Kreisel: Für Radler wird's gefährlicher

Am Ende der Ortsumgehung für Zwickau und Mülsen entsteht zurzeit ein Kreisverkehr. Für die Integration eines Radwegs sieht der Bauherr im Gegensatz zum ADFC und den Kommunen jedoch keinen Bedarf.

Zwickau/Mülsen.

Während sich Autofahrer darüber freuen, dass endlich am Ende der Ortsumgehung für Zwickau und Mülsen in Höhe der Anschlussstelle Crossen der B 93 ein Kreisverkehr entsteht, der ihre Sicherheit erhöht, sind Radfahrer, Jogger und andere Fußgänger sauer. Denn ein begleitender Rad- und Fußweg wird nicht mit gebaut. Schlimmer noch: Der Wirtschaftsweg, der neben der Straße Zum Graurock entlangführt und gern von Freizeitsportlern genutzt wird, um nicht die gefährliche Straße passieren zu müssen, ist um etwa 200 Meter verkürzt worden.

Der Bauherr, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, teilt auf Anfrage mit, dass während der Planung des Kreisels geprüft worden sei, ob ein Radweg nötig ist. "Es wurde kein Bedarf gesehen", sagt Behördensprecherin Isabel Siebert.

Ulrich Skaruppe von der Zwickauer Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) kann über diese Aussage nur den Kopf schütteln. Aus Sicht des ADFC seien gleich aus mehreren Gründen zwingend separate Verkehrsanlagen für Radler beim Kreiselbau erforderlich. Die als Ortsumfahrung gebaute Staatsstraße werde nicht nur stark, sondern auch schnell befahren. Der Lkw-Anteil sei hoch. In den nächsten Jahren werde mit einer weiteren Zunahme gerechnet.

Völlig unverständlich ist für Ulrich Skaruppe, dass der begleitende Wirtschaftsweg der Straße Zum Graurock ein ganzes Stück zurückgebaut worden ist und jetzt etwa 200 Meter vor dem Kreisverkehr endet. "Fußgänger und Radfahrer sind so gezwungen, auf die Straße mit den schnellen Lastern und Autos zu wechseln", kritisiert Skaruppe. Er berichtet, dass der Weg eine Hauptroute des Radverkehrs ist. Er habe eine große Bedeutung für den Freizeitradverkehr.

Der ADFC begrüßt deswegen die Stellungnahmen von Zwickau, Mülsen und dem Landkreis Zwickau, die innerhalb des Planungsverfahrens deutlich auf die Notwendigkeit von straßenbeggleitenden Radverkehrsanlagen hingewiesen haben. Stadtsprecher Matthias Merz informiert, dass Zwickau im Mai und im November 2015 das Landesamt darauf hingewiesen habe, dass die Belange der Radfahrer bei der Planung des Kreisels nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Aus den Planungsunterlagen gehe hervor, dass man damit rechnet, dass sowohl der Verkehr auf der Straße Zum Graurock noch spürbar zunimmt. Es steige also der Bedarf eines Fuß- und Radweges. Merz zitiert aus dem bundesweit gültigen Regelwerk der Radverkehrsplanung: "Ist eine Radverkehrsanlage erforderlich, so steigt die Notwendigkeit ihrer Realisierung unter anderem mit der Verkehrsstärke des Kraftverkehrs, des Schwerverkehrs, des Radverkehrs und der Bedeutung der Radverkehrsverbindung im Freizeitverkehr."

Der Mülsener Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) sagt, dass die Gemeinde in fünf unterschiedlichen Stellungnahmen zwischen Mai 2014 und November 2015 auf die Notwendigkeit eines Rad- und Gehweges um den Kreisverkehr hingewiesen habe. Das sei auch mit der weiterführenden Wegeverbindung in Richtung Mulderadweg über die bestehende ehemalige Wismutstraße begründet. "Wir hatten uns für den Kreisverkehr immer vorgestellt, dass der bestehende Wirtschaftsweg als Rad- und Gehweg um den Kreisverkehr herumgeführt wird, ähnlich wie dies am Lengenfelder Kreisverkehr - Kreuzung Plohn/Rodewisch/Lengenfeld/Zwickau - geschehen ist", sagt er. Selbst nach Baubeginn habe die Gemeinde noch einen Versuch gestartet, eine einfache Lösung für den Radweg zu realisieren. Allerdings ohne Erfolg.

Aus Sicht des ADFC Zwickau gibt es nur eine Möglichkeit, die berechtigten Interessen der Fußgänger und Radfahrer nach mehr Sicherheit zu berücksichtigen: "Das ist der nachträgliche Anbau eines Geh- und Radweges bis zum Ortseingang Crossen", sagt Skaruppe. "Da die Eigentümer der dafür benötigten Flächen diese vermutlich nicht freiwillig verkaufen werden, wird ein erneutes Planfeststellungsverfahren unvermeidlich sein."

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