Leute, entspannt euch mal

Auch das noch: Ein Geschäft für Cannabisprodukte öffnet in Zwickau. Allerdings kann man dort allenfalls einen Kaufrausch bekommen.

Zwickau.

Die Kollegen haben gewitzelt: Bring mal ein Pröbchen mit, haben sie gesagt. Klar, wenn man ein Gespräch in einem Laden für Cannabisprodukte plant, muss man damit rechnen.

Am Freitag eröffnet solch ein Geschäft an der Magazinstraße in der Zwickauer Innenstadt. Allerdings folgt auf den Witz auch gleich die Ernüchterung. Einen Rausch bekommt man von keinem der Produkte, die die Regale füllen - falls man nicht gerade versucht, vom Zuckerschock durch die Hanfschokolade high zu werden.

Karen Awet, der gemeinsam mit Inhaber Danny Langer hinterm Verkaufstresen stehen wird, schlägt eine völlig andere Richtung ein. Ihr Geschäft habe nichts mit Drogen zu tun. Auch wenn Hanf die Ausgangspflanze für ihre Produkte ist, enthalten diese kein Tetrahydrocannibinol, also nicht das psychoaktive THC. Was sie verkaufen wollen, ist das CBD, das Cannabidiol - auch das ist eine von mehr als 300 Verbindungen, die im Hanf vorkommen, allerdings erzeugt das Öl keinen Rausch. Dennoch erleben CBD-Shops in jüngster Zeit einen wahren Boom. Denn CBD wird vielseitig verwendet. Gegen Schmerzen beispielsweise oder um den Schlaf zu fördern. Allerdings steht das nicht auf der Verpackung, sagt Karen Awet. "Es gibt zwar Studien zur Wirkung von CBD, aber die stammen überwiegend aus den USA. In der Europäischen Union kann das Mittel nur zur Nahrungsergänzung verkauft werden." Das bedeutet, es gibt keine Beipackzettel. "Wenn beispielsweise jemand mit Kopfschmerzen zu uns kommt, schicken wir ihn in die Apotheke." Hanfschokolade gibt es dann allenfalls als Trostpflaster.

Aber wer soll dann den Tee, das Öl oder die anderen Produkte kaufen? Die beiden jungen Männer sind zuversichtlich, dass es in Zwickau ebenso viele Kunden gibt wie in anderen Städten - etwa Leipzig, wo sich mehrere Shops etabliert haben. Die Kunden werden zwischen 18 und mehr als 70 Jahre alt sein und ihre Gründe haben. "Ich glaube nicht, dass wir ein Laden sind, in den man einfach so reinschaut. Ich denke, unsere Kunden wissen genau, was sie wollen." Zum Beispiel zur Ruhe kommen und entspannen.

Das CBD, das in solch einem Laden angeboten wird, hat nichts mit jenen Cannabis-Medikamenten zu tun, die seit einiger Zeit verschrieben werden dürfen, etwa bei Multipler Sklerose oder zur Linderung von Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie - wenngleich auch bei diesen Arzneien CBD einer der Wirkstoffe ist. Die bleiben Medizinern vorbehalten.

Danny Langer und Karen Awet dürfen zwar keine medizinische Beratung anbieten. Doch der gelernte Koch und ehemalige Rettungssanitäter sowie der Gastronom veranstalten künftig jeden Donnerstag Informationsabende rund um das Cannabis-Öl. Natürlich ganz entspannt.

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