Kätzchen und Kopfschmerzen

Grüner wird's nicht Man findet sie zahlreich, besonders entlang der Mulde: die Vertreter der Familie Salix. Es ist nicht immer leicht, sie auseinander zu halten.

Zwickau.

Manche von ihnen erkennt man auf den ersten Blick. Bei anderen muss man schon genauer hinschauen. Und dann gibt es noch eine Reihe von Exemplaren, bei denen auch Experten ratlos sind. Weiden sind eine weit verbreitete und weit verzweigte Familie.

Sie sind - zumindest auf der Nordhalbkugel eine Allerweltspflanze im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei aber haben sie viele Talente. Denn Weiden spenden nicht nur Schatten und verschönern den Anblick so manchen Grünstreifens. Sie werden seit langer Zeit von den Menschen genutzt, und das auf so vielfältige Weise wie es Weiden-Arten gibt.

Der häufigste Vertreter dieser Familie ist in Zwickau die Silberweide, die mit ihren langen, auf der Unterseite silbergrau erscheinenden Blättern das Bild des Muldeufers prägt. In Schlunzig allerdings machen sich jetzt einige Familienmitglieder daran, ebenfalls Fuß zu fassen. Hilfe bei der Ansiedelung haben die neuen Weiden von der Landestalsperrenverwaltung bekommen - und das nicht von ungefähr. Einige Arten, darunter die Kriech-, die Purpur- und die Grau-Weide sind nämlich etwas Besonderes: Sie sind so biegsam, dass sie sich im Falle eines Hochwassers umlegen und quasi mit der Flut treiben lassen. Geht das Wasser zurück, richten sich die Bäume wieder auf.

An der neu hergerichteten Schutzanlage im Stadtteil Schlunzig sollen deswegen künftig solche Weiden wachsen. Sie gefährden nicht die Stabilität des Ufers wie andere Bäume. Ohne einen Bewuchs geht es aber auch nicht, erklärt Angelika Trültzsch von der Landestalsperrenverwaltung. Denn die Weiden sorgen für Schatten - und damit sorgen sie auch dafür, dass der ungeliebte Japanische Knöterich nicht weiter das Ufer zuwuchern kann. Die Weiden werden nicht gepflanzt, vielmehr hat die Behörde Weidenspreitanlagen installieren lassen. Dazu wurden am Lungwitzbach in der Nähe von St. Egidien geeignete Bäume abgeschnitten und die so gewonnen Ruten an das Ufer gelegt. Seile und Holzpflöcke sichern die Stöcke, damit sie nicht weggeschwemmt werden, ehe sie in der Erde neue Wurzeln gebildet haben.

Wenn also am Muldeufer in den nächsten Jahren neue Weiden heranwachsen, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis ganz neue Arten entstehen. Denn Weiden bilden schnell Bastarde, auch Hybride genannt - neue Arten, die durch geschlechtliche Fortpflanzung entstehen. Das gilt auch für die Babylonische oder Trauerweide, die oft Hybride mit der Silberweide bildet. Mit ihren herabhängenden Zweigen ist die Trauerweide gut von anderen Bäumen zu unterscheiden. Im gesamten Stadtbild finden sich einzelstehende Trauerweiden in Parks und auf Grünflächen. Noch auffälliger ist die Korkenzieher-Weide, die von der Chinesischen Weide abstammt und gut an ihren gedrehten Zweigen zu erkennen ist.

Am bekanntesten ist sicher die Nutzung der Weidenrinde als Mittel zur Schmerz- und Fieberminderung. Das funktioniert als Tee - geht aber auch bequemer als Tablette. Denn der Wirkstoff Acetylsalicylsäure wurde vor mehr als 100 Jahren aus der Weide gewonnen - und zunächst nur unter dem Namen Aspirin verkauft. Doch die Bäume und Sträucher haben noch andere Talente: Die Blüten der Sal-Weide, als Weidenkätzchen bekannt, dienen um Ostern herum den Menschen als Schmuck und den Bienen als Nahrung. Die biegsamen Zweige vieler Weidenarten wurden schon zu biblischen Zeiten als Flechtmaterial benutzt. Auch zum Färben taugt die Rinde - und ist dabei für Überraschungen gut. Unterschiedliche Quellen berichten von Rosa- und Grautönen, aber auch von Zartgelb bis Blassgrün als Ergebnis. Auf alle Fälle gilt: Die Weiden sind eine sehr hilfsbereite Familie.

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