Jugendamt unterbreitet Kompromissvorschlag

Es ist Bewegung in Sachen Personalkostenausstattung der Jugendhilfevereine gekommen. Die Mehrgenerationenhäuser dürften aufatmen.

Landkreis.

Offenbar ist die Kuh vom Eis: Das Jugendamt des Landkreises hat neue Zahlen vorgelegt, die weniger krasse Auswirkungen in der Jugendhilfelandschaft des Kreises haben dürften. Ob die neuen Pläne eine Mehrheit finden, das sollte sich am Mittwoch in einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses zeigen. Doch jetzt musste auch diese Sitzung abgesagt werden.

Nach jetzigem Stand würde es in den Familienzentren in Kirchberg und Härtensdorf sowie beim Elterntreff des Zwickauer Mütterzentrums und beim Elternprojekt der Zwickauer Lernwerkstatt bei der Förderung bei jeweils einer Vollzeitstelle bleiben. Auch das Kinder- und Jugendtelefon des Deutschen Kinderschutzbundes, dessen Personalkostenzuschuss auf Null gefahren werden sollte, könnte weiter existieren - vorgesehen ist, eine Halbtagsstelle zu finanzieren. Das Glauchauer Jugendhaus "Würfel", dessen Schließung ebenso drohte, könnte dank zusätzlicher 15.000 Euro von der Stadt Glauchau offen bleiben. Auch die Stadt Meerane hat nach Angaben der Landkreisverwaltung signalisiert, jeweils 5000 Euro mehr für die Jugendklubmitarbeiter im Freizeitzentrum "Annaparkhütte" und im Jugendclub "Beverly Hills" ausgeben zu wollen.

Die Jugendwerkstätten des Vereins "FAB" sollen allerdings nur zwei statt vier Stellen für ihre insgesamt 20 Plätze für Jugendliche finanziert bekommen. FAB-Geschäftsführer Jens Strecker zufolge müsste dann eine Werkstatt geschlossen werden, welche ist unklar. "Wir müssen dann gemeinsam mit dem Jugendamt eine Lösung für sie finden. Für unsere Mitarbeiter streben wir andere Einsatzmöglichkeiten an."

Auch die Kompetenzagentur der Glauchauer Berufsförderung soll nur noch mit zwei statt 3,2 Stellen finanziert werden. Abstriche müsste ebenso das Jugendhaus "Off is" in Hohenstein-Ernstthal machen. Dort soll nur noch eine statt bisher anderthalb Stellen finanziert werden. Und gänzlich leer ausgehen würde derzeit auch der Kirchberger Jugendklub. Allerdings ist diese Stelle auch noch nicht besetzt. Alle Erstanträge und Anträge auf höheren Personalkostenzuschuss will die Verwaltung nach wie vor ablehnen.

Für Carsten Tanneberger, Regionalleiter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, ist die neue Beschlusslage ein deutlich positives Signal. "Ein guter Kompromiss, weil für alle hoch strittigen Punkte ein Lösungsvorschlag vorliegt." Das sei auch gelungen, weil Kommunen zusätzlich Geld zur Verfügung stellen.

Für einzelne Projekte ist dennoch weniger Geld als von den Trägern benötigt vorgesehen. "Hier sehe ich die Knackpunkte, die besprochen werden müssen." Nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sollte insbesondere bei den Jugendwerkstätten geschaut werden. "Hier gab es die Einschätzung des Jugendamtes, dass das Jobcenter Personalkosten übernehmen könnte." Darüber würde sich auch FAB-Geschäftsführer Strecker freuen, obgleich er von solchen Bestrebungen noch nichts weiß. Der Wohlfahrtsverband drängt jedoch darauf, dass alle Angebote, die einen geringeren Fördervorschlag haben, im nächsten Jahr wieder personell so ausstaffiert werden wie 2019. "Wichtig ist zudem, dass sich intensiv mit der Jugendhilfeplanung befasst wird und unter der Beteiligung der Träger der freien Jugendhilfe fachliche Schwerpunkte diskutiert werden. Ziel muss sein, dass die definierten Sozialräume im Landkreis bedarfsgerecht mit Jugendhilfeleistungen ausgestattet sind."

Der Landkreis hat vor, in diesem Jahr 2,2 Millionen Euro an Personalkosten für Jugendhelfer auszugeben. Das ist mehr als noch im Jahr zuvor. Allerdings reicht es nicht, um alle Stellen wie im Vorjahr zu finanzieren, da die Sozialarbeiter nach Jahren ohne Lohnerhöhung 2020 deutlich mehr Geld verdienen.


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