Kinderhort-Projekt ist umstritten

Die Planungen für den Abriss der Turnhalle an der Comeniusschule und den Neubau eines Schulhortes werden beauftragt. Doch es gibt Widerstand.

Wilkau-Haßlau.

Die Stadt Wilkau-Haßlau wird Planungen für den Neubau eines Kinderhortes mit 140 Plätzen beauftragen. Das entschied der Technische Ausschuss auf einer gemeinsamen Sitzung mit der Schulkonferenz der Comeniusschule, auf deren Gelände das Bauwerk entstehen soll. Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) betonte noch einmal die Notwendigkeit. Der Hort ist nach dem Auszug aus der Kindertagesstätte "Heinrich Dietel" in Klassenräumen des Schulgebäudes untergebracht, was zu Unmut bei Eltern, aber auch bei den Lehrern geführt hatte. "Daher favorisieren wir den Abriss der maroden Turnhalle und einen Neubau an dieser Stelle", sagte er.

Das trifft bei der Fraktion Die Linke/Grüne/Dorfclub sowie Einwohnern auf Unverständnis. Für einen Abriss sehen sie keine Notwendigkeit. Joachim Kowalle (Dorfclub) hat die Halle besichtigt und hält "die Substanz für nicht so schlecht". Ein Umbau zum Hort sei denkbar.

Für Diplom-Ingenieur Steffen Fugmann, der die ersten Ideen vorstellte, gibt es zum Abriss und Neubau keine Alternative. "Ein Umbau der Turnhalle in einen Hort ist nahezu unmöglich", sagte er. Zudem müsse das Gebäude erweitert werden um unter anderem die acht Gruppenräume, die Garderoben und die Spielflure darin unterbringen zu können. Dafür hält er die Substanz des DDR-Plattenbaus für ungeeignet. Auch Toni Rißmann (CDU) hält den Umbau für einen Schildbürgerstreich. "Es müssten auch Fenster eingebaut werden", sagte er. Danach bliebe von der Gebäudehülle so gut wie nichts übrig. Stefan Feustel machte klar, dass man das Vorhaben jetzt umsetzen müsse. "Derzeit stehen die Chancen für eine Förderung sehr gut", sagte er. Für die Sanierung der Sporthalle würde es hingegen keinen Cent geben.

Schulleiter Andreas Körnich sieht die Pläne mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Die Turnhalle ist derzeit unser einziger Gemeinschaftsraum", sagte er. Dafür, so Fugmann, bekomme er im Neubau einen 80 Quadratmeter großen Mehrzweckraum. Körnich hofft jetzt, dass man Lehrer und Schüler "nicht im Regen stehen lasse" und gemeinsam eine Lösung suche.

Diskutiert wurde auch über den künftigen Weg zum Sportunterricht in die Mozartstraße. 30 Sportstunden werden pro Woche abgehalten. Dietmar Kallweit (AfD) hatte einen Kompromissvorschlag in die Debatte eingebracht. Man könne auf das begrünte Dach, dass als Klassenzimmer im Freien gedacht ist, verzichten und darauf einen Sportraum einrichten. "Damit könnte zumindest einem Teil der Schüler der Weg erspart werden", sagte er. Zuvor war bereits darüber diskutiert worden, den geplanten Mehrzweckraum für den Sportunterricht zu nutzen. Stefan Feustel warnte jedoch davor, den Raum zu vergrößern und dort Sportgeräte aufstellen zu wollen. Das könne sich negativ auf die Fördermittel auswirken. Ute Gubick (Grüne) bemängelte, dass den Räten zum Zustand der alten Turnhalle weder ein Gutachten noch belastbare Zahlen vorlagen. Feustel lehnte es ab, ein drittes Gutachten, "das auch nichts anderes aussagen wird, als die beiden vorherigen", anfertigen zu lassen. Er sicherte zu, dass das Gutachten aus dem Jahr 2016 eingesehen werden kann. Der Sportlehrer der Schule betonte, dass die Halle baufällig sei. Einzelne Sportarten könnten bereits nicht mehr durchgeführt werden.

Matthias Metzing, der die Diskussion im Zuschauerraum erlebt hatte, kritisierte, dass keine Alternativen diskutiert worden. Er hatte vorgeschlagen, den Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Lidl-Marktes zu errichten. Eine Reaktion habe er bisher nicht erhalten.


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