Kleine Fische für Europa

Peter Günnel hat sich auf die Zucht von Zierfischen spezialisiert. Seine Tiere sind europaweit begehrt. Doch reich werden kann der 46-Jährige davon nicht.

Wer der Zierfischzüchterei von Peter Günnel in Steinpleis einen Besuch abstatten will, der muss schon ganz schön suchen. Ein Hinweis- oder gar Firmenschild sucht man vergebens. Lediglich an einer der Klingeln am Haus am Ende des Steinwiesenweges steht auf einem kleinen Schild: Fischzucht. Dabei gibt es das Unternehmen an seinem jetzigen Standort schon einige Jahre. "Das Haus, in dem wir unseren Sitz haben, hat mein Vater 1994 gebaut. 2007 habe ich die Firma übernommen", sagt Peter Günnel.

Ursprünglich hatte der Steinpleiser mit der Zierfischzucht gar nicht so viel am Hut. Und das, obwohl bereits sein Großvater zu DDR-Zeiten die Zoologische Handlung in der Zwickauer Innenstadt leitete und sein Vater in der DDR Chef einer Produktionsgenossenschaft für Zierfischzucht gewesen ist. Für Peter Günnel, religiös erzogen, stand bereits in früher Jugend fest: Ich werde Pfarrer. "Weil ich politisch nicht sauber war, durfte ich kein Abitur machen und konnte folglich auch nicht studieren." Genau in die Zeit des Schulabschluss fiel die Wende. "Mein Vater hatte sich mit der Zierfischzucht selbstständig gemacht und angeboten, in der Firma mitzuarbeiten. Die Chance habe ich genutzt", blickt der 46-Jährige zurück. Bereut hat er das bis heute nicht, auch wenn Günnel keinen Berufsabschluss besitzt. "Zierfischzüchter ist kein Job, den man erlernen kann", sagt er.

Inzwischen hat er sich in der Branche einen Namen gemacht und auf die Zucht von einigen wenigen Sorten spezialisiert. "Wir haben mit rund 200 Becken angefangen, in denen wir die Fischzucht im Haus betrieben haben. Daraus wurden im Laufe der Jahre bis zu 1000 Becken mit jeweils zwischen 100 und 120Liter Wasser Fassungsvermögen. Heute haben wir die Zahl auf rund 500Becken reduziert und uns dazu einige Tanks zugelegt, die bis zu 4500 Liter fassen. Dadurch können wir wirtschaftlicher arbeiten", sagt der Experte.

Gezüchtet werden die Sorten, die bei Aquarianern und damit auch bei Händlern besonders gefragt sind. Neonsalmler zum Beispiel. Davon verlassen jährlich bis zu zwei Millionen Tiere den Zuchtbetrieb. Oder die Roten Neonsalmler. Davon werden pro Jahr rund 200.000 Exemplare gezüchtet. Beliefert werden neben deutschen Abnehmern hauptsächlich Großhändler in Frankreich und den Benelux-Ländern, die seine Tiere denen aus fernöstlichen Zuchtstationen vorziehen. "Auch in der Zierfischzucht gilt deutsche Ware als besonders beliebt. Hinzu kommen kurze Lieferwege", sagt Peter Günnel. Er bringt seine Tiere noch persönlich in Spezialverpackungen zu den Händlern. "Rund 70 Prozent unserer Tiere liefern wir selber aus", so der Experte. Dafür ist er im Jahr rund 100.000 Kilometer auf Achse.

Die Zucht verläuft nach einem exakten Plan. So werden beispielsweise die männlichen und weiblichen Neonsalmler, die getrennt voneinander in großen Becken leben, zum Laichen in einem kleinen Becken zusammengebracht. "Die legen dann pro Paar bis zu 100 Eier. Von den Larven eignet sich am Ende ein Viertel für den Verkauf." Die Jungtiere werden, getrennt nach Alter, in Becken großgezogen. Bis sie reif für den Verkauf sind, vergehen zwölf Wochen. Für den Züchter bedeutet das, in rollender Woche zu arbeiten. "Die müssen rund um die Uhr versorgt werden - und das an 365 Tagen im Jahr." Das macht PeterGünnel nicht allein. Dafür hater vier Angestellte, sodass auch jeder Beschäftigte seine freien Tage und die Wochenenden genießen kann.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...