Kulturgut

Wo es diesen Monat in Zwickau geklatscht hat- oder auch nicht

Wissen Sie, liebe Leser, was eine "Russische Schaukel" ist? Möglicherweise wissen Sie, dass es eine Bezeichnung für ein Riesenrad ist. Ich wusste das bis vor kurzem nicht - bis mich Marco Walz, Sprecher des Zwickauer Schaustellerverbandes aufgeklärt hat. Dabei komme ich ursprünglich aus Russland. Dort heißt ein Riesenrad aber: umgangssprachlich "Teufelsrad" und offiziell "Umschau-Rad". Deswegen kommt mir die "Russische Schaukel" genauso spanisch vor wie das "Russisch Brot", das kein Mensch in Russland kennt, und die "Russischen Eier" - eine deutsche Vorspeise aus hartgekochten, halbierten Eiern, auf die ein Klecks von unechtem Kaviar kommt. Obwohl da ist wenigstens eine Zutat, die zwar ähnlich wie Kaviar aussieht, auch wenn sie nicht annähernd so gut wie echter Kaviar schmeckt, den die Russen lieben. Sie lieben auch ihre "Teufelsräder", auf denen man auf schönste Weise Runden drehen kann und dazu die Welt von oben betrachten - ganz romantisch zu zweit oder mit der ganzen "Bagage" , soweit vorhanden ist.

Diese Möglichkeit haben wir Zwickauer mit dem morgigen Beginn des Herbstvolksfestes auf dem Platz der Freundschaft sogar in doppelter Hinsicht: auf dem Riesenrad und der ... "Russischen Schaukel"! Das sind nur zwei von vielen Fahrgeschäften und Attraktionen, die seit voriger Woche emsig aufgebaut wurden, heute Nachmittag bei einem Presserundgang ab 17 Uhr präsentiert und ab morgen 17 Tage lang manche Herzen höher schlagen lassen werden. Und das ist lange noch nicht alles, denn der Zwickauer Schaustellerverband bringt neben den zahlreichen Aktionen auch gute Musik auf den Festplatz. Die Älteren unter uns werden sich bestimmt auf ein Wiedersehen mit Dagmar Frederic freuen, die Jüngsten auf das Disney-Musik-Feuerwerk und die Jungen auf das Discoinferno-Musikfeuerwerk. Da wird es zumindest bei Dagmar Frederic reichlich Applaus geben. Dennoch ärgern sich Marco Walz uns seine Schwester Silke Walz schwarz, die größte Schwingschaukel der Welt trotz vorheriger Zusage doch nicht auf den heimischen Rummelplatz bekommen zu haben. Dabei geht es den beiden nicht ums "immer schneller und immer höher", sondern darum, dass die Zwickauer sich immer mehr mit ihrem Volksfest identifizieren und stolz darauf sind. Denn die beiden Geschwister sind richtige "Rummelkinder" und Schausteller - mit Leib und Seele, in vierter Generation. Silke Walz wurde wie ihr Vater Peter in einem Wohnwagen geboren, und ist seit über 30 Jahren im Gastronomiebereich bei den Volksfesten tätig. Die Volksfeste, mit charakteristischer Belustigung und Unterhaltung, gibt es "verbriefter Weise" seit über 1000 Jahren. "Sie werden von einer Generation an die nächste Generation, zur Freude des Volkes weitergegeben, deshalb sind Volksfeste ein Teil unseres Kulturgutes. Sie sind als immaterielles Kulturerbe zu bezeichnen, welche sich durch ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihrer nahen Zukunft auszeichnen", schreibt Schaustellerin mit Doktor-"Hut", Kunsthistorikerin Dr. Margit Ramus. Wir Zwickauer freuen uns, in unserer Stadt seit 112 Jahren eine Schaustellerfamilie zu haben, die diese Tradition in vierter Generation mit so viel Herzblut weiter führt.

Kulturbürger des Monats September sind die Geschwister Silke und Marco Walz vom Zwickauer Schaustellerverband.

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