Integration etwas außerhalb

Der Landkreis plant seine erste Messe für Menschen mit Migrationshintergrund, die mit Firmen zusammenfinden sollen. Dafür wird eine fünfstellige Summe aufgewandt. Und für die Besucher rollen drei Shuttlebusse.

Zwickau.

Die erste Integrationsmesse im Landkreis Zwickau steht an. Am Samstag ab 10 Uhr wollen 53 Aussteller die Besucher in Zwickau unter anderem über Stellenangebote und Weiterbildungsmöglichkeiten informieren. Mit dabei sind laut Landkreis 25 Firmen, sieben Institutionen, 14 Bildungsträger und sieben Beratungsstellen.

Der Landkreis rechnet mit etwa 250 bis 300 Besuchern, die Zielgruppe: Flüchtlinge, EU-Zuwanderer und aufenthaltsberechtigte Drittstaatenangehörige. Da als Veranstaltungsort das von Stadtzentrum und Bahnhof etwa drei Kilometer entfernte Berufsschulzentrum (BSZ) "August Horch" im Stadtteil Weißenborn gewählt wurde, fallen die Anreisewege für einen Teil der Besucher kompliziert aus. Deshalb wird extra vom Zwickauer Hauptbahnhof ein Bus-Shuttleverkehr eingerichtet. Alle halbe Stunde pendelt ein Bus zwischen Bahnhof und Messeort. Kosten: rund 500 Euro. Zudem werden für knapp 550 Euro Busse aus Limbach-Oberfrohna über St.Egidien und aus Kirchberg über Wilkau-Haßlau nach Zwickau und zurück rollen.

Die Lage des Messestandortes im Norden Zwickaus nennt Landkreissprecherin Ilona Schilk auf Anfrage "relativ gut". Etwa 100 Schüler des BSZ seien potenzielle Besucher. Man habe die Berufsschulzentren am Dr.-Friedrichs-Ring und an der Werdauer Straße als Alternativen deshalb verworfen, weil sie "von der Raumaufteilung nicht geeignet" seien und "zu wenige Parkmöglichkeiten" hätten. Ein angefragtes nicht-landkreiseigenes Objekt hätte Mietkosten von knapp 3800 Euro nach sich gezogen.

Die Integrationsmesse wird über die Fachkräfterichtlinie des sächsischen Wirtschaftsministeriums gefördert. Laut Landkreis fließen 22.680 Euro von Dresden nach Zwickau. Der Großteil geht an den Ausrichter, die Firma Krauß Event aus Zwickau. Rund 17.700 Euro sind vereinbart. Die Veranstaltungsagentur habe sich in einem freihändigen Vergabeverfahren durchgesetzt, so Schilk. Drei Firmen seien angefragt worden und zwei Angebote eingegangen. Der Dienstleister wurde beauftragt, weil "seitens der Behörde kein Personal zur Messevorbereitung und -durchführung dieser erstmaligen zusätzlichen Veranstaltung vorgehalten wurde".

Laut Jörg Hempel, Projektkoordinator bei Krauß Event, hat das Unternehmen bereits mehrfach kleinere Messen betreut, aber auch größere wie das IHK-Automobilforum. Deswegen habe man sich beworben. Dass der Landkreis den Ausrichter als "engagierten Akteur" führt, ohne ihn namentlich zu nennen, sei kein Problem. "Wir agieren im Hintergrund", sagt Hempel. "Es geht um das Landratsamt, und die Veranstaltung ist dessen Idee."

300 bis 400 Firmen seien von Krauß Event kontaktiert worden, so Hempel. Er ist mit der Resonanz "zufrieden fürs erste Mal". Als Startpunkt sei die Veranstaltung "sinnvoll" und "an einem anderen Standort ausbaufähig".


Kommentar: Raus aus der Berufsschule

Bei der ersten Integrationsmesse ist das Ziel klar: Ausländer aus dem Landkreis Zwickau, die arbeiten wollen, und Firmen, die Mitarbeiter suchen, sollen zusammenfinden. Das wird am morgigen Samstag hoffentlich erstmals gut gelingen.

Doch es gibt schon jetzt Verbesserungspotenzial: Künftig sollte ein zentralerer und besser erreichbarer Ort als ein Berufsschulzentrum für die Messe her. Nur zum Vergleich: In Chemnitz war das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz dieses Jahr Gastgeber der dortigen Integrationsmesse. Zentraler und schicker geht es nicht. In Leipzig war es die Kongresshalle am Zoo. Auch die strahlt seit ihrer Renovierung in neuem Glanz.

Mit der Wahl des Veranstaltungsortes sendet man Signale, wie wichtig das Thema ist und dass man gern noch größere Integrationsmessen ausrichten möchte. Das stünde auch dem Landkreis künftig gut zu Gesicht.

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