im Haushaltsplanentwurf für 2018 berücksichtigt", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Bis 2025 werden jedoch weitere 167.000 Euro benötigt. Auch im 04-Bad müssen die beiden Schwimmbecken gebaut, Gebäude repariert sowie ein Teil der technischen Ausstattung modernisiert werden. Wie der Verein den höheren jährlichen Zuschuss einsetzen will, ist noch unbekannt. Der Vorsitzende des Vorstandes war in den vergangenen Tagen nicht erreichbar.

Noch höher ist der Investitionsstau beim städtischen Strandbad in Planitz. "Nach 20 Jahren in Betrieb verschleißen alle fünf Becken", sagte die Geschäftsführerin der Bäderbetriebs GmbH, Kathrin Köhler. In den letzten Jahren hatte es keine größeren Arbeiten gegeben. Lediglich nach dem Winter auftretende Schäden seien regelmäßig behoben worden. Inklusive zusätzlich notwendiger Reparaturen müssen knapp 3,5Millionen Euro für die Sanierung oder den Austausch der Becken ausgegeben werden. Nicht berücksichtigt ist dabei die technische Ausstattung wie Pumpen und Filter. Die Ausgaben sollen auf die Jahre bis 2025 verteilt werden. "Wir haben keinen Druck", sagte Köhler. Auch weiterhin sei der Badebetrieb normal gewährleistet. "Wir sind auf das, was kommt, vorbereitet", sagte sie.

700.000 Euro werden in den kommenden sieben Jahren zusätzlich für das Johannisbad benötigt. Unter anderem muss das Außenbecken der Sauna erneuert werden. Zudem stehen für 185.000 Euro Reparaturen an Dach, Fassade, Fenstern und Toiletten an. Außerdem sollen für 365.000 Euro der Innenhof und der Parkplatz gepflastert werden.


Kommentar: Sparfuchs in der Falle

Die Schließung der Bäder Crossen und Pölbitz im Jahr 2005 - da waren im Rathaus noch andere Verantwortliche am Ruder als heute -, sollte einst den Kollaps der Stadtkasse verhindern. Sie wurde rein finanziell gesehen jedoch ein Schlag ins Wasser. Zwei Vereine übernahmen die Bäder und hielten sie mit viel Engagement am Leben. Nur am Geld mangelte es. Wollte sie nicht als Totengräberin dastehen, musste die Stadt einen Zuschuss zahlen - in der Hoffnung, diesen irgendwann auf Null setzen zu können. Der Streit war programmiert. Selbst um 5000 Euro wurde gestritten, während anderswo bei Bauprojekten das Geld nur so versickerte. Im Laufe der Zeit bildete sich sowohl beim städtischen als auch bei den privaten Freibädern ein Investitionsstau, der nun in sieben Jahren abgebaut werden muss, wenn Schließungen vermieden werden sollen.

Spätestens jetzt sollte im Rathaus jeder eingesehen haben, dass Freibäder immer ein Zuschussgeschäft sind. Wenn auch eines, das nicht eingespart werden kann: Steigern sie doch die Lebensqualität der Einwohner und die Attraktivität der Stadt für Gäste und Zuziehende.

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