Innenstadt: Zukunft zwischen Raritäten und Burgerbrutzlern

Die Nebenstraßen im Zwickauer Zentrum ziehen immer weniger Kunden an. Wer hier überleben will, braucht Stammkunden. Ein neues Restaurant an der Hauptstraße könnte bald aber wieder mehr Laufkundschaft anlocken.

Zwickau.

Einkaufen in der Zwickauer Innenstadt: Wer sich abseits der Arcaden und der belebten Inneren Plauenschen Straße umsieht, findet zahlreiche leere Geschäfte. Beinahe 20 Leerstände befinden sich allein unter den circa 60 Läden an der Inneren Schneeberger Straße und der Hauptstraße. Damit ist fast jedes dritte Geschäft unbenutzt, darunter der ehemalige Kolonialwarenhandel und mehrere Restaurants.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben zwei Läden geschlossen, eines davon war ein Restaurant. Zwei weitere sind umgezogen. Die Inhaberin des Second-Hand-Ladens "Dies und Das" sieht die Gründe für das Aussterben der Einkaufskultur bei mangelhaften Parkmöglichkeiten und der Schließung des Kaufhauses Joh. Das sehen viele so. "Dadurch fehlt es an Haushaltsbedarf. Die Hauptstraße war früher belebter, und ein schönes Kaufhaus wäre wünschenswert", meint eine Rentnerin aus Zwickau.


Laut der Stadt Zwickau bestehen keine Engpässe, was das Parkplatzangebot angeht, es entspreche sogar einem Überbedarf. Heißt: Es gibt mehr Parkplätze als nötig. Doch viele Läden bekommen gar nicht erst die Chance, sich zu etablieren. "Viele Neueröffnungen scheitern schon in den ersten Monaten, lediglich Stammkundschaft belebt das Geschäft", erklärt Ulrike Hoferichter, eine der Inhaberinnen der "Schmuckschmiede" an der Hauptstraße. Sie hat Kunden aus ganz Deutschland, allein von den Zwickauern könne sie nicht existieren, sagt sie. Deswegen ist auch der Handel im Internet für sie wichtig. Ihr Eindruck: Kunden bekommen vieles in den Arcaden und beachten die Nebenstraßen mit kleineren Läden kaum noch.

Um das Image der Hauptstraße aufzupolieren, plant die Stadt in einem leer stehenden Laden eine Kombination aus Kultur, Einkaufen und Gastronomie. Darüber hinaus soll ein Gründerwettbewerb zum Wiederbeleben der Kreativwirtschaft beitragen. Ein Plan dazu wird bald den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses vorgestellt.

Den Kunsthandwerkladen Liebig gibt es bereits seit 100 Jahren in Zwickau, betrieben in dritter Generation von Arndt und Katrin Liebig. Die beiden Geschäftsführer, deren Laden immerhin seit 1994 an der Hauptstraße angesiedelt ist, sehen auch positive Entwicklungen - wie zum Beispiel den Spielwarenladen "Baumhaus". Mit dem Angebot großer Spielwarenläden könne er zwar nicht mithalten, "dafür findet man hier individuelle Spielsachen aus Holz, die man nicht überall bekommt. Individualität ist das Hauptaugenmerk der Inneren Schneeberger Straße sowie der Hauptstraße", sagt Katrin Liebig. Sie meint: Die Chance der verwaisten Seitenstraßen liegt in Raritäten und Hochwertigem.

Mehr Aufmerksamkeit könnte die Hauptstraße gegen Ende des Jahres erfahren: Mit der Eröffnung des Restaurants "Burger 25" möchte Inhaber Marius Kurzke die Straße für junge Leute attraktiv machen. Der Gastronom startete das Geschäft um den Burger als Cateringservice für Festivals, Freizeitparks und Geburtstage. 2015 eröffnete er in Markneukirchen sein erstes Lokal. Er sieht Zwickau als lukrativen Standort, da man durch die Hochschule viele junge Kunden habe. Burger sieht er als Trend, welcher vor allem bei der jüngeren Zielgruppe beliebt ist. Dass das Burger-Konzept aufgehen kann, beweist seit einigen Jahren Daniel Meyer, der erfolgreich das "Mr. Meyers"-Diner an der Humboldtstraße führt. Er erfreut sich einer regelrechten Fangemeinde, auch außerhalb der Stadt. Burger sind aber keine Erfolgsgarantie: Erst im April hat das Lokal "Burger Point" an der Bahnhofstraße aufgrund mangelnder Besucherzahlen nach nicht mal einem Jahr geschlossen. "Burger 25" will mehr Erfolg haben - durch Werbung via Radio und Facebook will Inhaber Kurzke eine breite Masse erreichen und. Anfang Dezember sollen sich die Türen des Restaurants in der Hauptstraße 66 bis 68 öffnen.

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