Kunst ist nie nur da

Die Kulturkolumne von Gastautor Klaus Fischer

Was ist jetzt Kunst und Kunst am Bau und was, bitteschön, Kunst im öffentlichen Raum? Sei es ein (Neu)Bau oder ein Platz, es bleibt dabei, nicht so gute Kunst schmückt, und gute Kunst wertet auf. Wer darf warum bei kommunalen Bauten befinden, welche Kunst dort appliziert wird? Die private Datscha kann selbstredend jeder aufhübschen, wie er mag, weil: My Home is my Castle. Und was dem einen gefällt, da mag es den anderen schaudern.

Nun, es gibt ein paar Regeln, an die sich auch Städte wie Zwickau, Berlin oder Doberlug-Kirchhain halten sollten. Ein Prozent der Bausumme ist die magische Zahl für Kunst. Und Fachleute sollten entscheiden, was der Bewohner und Gast zu sehen bekommt. Seien wir mal ehrlich, die berühmteste Kunst in Zwickau hängt noch immer im Museumsbau. Kunst für draußen hat zumeist einen objekthaften Charakter. Kommt dabei gute Kunst zum Einsatz, dann ist sie ein klarer Imagefaktor für ein Gebäude, einen Platz oder eine Straße und sollte unbedingt die Umgebung künst- lerisch reflektieren.

Öffentlichen Kunstwerken ließe sich in einer Zwickauer Kunsterwanderung leicht auf die Spur kommen: Von den beiden Zwickauer Künstlern Jo Harbort und Bodo Korsig haben zwei Banken riesige und markante Skulpturen aufstellen lassen. Vorm Mütterzentrum weht eine filigrane Kunststoffmütze des Hamburger Künstlers Rupprecht Matthies. Zeitig erkannt hat die Hypo-Vereinsbank das Potenzial der gebürtigen Zwickauerin Rosa Loy, im Foyer hängen drei ihrer frühen Bilder. Ebenfalls in einem Foyer (Heinrich-Braun-Klinikum) sind Bilder von Mario Urlaß zu bestaunen - auch er kam einst hier zur Welt. Ein riesiges Zwickau-Panorama in der Pestalozzischule hat sich Heinrich Schulze ausgedacht. Tassos Outdoor-Cinemascope-Grafitti-Malerei in der Peter-Breuer-Straße ist der Hingucker schlechthin. Nicht weit davon behauptet sich eine dezente grüne Lichtwand von Ruprecht Dreher seit 20 Jahren inmitten der Hochschulbibliothek. In der Stadtbibliothek finden sich feinsinnige Farbverläufe in einer Deckeninstallation von Regina Franke. Und ganz aktuell: Der 38-jährige Leipziger Thomas Dietzsche (Flamat) beginnt am 3. September mit der Bemalung des größten Zwickauer Kunst-am Bau-Projekts - der Turm des Martin-Hoop-Schachts IVa wird zur Kunst.

Kunst am Bau muss nicht spektakulär sein, sie sollte vielmehr mit "ihrem Ort" eine ästhetische und funktionale Synthese eingehen, dabei stets die eigene Autonomie sichtbar halten. Es entsteht eine Win-Win-Situation. Für mich das schönste Kunstwerk in Zwickau, das man ohne Eintrittsgeld sehen kann, ist auf der Rückseite der Stadtbibliothek in deren Basteianbau integriert. Ein spektraler Halbkreis von farbigen Glasplatten, die an ein Regal mit (Suhrkamp-Taschen-)Büchern denken lassen. Minimalistisch eindrucksvoll, abstrakt und poetisch, zurückhaltend und zugleich präsent. Ein Regenbogen ... Für mich optimal gelungene Kunst am Bau im öffentlichen Raum von Ines Bruhn, langjährige Professorin in Schneeberg und weit gereiste Künstlerin. Bestaunen Sie die Bibliothek. Auch von außen ...

Kulturbürgerin im August ist Ines Bruhn, die Kunst und Literatur an der Zwickauer Stadtbibliothek farbig zusammenbringt.

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