Keine Bewährung für jugendlichen Intensivtäter

Der Angeklagte konnte das Gericht nicht davon überzeugen, dass er sich künftig straffrei verhalten wird. Die Jugendgerichtshilfe scheiterte am neuen Datenschutzgesetz.

Zwickau.

Es bleibt dabei: Zwei Jahre und drei Monate muss ein 21 Jahre alter Mann aus einem Ort im Westen des Landkreises ins Gefängnis. Die Jugendkammer des Landgerichtes wies am Mittwoch die Berufung des Angeklagten zurück. Damit ist das Urteil des Amtsgerichtes vom März dieses Jahres gültig. Damals war der Mann gleich wegen einer ganzen Reihe von Straftaten verurteilt worden, die er zudem noch innerhalb weniger Monate begangen hatte. Unter anderem ließ er in Werdau und Umgebung gern seine Fäuste sprechen, bevorzugt schlug er damit anderen Personen ins Gesicht - und das nicht nur in einem Fall. Immer wieder fiel er durch Sachbeschädigungen auf. Auch mit Hausverboten konnte er nichts anfangen und tauchte trotz Verbotes immer wieder in Einkaufsmärkten auf und verließ diese auch nach Aufforderung nicht. Zwangsmaßnahmen setzte er sich massiv zur Wehr.

Die regelmäßig nach den verschiedenen Delikten herbeigerufenen Polizisten mochte er gar nicht. Das zeigte er auch, in dem er jedes Mal gegen deren Vorgehen heftigen körperlichen Widerstand leistete, nach ihnen schlug und die Beamten mit drastischen Worten beleidigte. Zuletzt war er mit der Polizei aneinandergeraten, nachdem er mit knapp 1,5 Promille Blutalkoholwert mit seinem Fahrrad Schlangenlinien gefahren war.


Seine Berufung verfolgte das Ziel, eine niedrigere Strafe zu bekommen, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Das ist bei einem Strafmaß bis maximal zwei Jahren möglich. Um seinem Ziel näherzukommen, hat er, wenn auch sehr kleinlaut, die Taten gestanden.

Dabei hatte es der Angeklagte in der Hand, dem Gericht nachzuweisen, dass er noch einmal eine Chance verdient hat. Doch die konnte er nicht nutzen. Zwar legte er einen Arbeitsvertrag vor, der jedoch erst seit drei Tagen gültig war und auf eine Zeitarbeitsfirma ausgestellt war. Die Jugendkammer wollte ihm aber nicht glauben, dass er wirklich gewillt ist, jeden Tag um 4 Uhr morgens aufzustehen und zur Arbeit zu fahren. Zumal er bisher noch nicht einmal die Arbeitsstunden vollständig geleistet hat, zu denen er bereits früher verurteilt worden war. Auch der Tatsache, dass er seit zehn Monaten keine Straftaten begangen hat, schenkten die Richter wenig Beachtung. "Die Wohlverhaltensphase ist zu kurz", sagte Richter Klaus Hartmann. Außerdem habe er seine Straftaten schon kurz nach einer Entlassung aus einer Suchtklinik und unter laufender Bewährung begangen. Wegen seiner Drogensucht hatte er dort eine Zeit verbracht, die eigentlich als Haft gedacht war. "Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben", sagte Hartmann. Zu seinen Lasten wurde auch ausgelegt, dass er für sein Alter über ein ansehnliches Vorstrafenregister verfügte, dass von Brandstiftung, Körperverletzung bis hin zu Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen reicht. "Alle bisherigen Verurteilungen haben sie nicht veranlasst, sich gesetzestreu zu verhalten", sagte Hartmann. Das Gericht konnte sich nicht vorstellen, das es jetzt anders sein sollte.

Selbst die Jugendgerichtshilfe, konnte ihm nicht helfen. Zumal das Gutachten der Mitarbeiterin unvollständig war. Zu seinem Drogen- oder Alkoholkonsum konnte sie keine Angaben machen. Grund ist die neue Datenschutzverordnung, wonach Informationen nur noch nach schriftlicher Einwilligung der Klienten eingeholt werden dürfen. Doch der Angeklagte war zum Termin gar nicht erst erschienen.

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