Kreis kommt bei Radwegen nicht in die Gänge

In der Region ist das Thema Radfahren ein Stiefkind. Ein Konzept soll das ändern, aber das kennt kaum jemand.

Glauchau.

Drama und Science Fiction - am Samstagmittag standen beide Genres im Glauchauer Clubkino auf dem Programm. Es war allerdings kein Film, der gezeigt wurde, sondern eine Podiumsdiskussion zum Radverkehr im Landkreis, zu der Grünen-Landtagsmitglied Katja Meier eingeladen hatte.

Für den Drama-Part war zunächst Tim Tröger verantwortlich. Tröger ist Planer des aktuellen Radverkehrskonzeptes des Landkreises und stellte dieses grob vor - einschließlich ernüchternder Fakten: Nur vier Prozent aller Verkehrsteilnehmer im Kreis nutzen das Fahrrad, gerade einmal 7,5 Kilometer Radwegstrecke sind seit 2014 errichtet worden, ein erheblicher Teil der knapp 629 Radwegkilometer sind in keinem guten Zustand, die bundesweite Entwicklung weg vom motorisierten Verkehr ist in der Region nicht zu spüren. Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es also reichlich.


Davon stellte Tröger einige vor - sozusagen der Science-Fiction-Teil seiner Präsentation. Ein Rat des Planers: "Setzen Sie auf Leuchtturmprojekte". Gemeint sind Strecken wie der Mulde- und der Pleißeradweg sowie die Sächsische Städteroute. Auch bei den Verbindungen der größeren Städte (siehe Grafik) herrscht im Kreis viel Nachholbedarf. Eine grobe Kostenschätzung aller Straßenbaumaßnahmen beläuft sich auf 31,5 Millionen Euro. Einige Pläne wären ohne große Kosten umsetzbar: Rastplätze, Reparaturstellen, Ladestationen für E-Bikes.

Das alles und noch mehr steht detailliert im Radverkehrskonzept, das vom Kreistag im März beschlossen wurde. Nur: Es kennt kaum jemand. Bis heute ist das Dokument nicht auf der Webseite des Landkreises abrufbar. "Das Konzept wird demnächst veröffentlicht", versprach Elke Leistner, die als zuständige Sachgebietsbearbeiterin des Landratsamtes an der Diskussion teilnahm.

Von den 31,5 Millionen Euro, die das Konzept vorsieht, müssten der Kreis und die Kommunen nicht alles alleine zahlen. "Der Freistaat stellt zwei Fördertöpfe für Radverkehr zur Verfügung", sagte Katja Meier. "Darunter 8 Millionen Euro pro Jahr für Kommunen. Aber auf einen Großteil davon greifen die Kommunen gar nicht zurück." Es bleibe einfach liegen oder fließe in den Bau von Straßen, also den motorisierten Verkehr. Kreistagsmitlied Gerhard Sonntag (Grüne) kritisierte, dass das Thema Radwege auf der Tagesordnung zu weit hinten stehe. "Es scheitert nicht am Geld, sondern an Planung und Engagement", so Sonntag. Dass selbst das nicht immer reicht, machte Carsten Michaelis, erster Beigeordneter des Landrates, deutlich: "Oft kommen Förderbescheide des Landes erst im Mai oder Juni, wenn man kaum noch ein Planungsbüro und eine Baufirma für die Umsetzung im laufenden Haushaltsjahr findet." Es blieb die Hoffnung auf Besserung und eine aktivere Lobby für Radfahrer.

Das Radverkehrskonzept ist abrufbar unterwww.gruene-zwickau.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...