Knatsch wegen neuer Kunst-Kommission

Ein Gremium soll künftig entscheiden, wie Kreatives in Neubauten integriert wird. Doch die Besetzung gefällt nicht jedem.

Zwickau.

Wann und wie wird Kunst für öffentliche Bauvorhaben finanziert? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Richtlinie, die der Zwickauer Stadtrat jetzt beschlossen hat. Bestandteil des Regelwerks ist auch die Festlegung, dass eine Kommission künftig darüber befinden soll, wer den Auftrag für ein entsprechendes Kunstwerk bekommt. Doch die Besetzung dieser Kommission sorgt für Diskussionen.

Die Bürgervertreter hatten dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, dass das Gremium aus dem Leiter des städtischen Kulturamtes Michael Löffler sowie aus Vertretern des planenden Architekturbüros und des Bauherren bestehen soll. Eingeladen werden sollen auch zwei Vertreter der Hochschul-Fakultät für Angewandte Kunst sowie Vertreter des Förderstudios für Malerei und Grafik vom Kunstverein Zwickau sowie vom Malzirkel Steinkohle.

Kenner der Zwickauer Kunstszene sind darüber irritiert. Denn: Bei der Besetzung der Kommission ist einer außen vor geblieben. Der dritte in Zwickau ansässige Kunstverein nämlich - die Freunde Aktueller Kunst. Kulturamtsleiter Michael Löffler sagte dazu: "Wir haben nur die vorgeschlagen, die was mit der aktiven Kunst zu tun haben." Die Freunde Aktueller Kunst täten sich hingegen fast nur durch Ausstellungen nicht lokaler Künstler hervor. "Deswegen haben wir die beiden kreativ tätigen Vereine angesprochen." Das wiederum ärgert Klaus Fischer, Vorsitzender der Freunde Aktueller Kunst. "Ich empfinde das als ein bewusstes Ausblenden von Kompetenz", sagte er dazu. Man dürfe das Niveau für Kunst am Bau nicht unterschätzen.

Auch einige Zwickauer Stadträte sind unzufrieden. Sie fürchten, dass vor allem die Mitglieder der Kunstvereine befangen sein könnten, wenn es darum geht, den Auftrag an eines ihrer Mitglieder zu vergeben. Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) versicherte, dass man solchen Interessenkonflikten gegebenenfalls aus dem Wege gehen würde. Für Stadtrat Jens Heinzig (SPD) war wichtig, dass bei der Vergabe von Aufträgen auch die künftigen Nutzer gefragt werden. Er erinnerte dabei an den Ärger, den es gab, als die Ikarus-Figur vor der Dittesschule in Pölbitz aufgestellt wurde. Einige Eltern hatten damals heftig protestiert. Das ging soweit, dass die Figur verschandelt wurde. Auch das, versprach Meyer, werde man beachten.

Schon jetzt ist klar, dass die Stadt für Kunstwerke keine Unsummen ausgeben wird. Die Ausgaben dafür sind auf 150.000 Euro pro Jahr beschränkt. Je kommunalen Bauvorhaben soll der ausgewählte Künstler nicht mehr als 2 Prozent dessen bekommen, was der gesamte Bau kostet. Vorgesehen ist zudem, die Auftragsvergaben entweder an einen offenen Wettbewerb zu knüpfen oder dazu vorher eine bestimmte Anzahl an Künstlern einzuladen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...