Kauft ein Investor das Stadion?

Laut FSV Zwickau gibt es jemanden, der Interesse daran hat, beim Verein einzusteigen. Von einem zweistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Als Sicherheit soll das Stadion den Besitzer wechseln.

Zwickau.

Die Gespräche sind wohl schon ziemlich konkret, wenn man FSV-Vorstandssprecher Tobias Leege zuhört, aber noch nicht konkret genug, um Nägel mit Köpfen zu machen. Der "Freien Presse" gegenüber hat Leege jedenfalls bestätigt, dass der FSV Zwickau tatsächlich mit einem Investor spricht, der das Zwickauer Stadion kaufen möchte. Mehr noch, es gehe darum, nach der zurzeit diskutierten Ausgliederung der Profiabteilung Geschäftsanteile am FSV zu erwerben. Man rede von einem Investment im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, sagt Leege. Dafür aber will der Investor offenbar Beton sehen.

Laut Leege sieht der Plan in etwa folgendermaßen aus: Nach der Ausgliederung der Profi-Abteilung könnte der FSV Zwickau maximal 49 Prozent der Geschäftsanteile an Investoren vergeben. Denkbar seien zurzeit zwei Modelle: Man könnte entweder zwei Pakete schnüren, wonach bis zu zehn Prozent an vier bis fünf lokale Geldgeber und Sponsoren gehen, die sich beim FSV einbringen wollen, und die restlichen 39 Prozent an einen entsprechend potenten Hauptinvestor. Oder aber man veräußert die kompletten 49 Prozent an einen einzelnen Investor. In jedem Fall spreche man von einer Investitionssumme "im niedrigen zweistelligen Millionenbereich", sagt Leege. Diesen Wert habe eine Bewertung durch einen Wirtschaftsprüfer ergeben.

In jedem Fall würde der Großinvestor Sicherheiten verlangen. Hier käme das Stadion ins Spiel. "So ein Kauf ergibt aus zwei Gesichtspunkten Sinn", sagt Leege. Zum Ersten, weil der Investor damit ein Gebäude als Sicherheit erhalten würde. Zudem würde er in die Betreibergesellschaft einsteigen, wodurch er einen Teil des Investments durch Miete zurückbekäme. Und zum Zweiten, weil strategische Entscheidungen wie beispielsweise die Erhöhung der Zuschauerkapazität nicht länger von der Stadt oder städtischen Gesellschaften abhängig wären.

Mit dem frischen Geld möchte der FSV jedoch nicht nur den Kader aufpolstern, sondern es vor allem in die Infrastruktur des Vereins stecken. Leege nennt als Beispiele die Verbesserung der Trainingsbedingungen und neue Software für die Geschäftsstelle. "Aber all das sind Überlegungen, nichts davon ist beschlossen", betont der Vorstandssprecher. "Wir haben auch noch nicht mit dem Investor selbst gesprochen, sondern bisher mit einem Berater." In jedem Fall wolle man mit der Stadt und der städtischen Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ) über eine mögliche Verkaufssumme für das Stadion sprechen, um das Thema mit dem Berater vertiefen zu können. "Das soll in den nächsten Tagen passieren", sagt Leege.

In der Stadtverwaltung ist man zurückhaltend. Noch gebe es keine Terminanfrage, heißt es aus dem Rathaus. Eine Sprecherin sagt aber: "Grundsätzlich ist ein Verkauf möglich." Seitens der GGZ heißt es, man werde sich erst dann näher damit beschäftigen, wenn eine konkrete Anfrage gestellt wird. "Uns ist nicht bekannt, dass es einen konkreten Kaufinteressenten gibt", sagt Sprecher Steven Simmon.

Überhaupt wäre ein Verkauf kompliziert. Das Stadion gehört der GGZ, die es 2016 für 18 Millionen Euro netto (21 Millionen Euro brutto) gebaut hat. Betrieben wird es von der Stadion-Betriebsgesellschaft (SBZ), die zu 75 Prozent der Stadt und zu 25 Prozent der Baufirma GP Papenburg gehört. Auch diese Firma müsste den Besitzer wechseln. An die SBZ überweist der FSV die Stadionmiete von derzeit rund 400.000 Euro im Jahr. Das deckt die Kosten hinten und vorne nicht. 2017 und wie die Stadt nun bekanntgegeben hat auch 2018 betrug der städtische Zuschuss die als Maximum festgelegte Summe von 867.000 Euro. Der Investor würde also eine Arena kaufen, die sich bisher nicht selbst trägt. Vielleicht aber spekuliert der Unbekannte auf höhere Mietzahlungen durch den FSV. Dafür bräuchte es vielleicht aber eine höhere Liga.

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