Kleine Bahn weckt Begeisterung

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Denny Jaehn ist Zugführer bei der Friedrichsgrüner Parkeisenbahn.

Friedrichsgrün.

Eisenbahnfans teilen sich in der Regel in zwei Gruppen auf. Entweder, sie drücken sich stundenlang auf Bahnhöfen oder an Schienensträngen herum, nur um einen Blick auf ein besonderes Dampfross zu erhaschen, oder sie werkeln mit Akribie an ihrer heimischen Modelleisenbahn. Doch in keine dieser beiden Gruppen passt Denny Jaehn. Er nimmt vielmehr regelmäßig auf dem Führersitz einer kleinen Lok Platz und dreht damit seine Runden. Das macht er aber nicht nur zu seinem eigenen Vergnügen, sondern auch, um anderen Leuten eine Freude zu bereiten.

Jaehn (24) ist Leiter der fünfköpfigen Arbeitsgemeinschaft "Parkeisenbahn Friedrichsgrün". "Wir sind zwar nur eine kleine Truppe, dafür aber mit Leib und Seele bei der Sache. Wenn's darauf ankommt, schaut keiner von uns auf die Uhr", sagte Denny Jaehn. Er selbst ist seit zehn Jahren Parkeisenbahner. "Ich bin als Kind immer gerne mitgefahren. Irgendwann meinte mein Vater dann, eigentlich könnte ich ja auch bei der Bahn mitmachen. Das musste er mir nicht zweimal sagen." Die offenkundige Begeisterung, mit der er bis heute seinem Hobby nachgeht, teilt er mit den andern Parkeisenbahnern. Allen voran der 84-jährige Harald Beier. Er gehörte in den 1950er-Jahren zum Parkausschuss und war selbst mit von der Partie, als die Bahn gebaut wurde. "Es haben viele Leute mit angepackt. Ich kann mich entsinnen, dass sogar Rentner, die im Park zu einem Spaziergang unterwegs waren, schon mal spontan mit zur Schaufel gegriffen und geholfen haben. Ich bin der Parkeisenbahn über all die Jahre treu geblieben, weil es einfach eine ganz tolle Sache ist", sagte Harald Beier. Zugleich ließ er durchblicken, dass zu jener Zeit nicht alles, was für den Bau der Bahn nötig war, so leicht beschafft werden konnte. "Von der Gemeinde war damals nicht viel zu erwarten. Deshalb liefen viele Dinge über Beziehungen, also einfach über Leute, die man kannte und die uns auf die eine oder andere Art geholfen haben." Die Tatsache, dass die Friedrichsgrüner Parkeisenbahn noch immer ihre Runden um den Hasenhügel dreht, erfüllt Harald Beier mit Stolz. Es sind aber nicht nur Männer, die sich dem Erhalt der Bahn verschrieben haben. Auch Anja Meyer-Rehm (46) gehört seit vielen Jahren zum Team. "Ich bin mit der Parkeisenbahn aufgewachsen, viel damit gefahren und weiß, dass auch mein Vater damals am Bau der Anlage beteiligt war. Für mich war es immer ein Herzenswunsch, dass sie weiter in Betrieb bleibt. Das geht aber nur, wenn sich auch Leute dafür engagieren", sagte sie. Das Hauptbetätigungsfeld von Anja Meyer-Rehm ist zwar weniger die Arbeit an der Technik, wenn jedoch Not am Mann ist, packt auch sie mit an. Normalerweise sitzt sie an den Fahrtagen im Kassenhäuschen und kümmert sich um die ordnungsgemäße Abrechnung der Finanzen. Denn auch das gehört zu den Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft.

Reinsdorfs Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) hält sprichwörtlich "alle Zehne" auf seine Parkeisenbahner. "Es ist in meinen Augen keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass Leute ehrenamtlich ihre Wochenenden opfern, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Vor so viel Engagement muss man einfach den Hut ziehen", sagte der Rathauschef. Damit die Bahn weiterhin um den Hasenhügel kurven kann, haben die Gemeinde genauso wie viele Reinsdorfer in den zurückliegenden Jahren einiges an finanziellen Mitteln für notwendige Investitionen bereit gestellt. Erst in diesem Jahr wurden unter anderem die Gleise erneuert. Und: "Mit Unterstützung durch die Gemeinde wird 2020 der marode Lokschuppen durch einen Neubau ersetzt. In dem Gebäude werden wir dann endlich auch einen vernünftigen Werkstattbereich haben", sagte Jaehn. Vom neuen Lokschuppen profitieren auch die Fahrgäste der Parkeisenbahn. Nach Abschluss der Arbeiten werden sie durch einen 18 Meter langen Tunnel fahren, der so gestaltet wird, dass er an das Innere eines Bergwerkes erinnert.


130 Meter langer Rundkurs um den Hasenhügel

1959 wurde mit der damaligen Pioniereisenbahn im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes in vielen freiwilligen Stunden ein technisches Kleinod erschaffen, das auf einem 130 Meter langen Rundkurs um den Hasenhügel kurvt. Bei den Wagen der Erstausstattung handelte es sich zunächst um fünf umgebaute Schachthunte. Die erwiesen sich aber als untauglich, weil sie infolge des geringen Achsstandes sehr entgleisungsfreudig waren.

Ab 1992 wurden sie durch umgebaute Untertagepersonenwagen ersetzt. Im Interesse der Bequemlichkeit für die Passagiere hob man die Dächer um etwa 20 Zentimeter an und versah die Wagen mit Türen. Pro Tour können 36 Personen die Fahrt auf dem kleinen Rundkurs genießen. Der vierte Wagen ist als ein Stück Geschichte im Originalzustand erhalten geblieben. Gezogen werden die Waggons von einer Akkulok. Sie wurde von der SDAG Wismut untertage im Schacht 207 in Bad Schlema eingesetzt und sollte ursprünglich verschrottet werden. (awo)

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...