Leser helfen schwer kranker Mutter

Seit bei Ramona Bödler vor acht Jahren ein Hirntumor diagnostiziert wurde, kämpft die Moselerin gegen die Krankheit. Die 37-Jährige braucht kein Mitleid, aber Hilfe. Und die bekommt sie über die Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse".

Zwickau.

Florian ist schon ganz aufgeregt. Gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern will der Zehnjährige von der Wohnung in Mosel zu einer Theateraufführung in den "Alten Gasometer" in die Zwickauer City fahren, bei der sein Freund mitspielt. "Ohne das Auto, dass wir über die Aktion ,Leser helfen' erhalten haben, wäre so ein Ausflug für unsere siebenköpfige Familie unmöglich. Wir haben uns riesig darüber gefreut und sind den Lesern sehr dankbar für die Spende", sagt Mutter Ramona Bödler. Von der Reha Automobil-Technik Zschorlau, die das 17.500 Euro teure Fahrzeug für die Familie ausgestattet hat, sind extra noch zwei zusätzliche Sitze eingebaut worden, damit alle Platz finden. Und eine Rollstuhlrampe. "Schließlich weiß ich nicht, wie sich meine Krankheit entwickelt, ich bin vielleicht bald auf einen Rollstuhl angewiesen", sagt die Moselerin.

Die Krankheit begleitet die Familie bereits seit acht Jahren. Als Christoph, der Jüngste im Geschwisterquintett, gerade mal einen Monat alt war, wurde bei der heute 37-Jährigen ein Hirntumor diagnostiziert. Kurze Zeit darauf die Operation mit dem Wissen, dass die Chancen, dass Ramona Bödler anschließend halbseitig gelähmt sein wird, 50:50 stehen. "Das war eine schwere Zeit für uns alle", sagt sie. "Aber alles ging gut." Doch schon ein Jahr später folgte die zweite Operation mit dem gleichen Risiko, die die Kämpferin überstand, 2017 dann der dritte Eingriff mit größerem Risiko. Der anschließende Befund: sekundäres Glioblastom. Das ist der bösartigste Tumor. "Die Überlebenszeit liegt bei zwei bis drei Jahren. Mit vier Jahren gilt man schon als Langzeitüberlebender", berichtet die Frau, die auch mit epileptischen Anfällen und einer Kniearthrose zu kämpfen hat. Die Frau sagt, dass sie kein Mitleid will, sondern einen offenen und respektvollen Umgang. "Meine Erkrankung ist relativ selten, da ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und Geld für die Forschung zu sammeln."


Ramona Bödler gehört nicht zu jenen, die das nur fordern. Trotz ihrer schweren Erkrankung und der Belastung als fünffache Mutter gründete die Moselerin im November eine Selbsthilfegruppe "Hirntumor", zu der inzwischen neun Mitglieder aus dem gesamten Landkreis gehören. "Wir tauschen uns über gute Behandlungsmöglichkeiten und Ärzte aus, machen uns aber auch gegenseitig Mut", sagt die Frau, die anlässlich des Welthirntumortages für den 15. Juni mit Helfern einen Schwanenteichlauf organisiert, bei dem sie auf die seltene neuroonkologische Erkrankung aufmerksam machen und Geld für die Deutsche Hirntumorhilfe sammeln will.

Die gelernte Kosmetikerin berichtet, dass sie sich seit der Diagnose vor acht Jahren wie auf einer Achterbahnfahrt fühlt. "Oben angekommen, geht es manchmal rasant wieder nach unten. Es gibt Kopfüber-Fahrten und Loopings. Aber es ist kein Spaß. Nicht nur ich, sondern meine ganze Familie leidet." Ihr Mann, Andreas Detlef Stephan, mit dem sie 19 Jahre zusammen und fünf Jahre verheiratet ist, tut was er kann, kümmert sich um seine Frau und hält den Familienbetrieb am Laufen. "Aber ehrlich, auch ich bin nicht gesund und manchmal am Ende meiner Kräfte", gibt er zu und berichtet, dass er in der Selbsthilfegruppe "Hoffnung" in Chemnitz auftankt. "Da kann man über alles reden, wird nicht schief angeguckt."

Tochter Vanessa hat wie ihre Geschwister Angst, die Mutter zu verlieren. "Es ist schön, dass wir jetzt ein Auto haben, in das alle reinpassen. Da können wir Mutti immer gemeinsam besuchen, wenn sie im Krankenhaus ist. Und Vati kann mich zum Boxen fahren. Ich trainiere beim KSSV Zwickau und bin sogar Sachsenmeisterin geworden", sagt die 15-Jährige. Zur Schlunziger Jugendfeuerwehr, in der alle fünf Geschwister Mitglied sind, fahren sie mit ihren Fahrrädern.

Die Eltern berichten, dass sie zwar Ausflüge planen, aber den Kindern immer erst kurz zuvor davon erzählen. "Wenn es mir plötzlich schlechter geht und nichts daraus wird, sind sie sonst nur enttäuscht", sagt Ramona Bödler. Sie will für ihren Mann und ihre Kinder stark sein. "Doch oft ergreift mich Traurigkeit. Ich frage mich, was wird in Zukunft? Sterbe ich vor meiner Mutter?" Die 68-Jährige wohnte in Eilenburg. Als sie nach einer Krebs- und einer psychischen Erkrankung pflegebedürftig wurde, hat sie die Familie nach Mosel geholt, um sich besser um sie kümmern zu können.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...