Kampf gegen die Blechlawine

Weil zu viele Autos die Marienthaler Straße verstopfen, fordert die Zwickauer CDU Maßnahmen, die den Verkehr beruhigen sollen. Der Dauerstau lässt sich damit aber nicht auflösen.

Zwickau.

Dass auf der Marienthaler Straße im Zwickauer Stadtwesten zu viel Verkehr und zu viel Lärm herrschen, gilt als unstrittig. Doch während die Stadtverwaltung bisher als einzige Lösung ein Spiel auf Zeit anbietet, unternimmt nun die CDU-Fraktion einen Vorstoß, der die dortige Autokarawane entzerren soll. Nur: Selbst wenn der Stadtrat sich hinter das Unionspapier stellen sollte, werden die Maßnahmen erst nach dem Ende des tagtäglichen Verkehrskollapses greifen.

Der momentane Dauerstau soll sich den Prognosen der Experten zufolge im November von alleine auflösen. Ende Oktober endet voraussichtlich die Baumaßnahme auf der Werdauer Straße und damit auch die Umleitung, die zurzeit Tausende Autofahrer dazu zwingt, auf die Marienthaler Straße auszuweichen. Doch auch wenn die Verkehrsdichte wieder auf Normalniveau zurückfällt, rollen über einzelne Abschnitte immer noch knapp 20.000 Autos am Tag. Die CDU hat nun einen fünf Vorschläge umfassenden Antrag eingereicht, die Lage dauerhaft zu entzerren und dem Lärm zu begegnen. Darüber soll der Stadtrat in seiner Sitzung am 25. Oktober entscheiden. "Tagsüber kommt keiner durch, und nachts wird gerast", sagt Fraktionschef Thomas Beierlein. Dagegen müsse man schnellstmöglich Maßnahmen ergreifen.

Die fünf Forderungen der Union lauten: Aufbau stationärer Blitzer, Einrichtung von Tempo-30-Zonen in sensiblen Abschnitten, Bereitstellung von 50.000 Euro für kurzfristige Ausbesserungen, künftiger Einbau von Flüsterasphalt sowie bessere Synchronisierung der Ampelanlagen. Details müssten noch abgestimmt werden, sagt Beierlein, beispielsweise sei nicht geklärt, wo Tempo 30 sinnvoll erscheine. Das müsse zunächst mit der Polizei erörtert werden.

Aus dem Antrag spricht auch ein gewisses Maß an Ungeduld, denn die CDU hatte das Thema schon mehrfach auf die Agenda gehievt, stets mit dem Ergebnis, dass die Stadtverwaltung sich dabei auffällig viel Zeit ließ. Eine Anfrage von Lutz Feustel aus dem Juli 2018, was die Stadt denn gegen die aktuelle Verkehrs-, Lärm- und Abgasbelastung zu tun gedenke, beantwortete Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) erst 44 Tage später - ohne eine Lösung nennen zu können. Stattdessen verwies Köhler darauf, dass sich im November wieder das normale Verkehrsniveau einstellen werde. Eine weitere Anfrage Feustels in der jüngsten Stadtratssitzung vor zwei Wochen blieb bislang noch ohne Antwort. Fraktionschef Beierlein bestreitet zwar, dass der jetzige Antrag aus Enttäuschung über die zugeknöpfte Haltung des Rathauses entstanden ist, tut sich aber gleichzeitig mit einer Begründung schwer, wieso man nicht vorher die Stellungnahme der Oberbürgermeisterin auf die offene Anfrage von Ende September abwarten wollte.

Und wie steht es um die Umsetzbarkeit der CDU-Forderungen? Diese müssten im Einzelnen geklärt werden, beispielsweise ob die Stadt es für sinnvoll erachtet, ihren bisherigen zehn stationären Blitzern weitere hinzuzufügen. Für Tempo-30-Zonen spricht selbst die CDU noch von Abstimmungsbedarf. Was die Straßenausbesserungen angeht, würde man der Verwaltung tatsächlich eine neue Aufgabe stellen. Geplant seien diese bislang nicht, heißt es auf Anfrage. Die Forderung nach Flüsterasphalt hält das Tiefbauamt grundsätzlich für sinnvoll, allerdings nur, wenn ein gleichzeitiges Befahren der Gleise ausgeschlossen werden kann. Flüsterasphalt reduziere aber tatsächlich Lärm, was man auch noch nach Jahren beobachten könne, und viel teurer als normaler Asphalt sei er auch nicht.

Offen ist die Frage, ob eine bessere Ampelschaltung möglich wäre. Die derzeitige Synchronisierung stammt aus dem Jahr 2002. Wie das Rathaus mitteilt, wurde sie damals von den Städtischen Verkehrsbetrieben beauftragt, um den öffentlichen Nahverkehr zu beschleunigen.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    Bennewitz
    09.10.2018

    Vielleicht sollte man das Verkehrskonzept in Zwickau generell mal überdenken. Bis heute fehlt die Verbindung B175 in Richtung B93. Was wurde aus der Tangente Olzmannstrasse Richtung Werdauer Straße? Ach richtig, da werden jetzt weitere Eigenheime gebaut. Koordinierung ist auch so ein Fremdwort: Es kann doch nicht sein, daß eine Hauptstrecke (Werdauer Straße) gesperrt ist und gleichzeitig die Rechenbacherstraße und die Olzmannstraße dicht sind, weiterhin auf der verbleibenden Strecke weitere Bauampeln aufgestellt werden, die Straßen verengt werden um Parkpoller (!) zu zementieren oder die Straße auszubessern! Übrigens, wenn der Verkehr flüssig rollt, braucht man keine weiteren Blitzer und 30er Zonen ...



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