Junge Chinesin glücklich an Clara Schuhmanns Flügel

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Eine Pianistin aus Fernost erlebte bei der Museumsführung im Robert-Schumann-Haus einen unfassbaren Glücksmoment.

Zwickau.

Die junge Pianistin Xinhui Wang wird den 2. Juni 2022 garantiert nie vergessen, den Tag, an dem sie das Geburtshaus des Komponisten Robert Schumann besuchte und wie ihr ganz unverhofft die Ehre zu teil wurde, einige Takte Clara Schumanns Flügel zu entlocken.

Die 29-jährige Chinesin konnte ihr Glück kaum fassen und zitterte auch nach dem kurzen Einspiel noch regelrecht vor Freude. Das passierte während der Museumsführung für die Teilnehmerinnen des Gesangsmeisterkurses, der im Rahmen des diesjährigen Schumann-Festes von der Karlsruher Professorin Mitsuko Shirai geleitet wurde.

Während der exklusiven Führung bot Museumsleiter Thomas Synofzik der chinesischen Studentin, die ihm Rahmen des Erasmus-Programms ihr Auslandspraktikum in Frankreich und in Karlsruhe absolviert, ganz spontan an, an Claras Flügel Platz zu nehmen und etwas darauf vorzuspielen. Zu hören gab es natürlich Schumann, denn die junge Pianistin besuchte Zwickau als Klavierbegleiterin einer Teilnehmerin des Gesangsmeisterkurses. Ihr spontanes Ständchen für Clara wurde sowohl von der Kursleiterin Mitsuko Shirai als auch von Kursteilnehmerinnen und Synofzik mit anerkennendem Applaus honoriert.

Während die jungen Künstler das Schumann-Haus besuchten, katapultierten die Museumstafeln mit den Namen der Preisträger des Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs die Japanerin Mitsuko Shirai sofort ins Jahr 1974, in dem sie im Gesangswettbewerb in Zwickau den Sieg davon getragen hatte. "Unglaublich, dass es schon 48 Jahre her ist, ich kann mich noch so lebhaft daran erinnern, als ob es erst gestern war", sagte die 75-Jährige. "Ich kam zwei Jahre zuvor, genau vor 50 Jahren, am 6. Juni 1972, zum Studium in Deutschland an", berichtet die Professorin, die beim Studium in Stuttgart ihren späteren Mann, den Pianisten Hartmut Höll, kennenlernte. Im Zwickauer Schumann-Haus erzählte sie von ihrem Auftritt im Schwanenschloss und von der Begegnung mit Pavel Egorow, der 1974 als Student des Moskauer Konservatoriums für die UdSSR den ersten Preis im Klavier-Wettbewerb in Zwickau gewann und nur so tat, als ob er kein Deutsch konnte. "Wenn seine Begleiter weg waren, konnten wir uns sehr gut auf Deutsch unterhalten", erzählte Mitsuko Shirai, die zugab, damals selbst noch nicht so gut Deutsch zu sprechen. "Uns hat bis zu seinem Tod im Jahr 2017 eine langjährige Freundschaft verbunden. Wir haben ihn auch in seiner Heimatstadt Leningrad besucht." Beste Erinnerungen hat sie ebenfalls an den 2010 verstorbenen ungarischen Bass László Polgár, der 1974 im Gesang der Herren Preisträger des VI. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs wurde. Sie verriet auch, dass sie selbst nicht mit ihrem Sieg gerechnet hatte. Aber dann habe sich ihre persönliche Favoritin, die direkt vor ihr im Wettbewerb antrat, etwas versungen, erzählte Mitsuko Shirai, die 1982 von der Stadt Zwickau für ihre hohen Verdienste um die Pflege und Verbreitung Schumannscher Musik den Robert-Schumann-Preis verliehen bekam. Mitsuko Shirai ist Ehrenmitglied der Robert-Schumann-Gesellschaft und hat mehrmals als Jurorin bei Schumannwettbewerben in Zwickau mitgewirkt. Die Trägerin des Deutschen Bundesverdienstkreuzes (2010) bekam übrigens 2018 vom japanischen Kaiser persönlich den ältesten Orden des Landes verliehen.

Am Pfingstmontag kamen die Zwickauer im Schloss Planitz in den Genuss des Abschlusskonzertes des von ihr geleiteten Meisterkurses, in dem zwei junge Tenöre sowie drei Sopranistinnen und drei Mezzosopranistinnen zu erleben waren.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.