Landwirte dürfen Brachflächen abweiden oder mähen

Wegen anhaltender Dürre sind den Bauern vom Ministerium Maßnahmen gegen die Futterknappheit erlaubt worden. Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem.

Zwickau.

Als Schritt in die richtige Richtung wertet Rainer Stauch, der Vorsitzende des westsächsischen Regionalbauernverbandes, die Freigabe ökologischer Brachflächen zur Futtergewinnung in Sachsen. Allerdings sei nicht nachvollziehbar, warum der Termin für diese Regelung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. "Berufskollegen hatten uns schon gefragt, ob das bei uns auch möglich ist. In Thüringen gab es diese Freigabe bereits früher", sagt Stauch, der auch Vorstand der Agrargenossenschaft Langenchursdorf und Geschäftsführer des Unternehmens Mülsener Marktfrucht und Milchgut ist.

Hilfreich findet Rainer Stauch, dass die Landwirte die Regelung, die angesichts der anhaltenden Dürre und erneuten Futterknappheit in Dresden getroffen wurde und seit dem gestrigen Dienstag gilt, unbürokratisch umsetzen können. "Voriges Jahr gab es im viel zu trockenen Sommer eine ähnliche Lösung, aber die war mit bürokratischen Hürden verbunden", sagt der Agraringenieur. Gut sei auch, dass die betroffenen Flächen betriebsübergreifend genutzt werden könnten. "Solidarität funktioniert gut unter Landwirten. So habe ich heute schon einem anderen Bauern auf seine Anfrage hin zugesagt, dass er das Futter auf einer unserer Brachflächen nutzen kann", sagt Rainer Stauch. In der Agrargenossenschaft Langenchursdorf kann jetzt der Aufwuchs von insgesamt 57 Hektar Brachflächen, die sich vor allem an Wald- und Feldrändern befinden, als Futter verwendet werden. Im Mülsener Betrieb betreffe es 75Hektar, die nun abgeerntet und für die Fütterung der Milch- und Mutterkühe eingesetzt werden können.


André Sett, Geschäftsführer der Fermila in Waldenburg, begrüßt angesichts der Futterknappheit in der Region die unbürokratische Lösung aus dem Dresdner Ministerium ebenfalls. Er berichtet, dass der Landwirtschaftsbetrieb die 15 Hektar Brachflächen, die sich an zwei Stellen im Bereich der Muldenauen auf der Gemarkung Schlagwitz befinden, als Weidefläche für die Schafe nutzen will. Das Unternehmen hat derzeit 720 von diesen Tieren.

Als sinnvoll bezeichnet auch Roland Teufel, Vorstandsmitglied der Genossenschaft "Wiesenburger Land", die nun in Kraft getretene Regelung des sächsischen Agrarministeriums. Die Wiesenburger hätten allerdings keine geeigneten ökologischen Brachflächen für diese Art der Futtergewinnung. Er berichtet, dass es nach einem guten ersten Schnitt auf dem Grünland im Mai beim zweiten Schnitt zwischen Mitte Juni und Mitte Juli angesichts der lang anhaltenden Dürre nur noch den halben Ertrag gegeben habe. "Inzwischen sehen die Flächen braun aus, weil Regen für den erneuten Aufwuchs fehlt", sagt Roland Teufel. "Uns würde es bei der nötigen Futterproduktion helfen, wenn wir die Zwischenfrüchte, die wir jetzt auf den abgeernteten Getreideflächen ausbringen, im September und Oktober ernten und zu Silage verarbeiten dürften."

Dass angesichts der Dürre und der damit verbundenen Futterknappheit in Sachsen im Ministerium in Dresden eine gute und unkonventionelle Lösung gefunden wurde, lobt auch Frank Schlegel, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Blankenhain. Der Landwirt berichtet, dass man im Unternehmen etwa 30Hektar ökologische Brachflächen hat. Wie diese nun am besten für die Gewinnung von Futter für die Milchkühe und das Jungvieh in dem Landwirtschaftsbetrieb genutzt werden können, darüber wolle man jetzt in der Genossenschaft beraten.

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