Kirchberg sucht Springkraut-Zupfer

Die Stadt will Vereine bitten, bei der Säuberung der Bäche zu helfen. Dafür gibt es auch Geld. Räte und Vereine sind allerdings geteilter Meinung.

Kirchbergs Bäche - im Bild der Rödelbach - wuchern sogar mitten in der Stadt zu.
Dorothee Obst - Bürgermeisterin
Ungewollte Farbtupfer in den Bächen, die aber auch Bienen anlocken.

Von Uta Pasler

Eigentlich sind die Blüten wunderbare Farbtupfer für graue Innenstädte. Und Kinder lieben die Kapseln der Pflanzen, die beim Berühren aufspringen und Samen ausspucken, eh. Doch vermehrt sich das Kraut schneller, als es manchem lieb ist. Vielerorts sieht man vor lauter rosafarbenem Indischen Springkraut keinen Bach mehr. Die Kirchberger wollen das Problem im nächsten Jahr an der Wurzel packen.

In den Augen von Dorothee Obst, Bürgermeisterin von Kirchberg (Freie Wähler), ist es hohe Zeit, der sich rasant vermehrenden Pflanze mit System Einhalt zu gewähren. "Unsere Bäche verunkrauten." Auch die Landestalsperrenverwaltung kämpft an ihren Gewässern dagegen an. "Standorttypische Vegetation wird durch die rasche und großflächige Ausbreitung des Indischen Springkrauts immer mehr zurückgedrängt. Die faustgroßen Wurzelballen bieten dem Ufer keinen Erosionsschutz", erklärt Britta Andreas, Sprecherin der Landestalsperrenverwaltung Sachsens.

Obst zufolge soll es dafür neuerdings Geld vom Freistaat Sachsen geben. Die Rede ist von 400 Euro pro Kilometer. "Es ist zumindest ein Anfang", sagte die Bürgermeisterin, die den Ratsmitgliedern vorschlug, sich auf die Suche nach Bach-Paten zu machen. "Privatpersonen haben uns auch schon angesprochen. Und ein Verein hat bereits signalisiert, dass er sich das vorstellen könne", so Obst.

CDU-Stadtratsmitglied André Wutzler hält es durchaus für richtig, etwas zu unternehmen. "Ein guter Versuch", sagte er. Bei Frank Schmidt (Die Linke) hielt sich die Euphorie in Grenzen: "Das ist Aufgabe des Staates, die Aufwandsentschädigung angesichts der Million Euro, die für die Fischtreppe ausgegeben werden muss, ein Witz."

Obst schien selbst nicht sonderlich glücklich über die Höhe dieser Aufwandsentschädigung. Als Referenzwert für eine deutlich kürzere Strecke zwischen Lengenfelder und Bahnhofstraße musste die Stadt selbst 15.000 Euro ausgeben. Doch gelinge es nicht, Bürger dafür zu gewinnen, muss die Stadt im nächsten Jahr dafür Geld in den Haushalt einstellen.

Was sagen Kirchberger Vereine dazu? Roland Büttcher, Freie-Wähler-Stadtrat und Vorsitzender der Deutsch-Französischen Freundschaftsgesellschaft: "Eine Patenschaft wird schwierig. Aber ich würde mich bemühen, dabei zu helfen. Immerhin wohnen wir an den Gewässern, etwas muss getan werden."

Wolfgang Prehl, Vorsitzender der Kirchberger Natur- und Heimatfreunde: "Wir machen da nicht mit. Ich denke, wir machen schon genug für die Stadt. Jedes Jahr räumen wir den Müll von öffentlichen Straßen und bekommen nicht mal ein Dankeschön dafür."

Silvio Simon, Vorsitzender des Kirchberger Angelvereins Crinitztal, findet die Idee, die Bäche endlich zu säubern, durchaus lobenswert. "Aber das ist ureigene Aufgabe der Stadt, da kriege ich niemanden mobilisiert." (mit mpf)

2Kommentare
👍3👎0 BlackSheep 16.09.2018 In meinem Nachbargartengrundstück, nicht bewirtschaftet, wuchs das Zeug auch. Drei Jahre nacheinander das Zeug vor der Blüte mit der Sense umgehauen, hat geholfen.
👍1👎2 Tauchsieder 05.09.2018 Kleiner Tipp -Glyphosat- und eine "Wurzelbehandlung" ist garantiert.
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