Ein Gelände voller Geschichten, gebaut mit viel Herz – doch die Zeit arbeitet dagegen. Jetzt geht es darum, einen Platz zu bewahren, der für Generationen von Kindern zum sicheren Anker geworden ist.
Das alte Holztor knarrt. Darin hallen Jahre voller Kinderlachen und kleiner Abenteuer nach. „Indianercamp Silverstreet“ steht in verblichenen Lettern auf dem Schild, daneben der Wolf aus dem Wappen von Wilkau-Haßlau. Wer hier durchgeht, betritt einen Ort, der viel genutzt wurde – und der seine Dienste weiter leisten könnte, wenn man ihn lässt. Hinter dem Tor öffnet sich ein Gelände, das zugleich Abenteuerspielplatz, Lernort und Rückzugsraum ist.
Outdoor-Areal für kleine Entdecker
Auf rund 3000 Quadratmetern hat das Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum Zwickau (SBBZ) in Wilkau-Haßlau vor vielen Jahren ein kleines Outdoor-Reich geschaffen. Ein ehemaliger Mitarbeiter brachte die Idee mit, bevor das Gelände später von der Kommune gepachtet wurde.
„Damals haben wir alles selbst aufgebaut“, berichtet Gero Jahn, Pädagogischer Leiter des Projekts. Er zeigt auf das große Tipi, das im Sommer über die Baumkronen ragt und im Winter sorgsam eingelagert wird. „Es ist robust, aber natürlich hält auch so ein großes Zelt nicht ewig.“
Zwischen Bogenschießstand, Nistkastenbau und Lagerfeuer können Kinder von April bis Oktober entdecken, was draußen alles möglich ist. Auf der Streuobstwiese wächst vieles bewusst etwas wilder, damit Schmetterlinge und Insekten einen Lebensraum finden. Gruppen aus Horten und Schulen kommen regelmäßig. Das Programm wird für jede Gruppe angepasst – mal mehr Bewegung, mal mehr Natur, mal handwerklich.
Gelände braucht eine Frischekur
„Es kommen Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse her, und unsere Wohngruppenkinder eher ab zehn Jahren“, sagt Jahn. Der Spielplatz dient auch als inklusiver Ort für Mädchen und Jungen, die mit schwierigen Lebenssituationen, Traumata oder Beeinträchtigungen konfrontiert sind.
Das Spielareal im Herzen des Camps, seit diesem Jahr Teil des Freizeitzentrums Wilkau-Haßlau, hat seine besten Jahre jedoch hinter sich. Manche Holzelemente sind verwittert, Schrauben haben Spiel, der Sandkasten ist in einer Form erhalten, die man früher für ausreichend hielt, heute aber nicht mehr zeitgemäß wirkt.
Einzelne Geräte erfüllen die aktuellen Standards für Sicherheit und Inklusion nur noch eingeschränkt. Der Tüv kontrolliert regelmäßig. „Wir tauschen immer mal wieder Elemente aus, aber irgendwann reicht das Stückwerk nicht mehr“, sagt Jahn bedauernd. Der Platz kann noch viel bieten, doch dafür bräuchte er jetzt eine Frischekur.
Kosten allein nicht zu stemmen
Das SBBZ plant daher, den Spielplatz zu renovieren, veraltete Geräte zu ersetzen und neue Elemente zu ergänzen. Gedacht ist an eine Nestschaukel, ein Bodentrampolin und ein Balance-Modul – Angebote, die auch Kinder nutzen können, die körperliche, soziale oder seelische Einschränkungen mitbringen. Für viele von ihnen ist der Spielplatz ein Ort, an dem sie unkompliziert Anschluss finden und in Bewegung kommen, ohne erklären zu müssen, was sie belastet.
Der Kostenvoranschlag liegt bei 13.000 Euro. Die DRH-Stiftung Kinderhilfe, langjähriger Partner des Vereins „Leser helfen“, wird sich an dem Projekt beteiligen. Für den Träger selbst bleibt eine Summe, die aus eigener Kraft kaum zu stemmen ist. Gleichzeitig markiert sie den Unterschied zwischen einem Spielplatz, der wegen baulicher Mängel vielleicht irgendwann gesperrt werden müsste, und einem, der wieder verlässlich genutzt werden kann.
Freiraum für Kinder
Wer durch das verwitterte Tor tritt und über den leicht federnden Boden des Rasens geht, spürt, dass der Ort weiterleben soll – nicht als nostalgisches Relikt, sondern als funktionierender Raum für Kinder, deren Alltag oft wenig Freiraum lässt. (tc)
So können Sie helfen: Mit der „Leser helfen“-Aktion will die „Freie Presse“ dazu beitragen, das Indianercamp „Silverstreet“ zu erhalten. Jede Unterstützung hilft, damit Kinder sich im Freizeitzentrum weiter ausprobieren, lachen und wachsen können.







