Kreisverkehr ist aus dem Rennen

Die Max-Pechstein-Straße soll vom Verkehr entlastet werden. Die ganz große Lösung dafür wurde allerdings schnell wieder in der Schublade versenkt.

Zwickau.

Das Problem ist altbekannt: Auf der Max-Pechstein-Straße in Zwickau sind zu viele Fahrzeuge in Richtung Dr.-Friedrichs-Ring sowie der Gegenrichtung zur Leipziger Straße unterwegs. Das nervt nicht nur die Anwohner, sondern führt regelmäßig zu Staus.

Zur Entlastung wurden Anfang des Jahres in einem ersten Schritt die Verkehrsführung geändert und das Linksabbiegen von der Leipziger Straße in die schmale Max-Pechstein-Straße untersagt. Der Verkehr wird nunmehr über die Moritzstraße geleitet.

Das allerdings ist nur eine Teillösung zur dauerhaften Entlastung der Max-Pechstein-Straße. Spätestens 2020 soll die Kreuzung Leipziger Straße/Kolpingstraße so umgestaltet werden, dass dort aus Richtung Pölbitz links abgebogen werden kann und die Autosdann über die Kolpingstraße und Talstraße (B93) den Stadtring erreichen. Das setzt jedoch zahlreiche Veränderungen an dem Knotenpunkt voraus - sowohl bautechnisch als auch in Sachen Verkehrsführung.

Die ganz große Lösung, der Bau eines Kreisverkehrs, wurde schnell wieder in der Schublade versenkt. Sie kam offenbar nicht einmal in die engere Auswahl. Zum einen fehlt für einen großen Kreisel der Platz und zum anderen ist er für die Stadtkasse zu teuer. Außerdem ist da noch die Straßenbahn, die vorfahrtsberechtigt mitten durch den Kreisverkehr fahren würde. Fachleute sehen darin eine erhöhte Unfallgefahr. Die bevorzugte Variante, die aus der Studie zur "Untersuchung der Verkehrsverhältnisse in Zwickau Nordvorstadt und Mitte-Nord" hervorging, ist die Schaffung zusätzlicher Fahrspuren und eine veränderte Ampelschaltung. Sie entstand nach Simulationen der Verkehrsströme.

Aus Richtung Pölbitz soll künftig in jede Richtung eine separate Fahrspur zur Verfügung stehen. Für Rechtsabbieger müsste dann auf dem Grünstreifen entlang der Moritzkirche ein zusätzlicher Fahrstreifen geschaffen werden. Geradeausfahrer hätten dann die Mittelspur für sich allein. Linksabbieger müssten sich ihre Spur mit den Gleisen der Straßenbahn teilen. "Die Bevorrechtigung der Straßenbahn bleibt dabei erhalten", sagte Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses. Praktisch jedoch wird es bleiben wie bisher. Die Bahn muss sich hinter den Fahrzeugen anstellen - nur dass diese jetzt noch geradeaus fahren.

Mit der neuen Verkehrsführung über die Kolpingstraße in Richtung Talstraße würden geschätzt 1600Autos zusätzlich auf der Strecke fahren, wie der Leiter des Tiefbauamtes, Thomas Pühn, bereits im Jahr 2015 im Bauausschuss erklärt hatte. Die B93 könnte den Verkehr ohne Probleme aufnehmen. Dazu allerdings müsste die Einmündung der Kolpingstraße auf die Talstraße zumindest teilweise umgebaut werden. Eine zusätzliche Spur für Rechtsabbieger soll verhindern, dass sich der Verkehr dort staut.

Zunächst steht aber die Kreuzung Leipziger Straße/Kolpingstraße im Mittelpunkt. Für den Haushalt 2019 hat das Tiefbauamt einen Bedarf in Höhe von 187.000 Euro für die erforderlichen Planungen angemeldet. Wenn Fördermittel zur Verfügung stehen, könnte der Umbau in den Jahren 2019/2020 erfolgen. Nach der Fertigstellung soll dann die Einmündung Kolpingstraße in die Talstraße (B93) angepasst werden.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    branderweg
    24.08.2018

    Der Artikel macht erneut sichtbar: bei der Verkehrsgestaltung geht es nahezu ausschließlich um die Belange der Autofahrer. Es wird über Autospuren, Ampelschaltungen, Abfließen des Verkehrs gesprochen - wo bleiben Argumente zu Aufenthaltsqualität, Fußgängerquerungen, Tram-Priorisierung etc.? Die Leipziger Straße hat doch endlich einen Wechsel von einer Durchgangsstraße zu einer urbanen Straße verdient, weil hier das größte Potenzial liegt, diese Zwickau prägende Achse angemessen zu gestalten: Qualifizierung der Plätze (Moritzkirche!), Alleeausbildung (Begrünung, Verschattung, Staubbindung...), Barrierefreiheit der Tram-Haltestellen etc. Das kann nur ein vorgezogenes Gesamtkonzept für die Nordvorstadt liefern, welches auch die Verkehrsbelange berücksichtigt, aber nicht primär die Probleme des Autoverkehrs "lösen will. Hilfreich für die Beantwortung der vielen Fragen zu Stadt- und Verkehrsplanung, die die Stadt Zwickau in den kommenden Jahren zu beantworten hat, ist es, sich in die Perspektive des Fußgängers oder Radfahrers zu begeben, dann werden ganz andere Probleme sichtbar, die aktuell in der Debatte verloren gehen, andernorts zum 1mal1 der Kommunalpolitik gehören. Bitte Perspektivwechsel.



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