Korrekturen am Gewandhaus nötig

Die neuen Verantwortlichen auf der Baustelle haben eine ganze Reihe von Plänen über den Haufen geworfen. Als neuer Eröffnungstermin ist jetzt der 3. Oktober 2020 vorgesehen.

Zwickau.

Nach dem kurzen Rundgang über die Baustelle, als eigentlich alles gesagt ist, steckt sich Klaus Sorger eine selbstgedrehte Zigarette an und fängt fast an zu schwärmen. Es ist ja nicht nur irgendein Theater, sagt der neue Architekt für das Zwickauer Gewandhaus, es ist schließlich ein 500 Jahre altes Haus, das Geschichte atmet. Und das man jetzt nicht etwa nur als hübsches Baudenkmal erhält, sondern das man für einen modernen Theaterbetrieb nutzbar macht. "Viele haben mich am Anfang gefragt, ob ich schon bereue, dass ich die Aufgabe übernommen habe", sagt Sorger. Und schiebt hinterher: "Nee, überhaupt nicht. Bis heute nicht."

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit Sorger als neuer Chefplaner für den Umbau des Zwickauer Gewandhauses vorgestellt wurde. Seitdem hat er einiges umgekrempelt. Mehrere ursprüngliche Planungen haben sich verändert, manches wurde abgespeckt, anderes neu aufgenommen. Unter dem Strich blieben Mehrkosten von 5 Millionen Euro, die die Maßnahme auf 19,5 Millionen Euro kommen lassen - eine Summe, die in dieser Größenordnung bereits seit Oktober 2018 von der Stadtverwaltung kommuniziert wurde, die der Finanzausschuss aber erst noch bewilligen muss. Zudem gibt es einen neuen Eröffnungstermin. Das Gewandhaus soll nun doch nicht mehr wie bisher geplant zum Spielplanwechsel im Sommer 2020 eröffnet werden, sondern erst am 3.Oktober 2020. Der Probebetrieb soll schon im Mai möglich gemacht werden. Die fünf Monate dazwischen dienen als Pufferzone, um nicht noch einmal durch unvorhergesehene Umstände den Termin verschieben zu müssen.

Torsten Kleditzsch

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Die größten Korrekturen im Vergleich zu den ursprünglichen Umbauplänen betreffen den Theatersaal sowie den Eingangsbereich. Im Saal waren ursprünglich überhaupt keine größeren Maßnahmen geplant, er sollte erneuert und mit neuen Sitzen ausgestattet, aber ansonsten erhalten werden. Inzwischen steht der Saal im besonderen Fokus, sagte Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU). "Das wurde mit der technischen Leitung des Theaters abgestimmt." Konkret missfällt den Verantwortlichen die dortige Akustik. Sie haben einen Fachmann hinzugezogen und wollen dessen Empfehlungen umsetzen. "Wir haben das Problem, dass hier nicht nur Theater gespielt wird, sondern auch Musik und Ballett stattfinden", sagt Sorger. Jede Sparte benötige eigentlich eine andere Akustik. "Uns geht es vor allem darum, die Nachhallzeiten zu verändern." So sollen Nischen geschaffen oder wieder geöffnet werden, das Geländer im Parkett solle durchlässig werden, um keine Schallabschottungen zu produzieren, und der bisher bis unter das Dach offene Raum soll geschlossen werden, um den Schall nicht nach oben entweichen zu lassen. Das Ziel ist ein besseres Klangerlebnis. Auch sind laut Sorger kleinere Anpassungen nötig, beispielsweise das Umdrehen des Deckensegels über der Vorbühne. "Das hing bisher einfach verkehrt herum und hat den Schall auf die Bühne anstatt in den Zuschauerraum geleitet", sagt Sorger.

Diese Maßnahmen kosten Geld, das anderswo eingespart wird, beispielsweise bei der Beschaffenheit von Räumen im hinteren Gebäudebereich. Außerdem hat Sorger eines der prägendsten Vorhaben seines geschassten Vorgängers zu den Akten gelegt, nämlich die vier Meter breite Freitreppe, die Besucher vom Foyer in den ersten Stock zum Eingang des Theatersaals bringen sollte. Aus Sicht des Brandschutzes sei die Treppe Unsinn gewesen, bei einem Feuer würden durch die offene Konstruktion beide Stockwerke hoffnungslos verrußt werden. Der neue Plan sieht eine Treppe an fast derselben Stelle vor, durch die man erst durch eine Tür gelangt. Das spare Kosten und erfülle Brandschutzauflagen. Bei Vorführungen könne die Tür ja offen stehen. Neben diesen größeren Anpassungen sind auch eine Reihe kleinerer Vorhaben abgeändert worden. "Zum Teil waren das einfach Fehlplanungen", sagt Sorger. Probleme mit der Bausubstanz sorgen zudem laut Statiker Frank Firmbach immer wieder für Unwägbarkeiten.

Der Gewandhaus-Umbau hatte Ende 2016 begonnen. Nach Bauchaos 2017 mussten der frühere Architekt sowie der Hochbauamtsleiter der Stadt ihren Hut nehmen.


Stand des Baufortschritts

Rohbau: 75 Prozent abgeschlossen. Dazu gehören die Geschossdecken.

Zimmerer: 50 Prozent. Die Dachbalken auf der Westseite sind fertig.

Dachdecker: 15 Prozent. Langsam, aber qualitativ hochwertig, lautet das Urteil der Planer.

Fassade: 65 Prozent. Oberputz und Farbe fehlen noch.

Fenster: 45 Prozent. Der Einbau erfolgt schrittweise.

Kosten: 34 Prozent. 6,7 von 19,5 Millionen Euro sind bisher bezahlt. (ael)

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