Landwirt, Gastwirt, Bürgermeister

Wolfgang Becher saß von 1994 bis 2013 durchgängig auf dem Chefsessel des Kirchberger Rathauses. Am heutigen Freitag feiert der Altbürgermeister seinen 75. Geburtstag.

Kirchberg.

Auch an seinem heutigen 75. Geburtstag wird Kirchbergs Altbürgermeister Wolfgang Becher nicht von seinem gewohnten Tagesablauf abweichen und gegen fünf Uhr aufstehen. "Das steckt eben so drin. Wahrscheinlich hängt das auch damit zusammen, dass ich vor dem Eintritt in die Kommunalpolitik viele Jahre lang in der Landwirtschaft tätig war. Dort beginnt der Tag nun mal frühzeitig - und geht entsprechend lang", sagt der Jubilar.

Der gebürtige Saupersdorfer hat nach seiner Schulzeit zunächst eine Lehre zum Landwirt absolviert. Daran anschließend studierte er an der Landwirtschaftsfachschule Zwickau und später an der Hochschule für Landwirtschaft in Meißen. Sein danach von den Parteifunktionären geplanter Einsatz als "Apparatschik" scheiterte insbesondere an der vorhandenen Westverwandtschaft. "Wäre es nach dem Willen der Genossen gegangen, hätte ich diese Kontakte sofort und unwiderruflich abbrechen müssen. Als ich denen sagte, das würde die Scheidung von meiner Frau zu Folge haben und für mich überhaupt nicht in Frage kommen, schickte man mich zurück in die Praxis. Mir war das recht", so Wolfgang Becher. 1988 entsann man sich erneut seiner. Inzwischen LPG-Vorsitzender, sollte er als Bürgermeister ins Kirchberger Rathaus wechseln. "Mich hat diese Aufgabe gereizt. Vielleicht auch deshalb, weil die Gesamtsituation der Stadt nicht gerade berauschend war. Ich wollte etwas bewegen. Zugute kam mir, dass ich von hier war, über gute Beziehungen verfügte und die Sprache der Leute auf der Straße redete."

Viel Zeit blieb ihm als Bürgermeister zunächst nicht. Die Wende kam dazwischen. Normalerweise kein Hindernis. "Bei den ersten freien Ratswahlen erhielt ich die meisten Stimmen. Seitens der CDU-Fraktion im Kommunalparlament wurde damals die Meinung vertreten, ich hätte meine Sache nicht ganz schlecht gemacht und sollte eigentlich vom Rat als Bürgermeister bestätigt werden. Das aber ging wohl den damaligen CDU-Chefs im Kreis gegen den Strich, die lieber einen ihrer Parteifreunde auf dem Posten sehen wollten." So kam es auch. Wolfgang Becher musste seinen Hut nehmen, war kurzzeitig arbeitslos und schlüpfte für einige Zeit in die Rolle eines Gastwirtes.

Das Comeback folgte 1994, als er sich für die Freien Wähler um das höchste Amt in der Stadt bewarb. 2013 hängte er altersbedingt die Amtskette an den sprichwörtlichen Nagel. "Ich war gerne Bürgermeister und würde mich unter den damaligen Bedingungen auch wieder für diesen Weg entscheiden. Unter den heutige Verhältnissen wohl eher nicht." Langeweile ist dem Altbürgermeister fremd. "Ich bin nicht der Typ des absoluten Ruheständlers, sondern gehöre mehreren Vereinen an und bin im Moment auch noch Vorsitzender des Bildungswerkes der Freien Wähler in Sachsen. Und dann kommen immer wieder Leute auf mich zu, die fragen: ,Kannst du nicht mal für uns....?'" Meist kann Becher. Aber er nimmt sich auch viel Zeit für seine drei Enkel und das erste Urenkelkind. Außerdem kocht er für sein Leben gern. Und das nicht nur Wasser oder Tütensuppen. "Es geht doch nichts über einen schönen Kaninchenbraten mit selbst gemachten Nudeln oder Karpfen nach Kirchberger Art", schwärmt er.


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