Künstler machen Lust auf neue Arbeitswelt

Das zweite Wandbild auf dem Gelände der Firma MSB lässt erahnen, wie Mensch und Roboter die Zukunft bestimmen.

Zwickau.

Diese Vernissage fiel aus dem Rahmen: Denn vom Inneren der Werkhalle aus hatten die Gäste und Mitarbeiter der Firma MSB Metall- und Stahlsystembau am Mittwochnachmittag die seltene Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen das Kunstobjekt auf sich wirken zu lassen. Das zweite große Wandbild am Turm des Martin-Hoop-Schachts IV a, der sich in Besitz der Firma MSB befindet, trägt den Titel "Echo der Zukunft" und setzt sich mit der "Industrie 4.0" auseinander - also mit der fortschreitenden Digitalisierung der industriellen Produktion.

"Die Künstler haben das Spannungsfeld Mensch und Technik verarbeitet, das angesichts des Internets der Dinge und des Einsatzes künstlicher Intelligenz weiter an Aktualität gewinnt", erklärte Projektleiter Thomas Dietze, der bei diesem Vorhaben nicht nur mit den Künstlern Marcel Baer und Andreas Glauch eng zusammenarbeitete. Auch Ideen und Vorschläge von MSB-Geschäftsführer Jürgen Zampieri fanden Gehör. Er und der Landkreis Zwickau hatten im Mai nach Künstlern gesucht, die der Nordost-Fassade des mehr als 50 Jahre alten Stahlbeton-Riesen ein neues Gesicht geben. Oder besser gesagt ein weiteres. Denn schon 2018 gestaltete Christoph "Flamat" Steyer die Südwest-Fassade mit einem großen Wandbild: ein Förderturm in einer Zechenlandschaft. Darunter erstrecken sich die verschiedenen Erdschichten und Kohleflöze. Sollten erneut Zuschüsse zu erwarten sein, könnte sich Firmenchef Zampieri sehr gut vorstellen, auch die übrigen Fassaden des 60 Meter hohen Turms in Kunstwerke zu verwandeln. "Ich stehe dem Ganzen sehr offen gegenüber", sagte der 62-Jährige. So hatten sich beim Motiv "Echo der Zukunft" der Landkreis, der Kulturraum Vogtland-Zwickau und das Unternehmen MSB die Kosten geteilt.

"Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden", erklärte Andreas Glauch, der mit Marcel Baer das Künstler-Duo "Doppeldenk" bildet. Bevor die beiden loslegen konnten, mussten sie ihre Idee am Computer erarbeiten. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Denn ihr Entwurf überzeugte die Jury: Anders als die erste, vergangenheitsbezogene Fassade greift das jetzige Bild das Zusammenspiel von Mensch und Roboter auf. So zeichnen die Leiterbahnen einer Platine den Kreis des Lebens nach, verbinden Symbole aus Technik und Natur. In der Mitte ein Baum - Zeichen für Erkenntnis, Wachstum und Ertrag. "Die darüber angeordneten Gesichter, mit organischen und technoiden Zügen, berühren sich", so Baer, der aus der Region stammt. "Mein Opa hat hier sogar gearbeitet", fügte der 45-Jährige an. Der Schachtturm sei nun ein Geheimtipp für Freunde der Kunst an Industriebauten, sagte Projektmanager Dietze.

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