"Kommt Regen, kommen auch Pilze"

Experte Uwe Vogel über die Auswirkungen des heißen Sommers, braune Fliegenpilze und Schwamme, die Salz brauchen

Zwickau.

Uwe Vogel (53) aus Mülsen St. Micheln gehört zu den 25Pilzberatern im Kreis. Viola Martin hat mit ihm darüber gesprochen, ob es nach dem heißen und teilweise sehr trockenen Sommer schon Pilze gibt.

Freie Presse: An diesem Wochenende finden an der "Parkschänke" in Wildenfels und zum Herbstmarkt in Oberlungwitz Pilzausstellungen statt. Wo finden Sie denn derzeit Pilze für solche Schauen?

Uwe Vogel: Die Suche ist gar nicht so einfach. Selbst wir Pilzberater, die gute Pilzstellen kennen, brauchen viel Geduld und Zeit, weil es nach dem heißen und teilweise auch sehr trockenen Sommer nur wenige Exemplare in der Region gibt. Riesenboviste beispielsweise sind schon einige gefunden worden. Im Vogtland und Erzgebirge ist das anders. Da hat es in den vergangenen Wochen bereits eine gute Schwammeausbeute gegeben. Doch derzeit lässt das Pilzaufkommen auch dort schon wieder nach.

Ist das Pilzjahr also verloren?

Das würde ich nicht sagen. Pilze brauchen viel Wasser. Kommt Regen, kommen auch Pilze. Im Wald etwa 14 Tage nach intensiven Niederschlägen. Voriges Jahr haben wir nach Regen im Oktober noch Schwamme gefunden.

Eigentlich heißt es ja, Pilzkenner finden das ganze Jahr über welche.

Das stimmt. Im April und Mai haben wir die typischen Frühjahrspilze wie Morcheln und Lorcheln gefunden. Doch anschließend blieben die Pilze mit der Trockenheit weg.

Wenn es keine gibt, brauchen Sie die Sammler ja auch nicht zur Beratung.

Es kommen auf alle Fälle weniger Leute als in guten Pilzjahren. 2017 hatten wir im Landkreis 2600 Beratungen mit fast 6000 Bestimmungen. Ich habe dieses Jahr bisher zehn Beratungen durchgeführt. Im Mai habe ich eine giftige Gartenform des Schirmpilzes aus dem Sammelgut gefischt. Den roten Fliegenpilz kennen die meisten Leute, aber derzeit wachsen viele braune Fliegenpilze im Gebirge, die viel gefährlicher sind. Mancher verwechselt diese mit dem Perlpilz. Den Salzwiesenchampignon, der auch Dünenchampignon genannt wird, habe ich ebenfalls schon aussortiert. Er ist von der Küste hier eingewandert. Diese Pilze sind nicht giftig, aber ungenießbar. Sie riechen unangenehm. Und so schmecken sie auch. Diese Pilze gedeihen vor allem dort, wo im Winter Salz gestreut wird, also an Straßenrändern.

Im Landkreis gibt es 25 Pilzberater. Werden mehr gebraucht?

Es geht nicht unbedingt um die Anzahl, sondern darum, dass es möglichst in jedem Teil des Landkreises Ansprechpartner für Pilzsammler gibt. Während wir beispielsweise in Zwickau, Langenweißbach, Glauchau und Mülsen gut aufgestellt sind, brauchen wir in Kirchberg, Hartenstein und Wilkau-Haßlau noch dringend Berater. Interessenten können sich beispielsweise auf Pilzausstellungen bei uns melden. Sie erhalten eine theoretische und praktische Ausbildung, die etwa zwei Jahre dauert. Dann müssen sie eine Prüfung ablegen.


Diese Pilzberater im Landkreis Zwickau sind Ansprechpartner

Zwickau: Christoph Büchner,

Allendestraße 37, Ruf 0375 784727; Frank Fischer, Max-Planck-Straße 25, Ruf 0375 454804; Gerhard Schmidt, Joliot-Curie-Straße 27, Ruf 0375 579910: Christine Schubert,

Eulenweg 52, Ruf 0375 471496;

Siegfried Lindner, Crossener Kirchsteig 1, Ruf 0375 455881;

Eva Tüngler, Mozartstraße 7, Ruf

0375 8839760; Claudia Rudolph, OT Mosel, Bachweg 45a, Ruf 037604 38950.

Mülsen: Uwe Vogel, Waldsiedlung 29, OT St. Micheln, Ruf 037601 45427; Thomas Klemm, Schulstraße 44, OT Thurm, Ruf 0177 6341523;

Langenweißbach: Siegfried Liebold, Thomas-Müntzer-Straße 70, Ortsteil Weißbach, Ruf 037603 2296; Gerald Prause, An der alten Schäferei 37, Ortsteil Langenbach, Ruf 037603 3034; Janett Badstübner, Thomas-Müntzer-Straße 76, Ortsteil Weißbach, Ruf 037603 2299;

Limbach-Oberfrohna: Frank Dämmrich, Ingelheimer Straße 3, Ruf 03722 95752 und Katrin Redl, Rotdornstraße 44, OT Pleißa, Ruf 03722 409888.

Glauchau: Manfred Erber, Hufelandstraße 14, 03763 16075; Inge Kopale, Wettinerstraße 57, Ruf 03763 16945;

Achim Heimer, Straße des Friedens 64, Ortsteil Niederlungwitz, Ruf 03763 710290;

Fraureuth: Werner Krönert, Fritz-Heckert-Ring 18, Ruf 03761 85101;

Hohenstein-Ernstthal: Siegfried Spindler, Südstraße 43, Ruf 03723 413378; Werner Stolpe, Südstraße 5, Ruf 03723 414791;

Meerane: Josef Halumbirek, Oststraße 122, Ruf 03764 799047.

Crimmitschau: Sabine und Stefan Riedel, Uferstraße 3, Ruf 03762 45723;

Werdau: Frank Schuster, Perlquellenweg 4, Ortsteil Leubnitz-Forst, Ruf 03761 6135;

Neukichen/Pleiße: Rüdiger Rasche, Dänkritzer Straße 7, Ruf 03762 46168 und 0173 5878663;

(Quelle: Landratsamt Zwickau)

www.freiepresse.de/pilzberater

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