Jetzt ist Leben im lange leer stehenden Hof

Viele junge Familien wollen neu bauen. Die Langs hingegen verliebten sich in ein altes Gemäuer in Grünau. Nach ungezählten Stunden Arbeit wurde jetzt Einzug gefeiert.

Grünau.

Marode Giebel, aufsteigende Nässe - man brauchte schon viel Fantasie, um sich ein Wohnen auf dem um 1750 erbauten Bauernhof, der mehr als zehn Jahre leer gestanden hatte, vorstellen zu können. Die Langs hatten diese und viel Gottvertrauen. Sie griffen zu, als er vor ein paar Jahren zum Verkauf stand. Die Stunden, die sie in das Bauerngut an der Wildenfelser Straße 75 im Langenweißbacher Ortsteil Grünau gesteckt haben, haben sie nicht gezählt. Doch die viele Arbeit hat sich gelohnt. Da waren sich alle einig, die am Freitag mit der sechsköpfigen Familie Einzug gefeiert haben.

Bürgermeister Jens Wächtler (Unabhängige Wählervereinigung) , der einen Apfelbaum als Geschenk mitgebracht hatte, sagte: "Einem Dorf kann nichts Besseres passieren, als junge Familien zu haben, die alte Bauernhofe wieder auf Vordermann bringen und mit Leben erfüllen. Zum Glück seid Ihr nicht die einzigen, die so etwas machen. Wir haben praktisch keine leer stehenden Güter." Kristin Lang berichtete, dass sie einmal durchgezählt hat. "Es gibt etwa 50 Kinder in Grünau." Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass der Ortsteil nur 223 Einwohner hat.

Mittelpunkt des Familienlebens auf dem denkmalgeschützten Hof ist die große Wohnküche. Die Glocke davor wird geläutet, wenn es Essen gibt. Dann springen Naemi (4), Lias (6), Perez (12) und Joel (14) , die alle eigene Zimmer im Obergeschoss haben, die Treppe herunter. Ebenfalls oben befindet sich ein großes Zimmer mit wunderbaren Blick in die Natur, in dem sich Spiele und Bücher stapeln. Dort trifft sich die Familie ebenfalls gern. Im ehema- ligen Kuhstall im Erdgeschoss haben die Langs einen Partyraum eingerichtet. Der wurde vor der Einzugsfete bereits im Frühjahr zur Konfirmationsfeier von Joel und im August zur Einschulungsfeier von Lias genutzt.

Saniert hat Mike Lang alles in Lehmbauweise. Heizkörper gibt es keine. Für gutes Raumklima sorgt in der kalten Jahreszeit eine unter dem Lehm versteckte Wandheizung. In der Küche gibt es zusätzlich einen großen Kachelofen. Eine Fotovol- taikanlage auf dem Dach produziert Strom.

Während im Wohnhaus inzwischen das meiste fertig ist, gibt es draußen noch viel zu tun. Hof und Einfahrt müssen gepflastert werden, die Nebengebäude sind noch her- zurichten. Auch künftig wird Mike Lang noch eine Menge Arbeit haben. Umgesetzt hat die Familie ihren Traum von zeitgemäßem Wohnen in dem alten Gemäuer mit viel Eigenleistung, auch mit Unterstützung von Familie sowie Freunden. "Geholfen haben uns aber ebenfalls die 100.000Euro Fördergeld, die wir über das sogenannte Leader-Programm erhalten haben", sagt Kristin Lang.


Fördergelder an 33 junge Familien ausgereicht

Das Leader-Förderprogramm geht aktuell bis 2020. Gefördert werden darin Projekte im ländlichen Raum. Die Leader-Region "Zwickauer Land" umfasst Zwickau sowie die Altkreise Zwickau Land und Werdau. In Zwickau werden allerdings nur in den acht ländlich geprägten Ortsteilen Vorhaben gefördert.

Neben Kommunen können auch Privatpersonen, Unternehmen, Kirchen und Vereine Anträge auf Förderung stellen. Bisher sind insgesamt etwa 6,2 Millionen Euro als Zuschüsse in 72private Projekte geflossen. So haben 33 junge Familien Fördergeld für die Um- oder Wiedernutzung von Wohnhäusern, Scheunen und ganzen Höfen für Wohnzwecke erhalten.

Aber auch für die Umnutzung von Gebäuden für gewerbliche Zwecke sind Gelder geflossen, genau wie in die Sanierung von Kirchen, Begegnungs- und Freizeitzentren sowie die Restaurierung einer Wehrmauer.

www.zukunftsregion-zwickau.eu

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